Kletter-Epochen

1865 bis Jahrhundertwende

"Der Weg ist das Ziel": Albert Frederick Mummery (1855 geb., der Brite ist der herausragende Kletterer der 1880er Jahre. Erstbesteigung Grands Charmoz und Grepon "Mummery-Riss". Er war einer der ersten, dem es wichtig war, wie und auf welcher Route eine Besteigung durchgeführt wurde: "Bergsteigen ist das reine Vergnügen!" 1895 am Nanga Parbat verschollen). Beatrice Thomasson (Erstbegehung der Marmolada Südwand "Via Classica", IV+). Mangels Karabiner muss das Seil durch Felshaken gefädelt werden, wozu ein Ausbinden notwendig ist! Mummery und Thomasson kletterten in Wirklichkeit nicht zusammen. Nach der Eroberung und Erforschung der höchsten Alpengipfel (das "Goldene Zeitalter des Alpinismus" endet 1865 mit der Besteigung des Matterhorns) wurde Bergsteigen zum Sport. Nicht mehr das bloße Erreichen des Gipfels war das Ziel, sondern das Überwinden der Schwierigkeiten. Beginn des führerlosen Bergsteigens und des Schwierigkeitsalpinismus. Gründung der Alpenvereine.
Technik und Ausrüstung: Hanfseil, Trikoni-Schuh mit Metallnägeln am Schuhrand, Tweed-Anzug, Krawatte, Röcke, Stock, Pickel, Laterne, menschlicher Steigbaum ("Räuberleiter"-Technik).
Protagonisten: Ludwig Purtscheller, Eugen Guido Lammer, A. W. Moore, Sepp Innerkofler, Franz Lochmatter, Josef Knubel, Emil Zsigmondy.
Touren: Marmolada Südwand, Große Zinne, Langkofel, Großvenediger Nordwestwand, Fußstein-Olperer Überschreitung, Meije Überschreitung, Mt. Blanc Brenva Flanke, Kleine Zinne Nordwand.

Jahrhundertwende bis 40er Jahre

Hias Rebitsch (1911 geb., Allrounder und einer der besten Kletterer der 30/40er Jahre, großer "Felskünstler" und "bester Kletterer seiner Zeit" (Zitat Messner), Pionier der Sportkletterei, Erschließer schwerster und gewagter Anstiege, 1946 Erstbegehung der Lalidererspitze "Direkte Nordwand" im Karwendel. 1990 gest.). Die "wilden Bergvagabunden" suchen kletterbare Routen und Neuland in schwierigen Wänden. Durchbruch zum Schwierigkeitsgrad VI+.
Technik und Ausrüstung: Stahlkarabiner, Hanfseil, Kletterpatschen, Hüft- und Schultersicherung, direktes Einbinden ins Seil, Abseilen mit Dülfersitz.
Protagonisten: Paul Preuß ("nur Routen klettern, die man auch im Abstieg bewältigen kann"), Hans Dülfer, Willo Welzenbach, Hans Frenademetz, Emil Solleder, Fritz Wiessner, Hans Fiechtl, Roland Rossi, Otto Herzog, Hans Steger, Hias Auckenthaler, Angelo Dibona, Emilio Comici, Riccardo Cassin, Anderl Heckmair, Hermann Buhl.
Touren: Monte-Rosa Ostwand, Wiesbachhorn Nordwestwand, Piz Badile Nordostwand, Kleine Zinne "Preuß-Riss", Große Zinne Nordwand, Totenkirchl Westwand, Civetta Nordwand, Eiger Nordwand, Grandes Jorasses "Walkerpfeiler"

50er / 60er Jahre

"Technische Direttissimas": Walter Spitzenstätter und Otti Wiedmann demonstrieren: die legendäre Innsbrucker Seilschaft aus den 60ern. Spitzenstätter und Wiedmann verwenden ihre Originalausrüstung und versuchen seit Jahrzehnten heute zum ersten Mal wieder die hakentechnische Kletterei! Die Bohrhaken am "Schiestl-Dachl" (das an den großen Ötztaler Alpinisten Reinhard Schiestl erinnert) wurden extra für diese Demonstration angebracht. Ära der hakentechnischen oder "künstlichen" Kletterei, wobei Haken, Seil und Steigleitern auch zur Fortbewegung benützt werden. Heroische und ruhmreiche "Direttissimas" in großen Wänden - die möglichst gerade Linie zum Gipfel dominiert das Denken. Die Öffentlichkeit betrachtet sie als das Nonplusultra des Alpinismus. Die "Materialschlachten sind der Mord am Unmöglichen" (Zitat Messner), eine Sackgasse in der Entwicklung des Kletterns. Es war sportlich gesehen ein Rückschritt.
Technik und Ausrüstung: Bohrmeißel, Expansionsbohrhaken, erstmals Kunststoffseil (Perlon) und Kunststoffhelm, Schraubkarabiner, erster Alu-Karabiner, Fiffi-Haken, Strickleiter, Holzklemmkeil, zwiegenähte Lederschuhe ("Öhlschläger"), Brustgurt aus Reepschnüren.
Protagonisten: Gaston Rebuffat, Walter Bonatti, Dietrich Hasse, Lothar Brandler, Jörg Lehne, Reiner Kauschke, Royal Robbins, Don Whillans.
Touren: Große-Zinne Nordwand "Hasse-Brandler", Halfdome Nordwestwand, El Capitan "Salathé", Dru Westwand "Harlin-Robbins".

70er Jahre

Reinhard Karl (1946 geb., "Klettern als totale Lust ohne Spuren zu hinterlassen!" Frei- und Big Wall-Kletterer der ersten Stunde. Erster Deutscher am Mt. Everest 1978. 1982 am Cho Oyu verunglückt). Freiklettern heißt nicht ohne Seil klettern, sondern Haken und Seil nur zur Sicherung und - im Gegensatz zur "technischen" Kletterei der 50er und 60er Jahre - nicht zur Fortbewegung zu verwenden. Geklettert wird ausschließlich an den Strukturen des Fels. Routen, die "frei" kletterbar sind, wurden von Kurt Albert mit roten Punkten versehen = Das "Rotpunktklettern" war geboren. Neues Denken, neue Musik, neue "alte" Werte: "Freeclimbing by fair means". Hippiebewegung und Freiklettergedanken aus dem Elbsandstein-Gebirge und dem Yosemite werden im Alpenraum populär. Klettern und Bouldern als Spiel. "Rotpunktklettern". Rückbesinnung auf die Freikletter-Ideale von Preuß. Erweiterung der Schwierigkeitsskala um den VII. Grad.
Technik und Ausrüstung: Reibungskletterschuhe, Magnesia, Halbmastwurfsicherung (1974), Hexentrics, Klemmkeile, Friends (mechan. Klemmgeräte), "Alpingurt" und erste Hüftgurte, Baumwollkleidung, Latzhosen.
Protagonisten: Reinhold Messner (war dieser Zeit schon in den 60er Jahren voraus), Ron Kauk, Ron Fawcett, Bernd Arnold, Helmut Kiene, Luisa Jovane, Heinz Mariacher, Reinhard Schiestl, Albert Precht, Kurt Albert, Heinz Zak.
Touren: "Charlie Chaplin" (Karwendel), "Pumprisse" (Wilder Kaiser), "Don Quixote" und "Moderne Zeiten" (Marmolada), "Via Niagara" (Pordoi Nordwestwand), "Morgenlandfahrt" (Schüsselkarspitze), "Separate Reality" (Yosemite)

80er Jahre bis heute

"Sportklettern wird Massensport": David Lama (geb. 1990. Klettert mit 12 Jahren Routen im Schwierigkeitsgrad 8b/X und ist derzeit der weltbeste Kletterer seines Alters! Dreifacher österreichischer Staatsmeister und Gewinner zahlreicher internationaler Kletter- und Boulderwettkämpfe. Mitglied des Innsbrucker Alpenvereins-Wettkampfteams unter der Leitung von Reinhold Scherer). Sport- und Freiklettern als Freizeitsport, Klettern als Wettkampf- und Hochleistungssport, Indoorklettern, Plaisir-, Abenteuer- und Big-Wall-Klettern. Leistungsexplosion und Vorstoß in den XI. Grad - sogar in alpinen Wänden, "Klettern um des Kletterns Willen".
Technik und Ausrüstung: Klebebohrhaken aus Nirosta-Stahl, Bohrmaschine, fix eingerichtete Kletterrouten, Multisturzseil, Sportklettergurt, Express-Schlingen, Fleece und Goretex, selbstblockierendes Sicherungsgerät ("Grigri"), Energieriegel, Mobiltelefon, Helikopterbergung.
Protagonisten: Wolfgang Güllich, Stefan Glowacz, Lynn Hill, Catherine Destivelle, Andreas Orgler, Alexander und Thomas Huber, Gerhard Hörhager, Silvo Karo, Patrick Edlinger, Francois Legrand, Reinhold Scherer, Jürg von Känel, Stefan Fürst, Leo Houlding, Mauro Bole, Robert Jasper.
Touren:
"Punks in the Gym" (Mt. Arapiles), "Action Direct" (Frankenjura), "Locker vom Hocker" (Schüsselkarspitze), "Eternal Flame" (Nameless Tower), "Bellavista" (Westliche Zinne).

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