Meine Top 15-Neuerscheinungen auf dem Alpinliteratur-Markt:

Natürlich ist die Liste der im Handel erhältlichen Bücher zu alpiner Literatur fast endlos. Und selbstverständlich ist die Fülle der neu veröffentlichten oder aufgelegten Bücher ebenfalls riesig. Daher gibt es hier stets nur eine kleine Auswahl an neuen Büchern, die sich dafür aber auch sicher lohnen dürften. Natürlich liegt auch hier der Schwerpunkt gemäß meinem eigenen Interesse auf den großen Bergen der Welt. (Sortierung: innerhalb des Erscheinungsjahres in der Reihenfolge der Rezension.)
Übrigens: weitere Besprechungen kann man - nach Jahren sortiert - hier suchen.

Links zu den letzten 15 Buchbesprechungen:

Messner, Reinhold: "Zurück in die Berge" nach oben!

gebunden, 144 Seiten, ISBN 978-3-7112-0024-2
Preis: 20,00 €, Bergwelten-Buch 2021. Website des Autors:
www.reinhold-messner.de

"Zurück in die Berge" war 1970 das Erstlingswerk von Reinhold Messner: Messner setzt sich mit einem Thema auseinander, welches wohlmöglich heute, 2021, aktueller ist, als es seinerzeit 1970 war: die Berge als Rückzugsort, eine Möglichkeit, sich intensiv mit der Natur zu befassen, sich darüber selbst zu erfahren. Berge bieten die Möglichkeit, die Hektik und den Lärm der städtischen Region hinter bzw. unter sich zu lassen, was eine großartige Erfahrungsmöglichkeit sein kann. Am Berg werden Sinne gefordert, die während des Lebens in der Stadt verkümmern, die wieder stimuliert werden wollen.
Messner diskutiert jedoch auch, inwiefern dies in der heutigen Zeit mit einer ausgebauten Infrastruktur wie Unterkunftsmöglichkeiten, Bergbahnen und präparierten Skipisten möglich ist. Immer mehr Menschen strömen in die Berge, wollen wandern, paragliden, klettern, geocachen und den berühmten Einkehrschwung üben. Muten wir der Natur zuviel zu? Haben wir wohlmöglich bereits längst Grenzen überschritten, wenn es um den Schutz der Bergregionen geht? Wieviel Mensch verträgt der Berg? Hier darf man freilich anderer Meinung als Messner sein, doch auch kontroverse Meinungen sind ein wichtiger Schritt in der Auseiandersetzung mit dem Thema. Man hätte den Buchtitel hier auch mit einem Fragezeichen versehen können.

Messner Antworten auf diese Fragen schreibt Messner in Aufsätzen nieder, verschriftlicht Gedanken, die ihm während seiner Bergtouren kamen. Auch romantische und ruhige Gedanken sind darunter. Hierbei nimmt uns Messner u.a. zur Eiger-Nordwand, zum Heiligkreuzkofel, zur Marmolada mit und erzählt von seiner Motivation, stets "zurück in die Berge zu müssen". Auch Gedichte sind, lesens- und nachdenkenswert, Bestandteil der Lektüre.

Die mal stimmungsvollen, mal idyllischen, mal düsteren Schwarzweiß-Fotografien stammen von Andre Schönherr.

   

Messner, Reinhold: "Alle meine Gipfel" nach oben!

gebunden, 375 Seiten, ISBN 978-3-7844-3429-2
Preis: 30,00 €, Langenmüller-Verlag 2020. Website des Autors:
www.reinhold-messner.de

"Berühmtester Abenteurer der Gegenwart" - so oder so ähnlich wird Reinhold Messner meist vorgestellt. Und ob Kritiker oder "Fan", in einer Sache sind sich doch alle einig: die Biographie, das Lebenswerk dieses Mannes suchen in der Welt der Bergsteiger & Abenteurer ihresgleichen: wenn Messner Bilanz zieht, dann reiht sich Expedition an Expedition, Überlebenskampf an Überlebenskampf, Erfolg an Erfolg, doch auch Niederlage an Niederlage. Ein vielschichtiges Leben durfte Reinhold Messner bis dato leben und nur Corona sorgt derzeit (Winter 2020) dafür, dass Messner seine Pläne etwas nach hinten stellen muss.

Das Buch ist eine Neuauflage des gleichnamigen Werkes, welches schon lange auf dem Buchmarkt zu kaufen ist: auf knapp 400 Seiten lässt Messner vor allem seine Bilder sprechen: vom kleinen Bub aus den Südtiroler Dolomiten zum ehrgeizigen, begnadeten Felskletterer, der zum erfolgreichsten Höhenbergsteiger wurde, nachdem man ihm 1970 zahlreiche Zehen amputieren musste. Erstbesteigung des Everest ohne Flaschensauerstoff ´78, erste Solobesteigung eines Achttausenders ´78, erste Solobesteigung des Everest ´80, erste Doppelüberschreitung zweier Achttausender ´84... - die Liste ließe sich verlängern. Danach durchwandert Messner Wüsten, ist Politiker am EU-Parlament, seit Jahrzehnten Vortragsredner, baut gleich sechs Museen, wird Filmemacher. Achja: die Anzahl seiner geschriebenen Bücher kennt wohl Messner selbst nicht so genau.

"Alle meine Gipfel" ist zweifelsohne das Buch, wenn es darum geht, die Bandbreite von Messners Schaffen & Tun kennenzulernen. Über 650 Fotos machen das Buch zum optischen Leckerbissen, nie mit Text überfrachtet, so dass sich das Buch zum Schmökern, Blättern, Nachschlagen hervorragend eignet. das Buch endet (zunächst) mit dem Jahr 2018 und der 40-Jahr-Feier der berühmten Nairz-Expedition 1978, doch wie sagt man so schön: "...will be continued!"

   

Zaplotnik, Nejc: "Der Weg" nach oben!

gebunden, 317 Seiten, ISBN 978-3-03913-017-7
Preis: 35,00 €, AS-Verlag 2020.

Jernej "Nejc" Zaplotnik gehörte zur ersten Garde der slowenischen Bergsteiger, die schon seit Jahrzehnten durch schwierigste und härteste Expeditionen bis zu den höchsten Giopfeln der Welt auf sich aufmerksam machten: 1952 geboren, lernte er im ehemaligen Jugoslawien in Kindes- bzw. Jugendjahren die Kunst des Bergsteigens und zeigte hier rasch sein großes Talent. Das leidenschaftliche Hobby ermöglichte es ihm, schon in den 70er Jahren ins Ausland zu reisen und so lernte er Afrika und das Yosemite Valley kennen und konnte dann 1975 mit dem Makalu seinen ersten Achttausender besteigen. Im damaligen Politsystem war zweifelslos der Drang nach Freiheit und einem selbstbestimmten Leben so groß, dass Nejc Zaplotnik gerade im Alpinismus eine großartige Möglichkeit sah, sich zu verwirklichen.
1979 gelang ihm mit Andrej Stremfelj die erste komplette Begehung des Mount Everest-Westgrates - ein Meilenstein am höchsten Berg der Welt. Die Liste der erfolgreichen Begehungen ist lang, und doch wurde ihr ein jäher Schlussstrich gesetzt, als Zaplotnik 1983 im Manaslu-Basislager von einer Lawine verschüttet wurde, nur neun Tage nach seinem 31. Geburtstag.
Seine Autobiographie schrieb er, zum Glück für Bergsteigergenerationen nach ihm, bereits zwei Jahre zuvor mit dem Titel "Pot" - ein längst begehrter und gerne gelesener Klassiker der slowenischen Alpinliteratur.
Lard Felgner ist im Rahmen der ersten deutschsprachigen Übersetzung eine feinfühlige Interpretation des originalen Textes gelungen: so bleibt der emotionale Charakter erhalten, wenn Zaplotnik über Kälte, Entbehrung, erfolgreich bestiegene Gipfeln und Freude am Berg, doch auch von Leid und Verlust erzählt. Zaplotnik macht das so offen und ehrlich, dass man sich in die Zeit seiner großen Besteigungen zurückversetzt fühlt. Schön, wenn man aus seinem Herzen keine Mördergrube macht! Für mich ein wenig der Reinhard Karl Sloweniens.

Wer sich näher für das slowenische Spitzenbergsteigen interessiert, dem sei wärmstens das 2017 im AS-Verlag erschienene Buch "Der Weg zur Spitze" von Autorin Bernadette McDonald.

   

Schüssel, Wolfgang & Forcher, Sepp: "Es gibt einen Berg für jedes Alter" nach oben!

214 Seiten, ISBN 978-3-7112-0023-5
Preis: 20,00 €, bergwelten 2020.

Das Unterwegssein in den Bergen ist freilich eine Tätigkeit, der viele Menschen fröhnen und wie schon Reinhold Messner sagte, so gibt es so viele Legitimationen, auf Berge oder an Bergen zu steigen, wie es Menschen gibt, die sich ihnen nähern. Insofern müssen es nicht immer die "großen" Geschichten sein, die sich interessant lesen. Und aus eben diesem Grund versammelt sich in diesem schönen, kleinen Band nicht nur alpines Urgestein wie Alexander Huber, Axel Naglich oder Gertrude Reinisch-Indrich, sondern auch (in der Alpinszene) nicht ganz so bekannte Namen wie die 4000er-Sammlerin Marlies Czerny, Hans Gasperl, Bischof Manfred Scheuer oder andere.

Gerade diese bunte Mischung an Menschen macht die Lektüre des Buches ebenso abwechslungsreich wie lesenswert, erfährt man doch viel über die Beweggründe, warum sich Menschen den Bergen nähern, auf ihre Gipfel steigen wollen: das Unterwegssein als sportliche Herausforderung, als Naturerlebnis, als meditative Möglichkeit, zu sich selbst zu finden und nicht zuletzt: das Bewegen im Gebirge ist eine hervorragende Möglichkeit der Entschleunigung aus unserer hektischen Welt. Oben am Berg hat der Mensch eine Übersicht über die Dinge, während man "unten" doch allzuoft fokussiert sein muss.
Doch die Geschichten zeigen auch, dass sich die Motivationen im Laufe eines Lebens ändern können: es gibt einen Berg für jedes Alter, doch mit dem Alter werden sie unter Umständen kleiner! Die sehr schönen Zeichnungen stammen vom ehemaligen österreichischen Spitzenpolitiker Wolfgang Schüssel.

 

   

Dauer, Tom: "Kurt Albert" nach oben!

336 Seiten, ISBN 978-3-7022-3874-2
Preis: 29,95 €, Tyrolia-Verlag 2020.

Kurt Albert, viel zu früh 2010 durch einen Unachtsamkeitsfehler tödlich beim Klettern verunglückt, war, so schreibt der Tyrolia-Verlag "einer der größten und geistreichsten Kletterer und Bergsteiger aller Zeiten." Zweifelslos! Er war nicht nur Vorreiter der Freikletterbewegung, sondern Urvater des Rotpunktgedankens, den er vom Frankenjura in die Welt transportierte und dadurch den Bergsport revolutionierte. Unterwegs war er alleine, doch zumeist mit Freunden, ihres Zeichens auch oftmals selbst Kletterikonen ihrer Zeit, wie z.B. Wolfgang Güllich, Bernd Arnold, Holger Heuber, Stefan Glowacz usw. Oft gelangen neue, heute noch viel beachtete Linien wie "Locker vom Hocker", "Eternal Flame" oder "Fight Gravity" sind darunter und auch vor dem steilen Karakorum-Fels machte Alberts Philosophie keinen Halt. Stets jedoch verstand Kurt Albert sein Unterwegssein als Lebenseinstellung, die es galt, auszufüllen.

Der erfahrene Alpin-Autor Tom Dauer, der sich schon Reinhard Karl literarisch widmete, sichtete Kurt Alberts Bilderarchiv, sprach mit Kletterpartnern, interviewte Freunde & Bekannte und zeichnet so ein vielschichtiges Bild einer beeindruckenden Persönlichkeit, der vor allem Eines wollte: ein intensives Leben leben, unabhängig sein und mit jeder Faser des Körpers den Moment spüren. Am Berg. Am Fels. Im Abenteuer. Das Buch begleitet uns durch Kurts alpine Entwicklung und zeigt auch einen einfühlsamen, privaten Kurt Albert, dessen Maxime im Buchuntertitel "frei denken, frei klettern, frei sein" sehr treffend auf den Punkt gebracht ist. Dabei werden wir vom Frankenjura mitgenommen in die Alpen, nach Patagonien, Grönland, Mali, Brasilien, Venezuela, Pakistan und und und. Ja, ein reiches Leben hat Kurt Albert geführt, das wird dem Leser spätestens mit der Lektüre des Buches klar. Reich bebildert kommt es daher und Tom Dauer hat die interessantesten und schönsten Aufnahmen mit Hilfe von Horst Albert und Peter Dittrich zusammen getragen.

Wenngleich das Buch einen ganz großen Alpinisten portraitiert, ist es doch viel mehr als ein "Bergbuch" und begeistert sicher alle, die sich nicht nur für die Berge, sondern auch für Werte wie Freiheit, Unabhängigkeit & Freundschaft begeistern. Ich selbst war 2010 tief entsetzt, als ich vom Tod Kurt Alberts erfuhr und freue mich nun umsomehr, dass Tom Dauer ein so schönes Werk über "Mister Rotpunkt" gelungen ist.

   

DAV, OeAv &AVS: "Berg 2021" nach oben!

Hardcover, 256 Seiten, ISBN 978-3-7022-3876-6
Preis: 20,90 €, DAV 2020, Vertrieb über den Tyrolia-Verlag. Infos inkl. Leseproben unter https://www.tyroliaverlag.at/list?xid=43058380

Mit Berg 2021 kommt der nunmehr bereits 145. Band des traditionsreichen AV-Jahrbuchs auf den Markt und hält für den Leser wieder eine Menge an Informationen, Berichten, Interviews ect. bereit:
Der Gebietsschwerpunkt BergWelten widmet sich Band 145 der österreichisch-italienischen Grenzregion an der Naht Osttirol / Südtirol: den Karnischen Alpen. Auf dem Karnischen Höhenweg geht es durch diese wunderschöne Region, wir lernen Klettersteige, Dörfer, das traditionsreiche Hochweißsteinhaus und lohnende Felskletterrouten kennen. Als Grenzregion freilich gibts es aus einer reichen Geschichte zu erzählen, noch länger zurück blickt nur der Geologe in die Erdgeschichte. Ganz aktuell sind Gletscherforschung und das Portrait von AV-Obmann und Kärtner Urgestein Sepp Lederer. Im BergFokus steht die Alpindisziplin, der alljährlich zig Tausende fröhnen: "Wandern": warum Wandern, wieso boomt Wandern? Antike Ausflüge wie die des Joseph Kyselak lernen wir kennen wie auch "moderne" Ambitionen und natürlich der ewige Twist zwischen Wanderern und Radfahrern - eine Entwicklung, die im Zeitalter von E-Bikes nicht einfacher wird. In BergSteigen geht es höher hinaus, als es derzeit die meisten Pedelec-Piloten tun: Ralf Gantzhorn, 2020 tragischerweise in der Schweiz tödlich abgestürzt, widmet sich dem Mont Blanc-Massiv und dessen Hochalpinismus und Stephanie Geiger bricht für die Bergretter eine Lanze. Ein persönliches Highlight: Max Bollands Rückblick auf die internat. Alpinhöhepunkte, die von Gudrun Regelein um die Wettkampf-Szene ergänzt werden. BergMenschen portraitiert die Sportkletter-Pionierin Andrea Eisenhut und Alpin-Legende Hermann Huber, diskuttiert über Integration am Berg und beleuchtet die DAV-Sektion Donauland.
In
BergWissen verpflichtet man sich dem Schutz der Natur und informiert über die Privatisierung jener Natur, gibt Einblicke in die Welt der Eiskristalle und sinniert mit Robert Renzler über die Entwicklungen am ÖAV und DAV. Den Abschluss bildet traditionell BergKultur, heuer mit einem Ausflug zu deutschsprachigen Enklaven in Südtirol, einem Portrait des Fotografen Christian Thiele, über das Gut und Schlecht des Alpinismus und Gedanken von Schriftsteller Christoph Ransmayr.
Ergo: Berg 2021 ist wieder eine bunte, abwechslungsreiche literarische Collage, in der jeder Bergbegeisterte genug Lesematerial für die dunkle Jahreszeit findet!

   

Messner, Reinhold: "Layla" nach oben!

gebunden, 40 Seiten, ISBN 978-3-71120-025-9
Preis: 16,00 €, bergwelten-Buch 2020. Website des Autors:
www.reinhold-messner.de

»Papa war häufig auf Reisen und lebte oft monatelang im Reich des Schneekönigs. Wenn er zurückkam, erzählte er nur wenig. Das Wasser, die Luft und das Licht dort oben hatten ihn schweigen gelehrt oder alles vergessen lassen. Das machte mich neugierig und eines Tages fragte ich ihn, ob ich mitdürfe«

So reist die kleine Layla mit ihrem Vater, dem Bergsteiger, in jenes Reich des Schneekönigs und erlebt das karge Leben in der Wildnis. Zweifelsohne kein Buch, welches man einem Kind zur Lektüre in die Hand gibt. Aber ein sehr schönes Buch, welches sich als Kind prima mit den eigenen Eltern erleben lässt, denn Mama oder Papa dürfen hier und dort sicher erläuternd tätig werden. Die Abenteuer von Layla sind letztlich eine Hommage an die unberührte Natur in den Hochgebirgsregionen unserer Welt, die es zu schützen gilt. Die Erlebnisse von Layla und ihrem Papa erzählen aber auch gleichermaßen von den Gefahren, denen man sich in wilder Natur aussetzt, wie von der Möglichkeit großartiger Erfahrungen, die man abseits unserer Zivilisation machen kann.

Das Buch ist haptisch eine Freude: großformatig und auf hochwertigem Papier gedruckt kommt es daher und ist mit vielen, vielen schönen Illustrationen von Messners Landmann Davide Panizza geschmückt. Große Buchstaben und wenig Text pro Seite ermuntern auch den nachwuchs, sich im Lesen zu probieren. Im Nachwort schließt Messner treffend mit „Der Schlüssel zum Glück ist der Verzicht, nicht der Konsum“ ab – auch das praktizierte Messner bei seinen Expeditionen über Jahrzehnte hinweg. Genau dies gilt es, der jungen Generation mit auf den weiteren Lebensweg zu geben; was Messner in seinem Buch sehr schön gelingt. Schade, dass es nach Messners eigener Aussage das wohl einzige Kinderbuch von ihm bleiben wird.

   

Messner, Reinhold & Märtin, Ralf-Peter: "Tanzplatz der Götter" nach oben!

gebunden, 256 Seiten, ISBN 978-3-596-70436-1
Preis: 28,00 €, S. Fischer-Verlag 2020. Website des Autors:
www.reinhold-messner.de

Reinhold Messner ist seit Jahrzehnten vom Thema "Menschen und Berge" fasziniert und entsprechend umfassend ist sein Wissen zum Thema. Schon in den 90er Jahrenarbeitete er mit dem Theologen Michael Albus an diesem Thema, danach war Ralf-Peter Märtin (verstorben 2016) jahrelang sein Begleiter und Berater zu diesem Thema. Es begegen einem auch (wie im Falle des Kailash) jene Berge wieder, die Messner damals an der Seite von Michael Albus in der TV-Produktion "Wohnungen der Götter" Anfang der 90er Jahre vorstellte. Gemeinsam mit Märtin ist Messner mit "Tanzplatz der Götter" ein spannendes Werk zum Thema Religion(en) und Berge gelungen: weltweit, in allen Erdteilen, auf allen Kontinenten gibt es heilige Berge: mythische Stätten, in den Religionen vor Jahrtausenden geboren wurden oder die auch heute noch heilige Stätten jener Religionen sind. Egal, ob Christentum, Judentum, Islam, Hinduismus oder Buddhismus, in allen Weltreligionen spielen Berge als spirituelle Orte eine wichtige Rolle und "Sterblichen" war mitunter das Betreten dieser "Tanzplätze der Götter" streng untersagt. Die Gipfel streuen quer über den Globus, ob es der Kailash im Himalaya, der Gunung Agung auf Bali, der Fujijama in Japan, der Licancábur in Chile oder der Ayers Rock in Australien ist.
Nach einer Einleitung erzählt Messner in 13 Kapiteln die mythischen Geschichten, die diese Berge umranken. Messner bestieg die meisten der vorgestellten Ziele selbst, bekam selbst für den Kailash seinerzeit von den Chinesen die bis heute einzige Besteigungserlaubnis, die er aus Respekt vor dem Glauben der Einheimischen nicht annahm. So bleibt der Berg bis heute unbestiegen und blieb dadurch besonders mystisch.
Interessant ist natürlich, dass Messners zahlreiche ganz subjektive Erfahrungen als Bergsteiger und religiös interessierter Atheist in die Texte ebenso einfließen wie Märtins Sichtweise auf die Dinge, seines Zeichens ja nicht nur Co-Autor, sondern auch studierter Historiker. Das Buch lässt nicht nur für Messners Geschichten und Recherchen Platz, sondern auch für die vielen ganz- oder doppelseitigen Bilder, die die heiligen Berge wunderbar in Szene setzen. So entsteht ein wunderbares Buch für alle, die sich in diese hochinteressante Thematik einlesen möchten!

   

Messner, Hubert & Koppelstätter, Lenz: "Der schmale Grat" nach oben!

gebunden, 224 Seiten, ISBN 978-3-453-28123-3
Preis: 22,00 €, Ludwig-Verlag 2020. "Trailer" auf youtube: www.youtube.com

Sein berühmter Bruder würde über Hubert sagen, dass er, ihm Gegensatz zu ihm selbst, einem nützlichen Beruf nachgeht. Ja, das tut er: als Arzt konnte er mit jahrzehntelanger Erfahrung 1997 die Neonatologie in der Klinik Bozen leitend übernehmen. Doch auch in ihm schlummert das Abenteuer-Gen wie bei einigen seiner Geschwister, welches sich regelmäßig bemerkbar macht und befriedigt werden möchte. So ist Hubert Messner in seinem Leben immer wieder Grenzerfahrungen ausgesetzt: als Arzt beim Kampf um das Leben der Kleinsten und Schwächsten und als Bergsteiger & Abenteurer in den entlegenden Regionen der Welt: sei es an den Achttausendern Lhotse oder Nanga Parbat, an dem bekanntlich sein Bruder Günther 1970 umkam, oder in den großen Eiswüsten des arktischen und grönländischen Eises.

So ist das Buch eine Sammlung von Hubert Messners Grenzerfahrungen, Gratwanderungen: sei es in seiner beruflichen Rolle als Neugeborenen-Mediziner, oder als Grenzgänger in wilder Natur. Hubert Messner erzählt offen, warum es wichtig ist, sich Grenzerfahrungen zu stellen, welche Motivation er aus diesen Grenzsituationen zieht, wie er derartigen Situaltionen, die ihn an die Grenze zwischen Leben und Tod bringen, begegnet. Und in beiden Feldern stand Hubert Messner an jener Grenze: zum einen als Vater, als er 1996 um das Leben seines Sohnes bangen musste, der als Frühchen zur Welt kam, und 1995, als er mit seinem Bruder Reinhold eine Nordpol-Expedition unternimmt, bei der er beinahe umkommt.

Ein Buch, dass Hoffnung macht, das begeistert, das den Leser in seinen Bann zieht, das schlichtweg höchst lesenswert ist und man nicht aus der Hand legen möchte. Faszinierend wohl vor allem dadurch, dass hier Grenzerfahrungen aus dem beruflichen wie privaten Feld Hand in Hand gehend eine beeindruckende Vita zeichnen.

   

Messner, Reinhold: "Gehe ich nicht, gehe ich kaputt - Briefe aus dem Himalaja" nach oben!

gebunden, 288 Seiten, ISBN 978-3-89029-502-2
Preis: 24,00 €, Piper-Verlag 2020. Website des Autors:
www.reinhold-messner.de

Gehe ich nicht, gehe ich kaputt“ – wer Reinhold Messner auch nur ein wenig kennt weiß, dass ein so umtriebiger Geist tatsächlich das ständige Unterwegssein braucht – körperlich oder geistig. Viel zu erzählen hat er, der größte Abenteurer unserer Zeit: in Büchern, auf Vortragen, sehr privat sicher in seinen Briefen. Genau dies ist Gegenstand von Messners neuem Buch: Messner hat hier aber nicht nur sein eigenes postalisches Archiv gesichtet, sondern ist auch bei berühmten Alpinisten früherer Tage bis hinein in die Gegenwart fündig geworden. Briefe, die die Akteure aus fernen Landen an ihre Lieben schrieben, mal banal, doch oft auch voller Emotion und persönlichen Gedanken, an deden der Leser teilhaben darf.

Da die Inhalte sowie die Sprache oftmals typisch für die jeweilige Zeit sind, gliedert Messner sein Buch in die Kapitel „Pionierzeit“ (1850-1929), „Heldenzeit“ (1932-1961), „Hochzeit“ (1970-1990), „Funkstille“ (2000-2005) und „Netzzeitalter“ (2010-2020), wobei in den letzten drei Buchteilen praktisch ausschließlich Messner zu Wort kommt. In den ersten beiden Kapiteln werden große Namen wie George L. Mallory, Karl Wien, Paul Bauer, Maurice Herzog, Willy Merkl, Herbert Tichy ect. geradezu rezitiert - für mich ein echtes Highlight des Buches, die Briefe aus den Sturm und Drang-Jahren, den Entdeckerjahrzehnten im Himalaya.

In den Texten spiegeln sich nicht nur Erfolg & Niederlage, Triumph & Leid, sondern auch der jeweilige Geist der Zeit. Die Texte sind ein Spiegel der jeweiligen Autoren und lesen sich so abwechslungsreich wie ihre Urheber.

   

Ritschel, Bernd: "Tirol 2021" nach oben!

Spiralbindung, 14 Seiten, ISBN 978-3-7022-3856-8
Preis: 12,95 €, Tyrolia-Verlag 2020. Website des Autors:
https://www.lightwalk.de/home.html

Mit kaum einem österreichischen Bundeland assoziiert ein „Nicht-Österreicher“ das schöne Land inmitten der Alpen wie mit Tirol. Genau diesem Bundesland verschreibt sich der neue Kalender vom renommiertem Bergfotograf Bernd Ritschel, der sich

Nachdem man mit dem wunderschönen Titelmotiv, dem Großglockner im Abendlicht, eingestimmt wurde, bekommen wir jeden Monat mit einem Motiv quer durch Tirol versüßt: ob die nächtliche Wildspitze im Ötztal, idyllische Holzblockhütten im Virgental, faszinierende Eisstrukturen auf dem Gepatschferner, urige Alpenvereinshütten, herbstliche Brauntöne oder der gewaltige Wettersteinstock zur blauen Stunde – jedes Motiv macht Freude und weckt die Lust nach der Ferne (sofern man nicht in den Bergen wohnt).

Der mittelformatige Kalender (31 cm x 35 cm, mit Mondphasen und Kalenderwochen-Nummerierung) passt an jede Wand und ist mit den tollen Foto-Perspektiven und abwechslungsreichen Farb-Arrangements ein Hingucker von Januar bzw. Dezember.

   

Ritschel, Bernd & Fischer, Andrea: "Alpengletscher - Eine Hommage" nach oben!

gebunden, 256 Seiten, ISBN 978-3-7022-3846-9
Preis: 39,00 €, Tyrolia-Verlag 2020.
Eine siebzehnseitige Leseprobe gibt es auf der Verlagsseite unter www.tyroliaverlag.at/leseproben/9783702238469/leseprobe.pdf.
Einen kleinen Videotrailer kann man sich auf
www.youtube.com anschauen.

Mit einem wunderschönen Frontdeckel kommt das neue Werk von Bergfotograf Bernd Ritschel daher und für sein Buch hat er sich die studierte Umweltsystemwissenschaftlerin Andrea Fischer als Co-Autorin geholt, die seit vielen Jahren Erfahrung in der Erforschung von Gletschern hat.

Woran denkt man, wenn man das Wort „Gletscher“ hört? An strahlendweiße Eisströme, die von den hohen Alpengipfeln hinabziehen. An tiefe Spalten. An Gletschertore, Moränenwälle und bizarre Formen. Und sicher an noch viel mehr. Letztlich aber auch an den Klimawandel, der sich in Europa nirgends so eindrücklich und beängstigend zeigt wie in den Alpen. Meterweise schwindet an vielen Gletschern das Eis und dort, wo man noch vor Jahrzehnten Gletscherzungen sehen konnte, finden sich heute nur Schutthalden und Moränen.

Bernd Ritschel und Andrea Fischer stellen uns dieses sensible Ökosystem mit interessanten und nachdenklich machenden Texten und gewaltigen Bildern vor, die die Geschichte der Alpengletscher eindrucksvoll dokumentieren. Bernd Ritschels Fotografien, über Jahrzehnte hinweg im Rahmen vieler Touren gesammelt, entlocken dem Leser & Betrachter oftmals ein „Wow“ – sie machen das Buch tatsächlich zu einer Liebeserklärung an die Berge und ihrer Gletscher – eine Hommage, der man sich gerne oft widmet.
Toll, dass zu jeder Aufnahme das Aufnahmejahr dokumentiert ist. In Jahren wird man die Aufnahmen vergleichen können…
Hinten im Buch gibt es Ausflugtipps zu besonders schönen Aussichtspunkten auf Gletscher und ein Literaturverzeichnis, mit dem man tiefer in die Materie eintauchen kann.
Ein wunderschönes Buch über ein Alpenrefugium, dass es so in Zukunft wohl nicht mehr geben wird!

   

"Alpin 2021" nach oben!

Spiralbindung, 13 Bilder, ISBN 978-3-667-11890-5
Preis: 24,90 €, Delius Klasing-Verlag 2020. Website des ALPIN-Magazins: www.alpin.de

Kalender sind längst nicht mehr nur dafür da, um Termine festzuhalten. Je nach Hobby und Vorliebe kann man sich mit einem schönen Kalender einen ganzjährigen Wandschmuck an die Zimmerwand zaubern. In Kooperation mit der renommierten Bergzeitschrift „Alpin“ bringt der Delius Klasing-Verlag einen großformatigen (58 x 39 cm) Kalender 2021 heraus, der sich der Bergwelt verschrieben hat. Natürlich liefern prominente Berg- bzw. Landschaftsfotografen die fantastischen Motive hierzu. Darunter sind der jüngst viel zu früh verstorbene Ralf Gantzhorn (ein Nachruf ist in der August-Ausgabe von „Alpin“ zu lesen), Herbert Raffalt, Iris Kürschner, Sebastian Wahlhütter, Hannes Kutza, Julien Nadiras, Leo Himsl und Axel Jentzsch-Rabl.

Eines haben die Aufnahmen alle gemeinsam: man fühlt sich in die Szenerie mit einbezogen: egal, ob bei ausgesetzter Gratkletterei am Mont Blanc, beim Besuch eines Klosters in Ladakh, beim idyllischen Wandern am Appenzeller Seealpsee, beim Eisklettern in den Hohen Tauern oder beim Ersteigen des Südtiroler Peitlerkofels. Stets fühlt man sich eher als Protagonist denn als Betrachter von außen.

Hinten im Kalender gibt es neben Infos zu den Bildern auch zu vier Kalendermotiven die dazugehörigen genauen Tourenbeschreibungen aus dem Magazin ALPIN.
Gewaltige Bildeindrücke bietet "Alpin 2021" und man sich fragt, warum denn ein Monat nur 30 bzw. 31 Tage haben muss... Ein wirklich schöner Wandschmuck für alle, die die Berge lieben!

   

Neuhold, Thomas & Praher, Andreas: "Widerstand, Verfolgung, Befreiung - Zeitgeschichtliche Wanderungen" nach oben!

Broschur, 248 Seiten, ISBN 978-3-7025-0963-7
Preis: 24,00 €, Verlag Anton Pustet 2020. Nähere Infos auch auf der Verlagsseite zum Buch.

Widerstand, Verfolgung, Befreiung – welche Epoche mitteleuropäischer Geschichte hier in Form „zeitgeschichtlicher Wanderungen“ erkundet wird, dürfte rasch klar sein: die Zeit der Nationalsozialisten, die überall bis in unsere heutigen Tage ihre Spuren hinterlassen, ja, sich in die Landschaft gebrandmarkt hat.
Die österreichischen Autoren, „Der Standard“-Korrespondent Thomas Neuhold und Historiker Andreas Praher, haben sich freilich auf den Großraum Salzburg sowie das südliche und östliche Umland konzentriert: von der Venedigergruppe im Süden, Bad Ischl im Osten (auch in Linz gibt es eine Exkursion) bis zum Epizentrum des Geschehens, nach Salzburg, reichen die insgesamt 35 Wandervorschläge. Alle Touren rollen die schwierige Vergangenheit in Österreich auf, erzählen von NS-Lagern, Judenverfolgung, Rassenwahn, Zwangsarbeit, ideologischen Verirrungen und von traurigen Einzelschicksalen in den 30er und 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts.

So wird denn auch zu jeder Wanderung nicht nur eine Routenbeschreibung und kleine farbige Karte mitsamt Gehzeiten und Schwierigkeitsangaben geliefert, sondern vor allem eine gute historische Einbindung, hochinteressant zu lesende kurze Biographien und Ausflüge in das dunkelste Kapitel der jüngeren menschlichen Geschichte.
Doch so schwierig (und gut umgesetzt) das Thema des Buches ist, so möge man letztlich nicht die schönen landschaftlichen Eindrücke vergessen, die man auf den vorgeschlagenen Routen von Thomas Neuhold und Andreas Praher erfahren darf.

Kapitelweise sortiert gibt es im Anhang zu jeder Tour weiterführende Literaturhinweise, so dass sich jeder Interessierte noch tiefer in die Thematik einlesen kann.
Ein damit sehr gelungenes Werk zu einer schwierigen Thematik, die nie vergessen werden darf!

   

Schwabe, Gerald: "Lieblings-Wanderungen rund um Oberstdorf" nach oben!

Softcover, 128 Seiten, ISBN 978-3-86389-044-5
Preis: 12,95 €, brack-Verlag 2020. Nähere Infos auch auf der Verlagsseite. Website des Autors: http://www.allgaeu-bilderbogen.de

Der Allgäu-Kenner Gerald Schwabe hat neben dem vierten Band der Bildbandreihe „Allgäu-Panoramen“ auch einen Wanderführer „rund um Oberstdorf“ publiziert: hier stellt Schwabe im Rahmen von 45 Touren das südliche Oberallgäu & das Kleinwalsertal und damit das Zentrum der Allgäuer Hochalpen dar. Die Touren sind nach „leicht“, „mittel“ und „schwer“ gegliedert, wobei Schwierigkeiten natürlich subjektiv sind. Ich selbst traue mir Gipfel wie die Höfats oder Trettachspitze nicht zu, doch durchaus die hier schweren Touren wie Rubihorn, Walser Geißhorn oder Hoher Ifen. Die leichten Touren wie z.B. Spaziergänge ins Oytal, Gemsteltal oder zur Spielmannsau sind demgegenüber sehr leichte Unternehmungen. Die mittelschweren Touren nehmen den Großteil des Buches ein, hier sind Klassiker wie Laufbacher Eck-Weg, Fellhorn, die Hörnergruppe, das Walmendinger Horn ect. zu finden.

Eine wirklich schöne Auswahl, die Schwabe hier findet, das darf ich wohl mit über 35 Jahren „Allgäu-Erfahrung“ sagen. Alle Touren bieten neben einer guten Beschreibung ein Höhenprofil, eine kleine farbige Karte, in der Punkte, die in der Beschreibung fallen, eingetragen sind; zudem charakteristische Bilder und alle wichtigen Eckdaten wie Gehzeit, zu bewältigende Höhenmeter ect. Vorne im Buch finden sich allgemeine Hinweise sowie kurze Steckbriefe der wichtigsten Gesteine, die die Allgäuer Gipfel aufbauen.

Das Buch hat Hosentaschenformat (16 x 11,5 cm) und ist damit bei jeder Tour rasch platzsparend eingepackt. Es wird schwer, da die richtige Auswahl im nächsten Allgäu-Urlaub zu treffen!

 

   

Schwabe, Gerald: "Allgäu-Panoramen 4 " nach oben!

Hardcover, 81 Seiten, ISBN 978-3-86389-043-8
Preis: 12,95 €, brack-Verlag 2020. Nähere Infos auch auf der Verlagsseite. Website des Autors: http://www.allgaeu-bilderbogen.de

Berg-Panoramen faszinieren immer wieder auf´s Neue: der Blick schweift in die Weite und man hat dank des großen Blickwinkels das Gefühl, in der Landschaft zu stehen. Besonders intensiv ist dieser Eindruck natürlich auf Gipfeln im Gebirge. Der Erfolg spricht für sich, denn mit dem Band "Allgäu-Panoramen 4" legt Gerald Schwabe heuer den bereits vierten Band der beliebten Panorama-Reihe vor. Das Rezept ist so einfach wie gut: tolle Bilder, alle wichtigen Gipfel, die sich dem betrachter zeigen, sind beschriftet und man möchte schnell auch auf diesen Gipfeln und Aussichtspunkten stehen. Die Bilder, die quer durchs Jahr, doch zumeist im Sommer aufgenommen sind, bestechen durch hohe Qualität und Farbbrillanz. So ist das Büchlein ein guter Begleiter für den Rucksack und macht auch daheim bei der Lektüre einfach nur großen Spaß.

Mit dabei sind natürlich bekannte Logenplätze wie Hoher Ifen, Walmendinger Horn, Grünten, Große Schlicke, Brentenjoch, Steineberg oder der Tegelberg, aber auch tolle Talimpressionen wie aus Sonthofen, dem Sonthofener Hof, dem Illertal bei Schöllang, dem Forggensee usw. fehlen nicht. Den Schwerpunkt der insgesamt 39 Panoramen liefert natürlich das gipfelreiche Oberallgäu und Kleinwalsertal, doch auch das Tannheimer Tal und das Ostallgäu sind vertreten. Panoramen vom Allgäuer Hauptkamm fehlen in diesem Band, was den Genuss des Buchs keineswegs schmälert.
Ein solches Buch ist einerseits eine Ideen-Fundgrube für die Tourenplanung und bietet so manches schöne „ach ja“-Erlebnis, wenn die Tour schon gemacht wurde. So oder so, wieder ein sehr lohnendes Buch, dass man gerne immer wieder durchschaut und dabei die vorangegangenen Bände 1, 2 und 3 aus dem Schrank holt.

   

Lama, David: "Sein Leben für die Berge - von ihm selbst erzählt " nach oben!

Klappbroschur, 480 Seiten, ISBN 978-3-328-60150-0
Preis: 26,00 €, Penguin-Verlag 2020.

Als ich im April 2019 hörte, dass David Lama mit zwei Seilgefährten in den kanadischen Rocky Mountains in einer Lawine ums Leben gekommen ist, konnte ich es kaum glauben: dieser Ausnahmebergsteiger tot? Was hat er schon alles in seinem jungen Leben an unglaublichen Touren gemeistert? Wahnsinn! Und nun tot?
Toll, dass das vorliegende Buch sozusagen ein literarisches Gesamtwerk, ein literarisches Vermächtnis seines alpinistischen Lebens ist: es umfasst die beiden bereits erschienenen Bücher "High" und "Free" und ist um wertvolle Gedanken ergänzt, die es nicht mehr in Form eines dritten Buches gab:
In "High" (erstmals 2010 erschienen) erzählt David von seinen Kletteranfängen; davon, wie Peter Habeler sein Talent entdeckte; von seiner Karriere als Wettkampf- und Hallenkletterer und von seinem gelungenen Sprung an die schweren Weltberge auf den Kontinenten dieser Welt. Ein großer Schritt, den nur wenige Kletterer meistern. David schaffte dies mit Bravour. Im Folgewerk (erstmals 2013 erschienen) steht Davids Masterpiece im Vordergrund: die erste freie Durchsteigung der berühmten Kompressorroute am Cerro Torre: das hatte niemand, wirklich niemand für möglich gehalten - außer David selbst und wohl sein Seilpartner Peter Ortner. Die kühne Tat gelingt und konnte filmisch in "Cerro Torre - Nicht den Hauch einer Chance" großartig festgehalten werden. David hat die Chance genutzt, die der Berg ihm bot. Immer. Immer, solange es eine Möglichkeit gab, auf den Gipfel zu gelangen.
In den angehangenen kurzen Aufsätzen geht es um erfüllte Träume wie z.B. den Moose´s Tooth in Alaska, den Trango Tower im Karakorum oder am Lunag Ri, den er nach vergeblichen Versuchen 2018 solo besteigen konnte: die Erstbegehung des damals höchsten unbestiegenen Berges in Nepal, dem Heimatland seines Vaters. Doch auch Scheitern musste Lama lernen, wie an der Annapurna III.
Die knapp 500 Seiten des Buches lesen sich leicht, voller Faszination für diesen grandiosen Athleten und doch auch mit ein wenig Trauer, dass er nach einem sehr intensiven Leben und doch nur mit jungen 28 Jahren viel zu früh sterben musste. Hansjörg Auer (1984-2019) und Jess Rosskelley (1982-2019) seien hier nicht vergessen!

   

Linzbichler, Helmut: "Abenteuer unlimited" nach oben!

Broschur, 240 Seiten, ISBN 978-3-941297-42-5
Preis: 19,90 €, Sportwelt-Verlag 2019. Infos auf der Verlagsseite unter www.sportweltverlag.de/shop/abenteuer-unlimited oder auf der Website des Autors.

"Mein Leben im Grenzbereich" heißt es da im Untertitel - klingt stressig, oder? Mitnichten! Helmut Linzbichler ist ein "Extremsport-Maniak": Egal, ob der berühmte Ultralauf quer durch die gesamten USA, ob der Badwater-Ultra im Death Valley, ob Klettern in abgelegenen Gebieten der Welt, ob die Seven Summits der Kontinente, ob ein Marathon am Nordpol, ob ob ob...Die Liste könnte man beliebig verlängern: Helmut Linzbichler hat als Extremsportler & Extremabenteurer viel erlebt, hat überlebt und hat die Freude an extremen Unternehmungen nie verloren, im Gegenteil.

Helmut Linzbichler erzählt sehr offen wie er zum Sport, zu extremeren Unternehmungen gefunden hat, erzählt über seine familiären Hintergründe und natürlich über sein "Leben im Grenzbereich": wie wächst man in dieses extremne Hobby hinein? Wie motiviert man sich für derartige Extremunternehmungen? Wie hält man mental einen 5000 km-Lauf durch? Wie gelingt die Besteigung des höchten Berges der Welt als ältester Europäer? usw.

Freilich war Linzbichlers Leben nicht nur von großen Erfolgen geprägt, sondern, wie es nun einmal auch im Sport & Privatleben leider geschieht, von Rück- und Schicksalsschlägen. Doch wie sagt sich der Autor? "Das Leben ist zu kurz für irgendwann“. Also gilt es, nach einem Rückschlag wieder aufzustehen und einen erneuten Versuch zu wagen. Auch davon erzählt Linzbichler in einer sehr offenen, ehrlichen und auch humorvollen Art, was das Buch sehr kurzweilig und spannend zu lesen macht. Viele schlichtweg geniale Bilder und ein paar Seiten für die Freunde der Zahlen runden das Buch und literarische Lebenswerk Linzbichlers, wenn man so will, gelungen ab. Das Vorwort schrieb kein Geringerer als Landsmann und Freund Peter Habeler.

   

Huber, Alexander: "Die Angst - Dein bester Freund" nach oben!

Hardcover, 256 Seiten, ISBN 978-3-7112-0011-2
Preis: 22,00 €, Bergwelten-Buch 2020. Nähere Infos auf der Verlagsseite.

"Ich hänge an meinen Fingerspitzen ohne Seil und Absicherung in einer senkrechten Wand. Die Angst ermöglicht Konzentration, denn jeder Griff muss sitzen" (Auszug Klappentext). Wer glaubt, Profikletterer hätten keine Angst, stattdessen Nerven wie Drahtseile und seien lebensmüde, der hat diesen Sport und seine Akteure nicht verstanden. Doch niemand anders als Alexander Huber, der sich als Spitzenkletterer gemeinsam mit seinem Bruder Thomas als "Huberbuam" weltweit seit Jahrzehnten einen Namen gemacht hat, könnte besser erklären, warum gerade die Angst so wichtig ist, den Akteur bei vollem Bewusstsein, ja ihn am Leben hält.

Die Angst zieht sich, so auch im Buch, durch Alexander Hubers Leben - egal ob bei seinen Kletteranfängen in der Kindheit & Jugend, seiner berühmten free solo-Tour durch die Hasse-Brandler-Direttissima der Großen Zinne, seinen Speedklettertouren am El Capitan oder bei seinem jüngsten Meisterstück, der "Bayerndirettissima" am Mount Asgard in Kanada. Huber zeigt anschaulich und mitreißend, wie facettenreich und eben wichtig die Angst sein kann und wie man sie erfolgreich nutzt. Dies tut Huber, diplomierter Physiker, aus nüchtern-wissenschaftlicher Warte wie auch aus zahlreichen eigenen Erfahrungen heraus. Jeder, der einmal bei sportlichen Unternehmungen in brenzlige Situationen geraten ist, wird seine Gedanken und Emotionen nachempfinden können. Huber ist literarisch kein Feingeist, sondern erfrischend offen, klar und geradlinig. Wer schon einmal einen seiner tollen Vorträge besucht weiß, wie kurzweilig das sein kann. Das Buch bietet so einen sehr persönlichen Einblick in Hubers Seelenwelt und erklärt letztlich den Untertitel "Dein bester Freund" - ohne Angst wäre jeder risikobereite Sportler, jede risikofordernde Sportart, wie eben das Bergsteigen in all seinen Facetten, zum Scheitern verurteilt.

Schön, dass Alexander Huber das Thema "Angst" so ehrlich aufs Tableau bringt. Großartig!

   

Irlinger, Bernhard: "Zeit zum Wandern: Oberallgäu und Kleinwalsertal" nach oben!

broschiert, 192 Seiten, ISBN 978-3-7343-0461-3
Preis: 15,00 €, Bruckmann-Veralg 2019.

Eine der beliebtesten Wanderregionen Deutschlands, das Allgäu, und die "schönste Sackgasse der Welt", das Kleinwalsertal, in einem Band: das verspricht reichhaltiges Wandervergnügen. Doch wo anfangen? Wer (noch kein) Kenner der Regionen, sondern "Neuling" ist, dem wird es schwer fallen, die ideale Tour zu finden, die nicht zu schwer, nicht zu lang und zudem landschaftlich reizvoll ist. Am besten noch in Verbindung mit einer guten Möglichkeit für eine gemürliche Einkehr.
Bernhard Irlinger kennt sich vor Ort bestens aus und stellt in seinem neuesten Buch 40 Touren vor: unterteilt in die Schwierigkeiten "leicht", "mittel" und "schwierig" (wobei sich diese Gliederung auf Tourlänge und/oder Schwierigkeit bezieht) kann man zwischen weniger bekannten Alternativen und natürlich den Allgäuer Highlights bzw. Klassikern wie Hochvogel, Heilbronner Weg, Jubiläumsweg, Ifen, Breitachklamm, Grünten, Gerstruben usw. entscheiden.
Zwischen den Tourenberichten findet man für bestimmte Kategorieen wie "Große Gipfel", "Beste Aussichten", "Für Groß und Klein" usw. die vom Autor als besonders lohnend erachtete Touren - wenn man sich denn in einer bestimmten "Touren-Zielgruppe" tummeln möchte.

Zur perfekten Planung liegen alle Touren als gpx-Download als auch, für die eher "konservativen" Planer, als herauslösbare Faltkarte. Bildmaterial, kleine Kartenausschnitte mit eingetragener Route (ergänzend zur größeren Faltkarte), wichtige Eckdaten wie Höhenmeter und Gehzeiten sowie ein Höhenprofil machen einen schnellen Überblick, welche Touren individuell geeignet sind, schnell möglich. Und durch die Übersichtstabelle im hinteren Buchdeckel, wo alle Eckdaten nochmals zusammengefasst sind, bleiben wirklich keine Fragen offen.
Viel Spaß bei der Tourenplanung für den Bergsommer 2020!

   

Messner, Reinhold: "Mein Schlüsselberg Nanga Parbat" nach oben!

Hardcover, 323 Seiten, ISBN 978-3-453-28126-4
Preis: 32,00 €, Ludwig-Verlag 2019.

Reinhold Messner und der Nanga Parbat - eine Beziehung ohnegleichen. Kein lebender Bergsteiger hat wohl eine intensivere Beziehgung zu diesem Berg, kennt seine Geschichte besser, ist dem schon fast sagenumwobenen Achttausender näher gekommen als Messner: 1970 die erfolgreiche Durchsteigung der Rupalwand, das tragische, bekannte Expeditionsende mit dem Tod des Bruders Günther; Suchexpeditionen nach dem Bruder; 1978 dann, nur Monate nach seiner Everest-Besteigung ohne Flaschensauerstoff, die erste erfolgreiche Solobesteigung eines 8000ers; wieder Suchexpeditionen bis Leichenreste Günther Messners gefunden werden.
Messner blickt freilich auf seine eigene bewegte Geschichte am Berg zurück und blickt aber auch auf die legendären Expeditionen, die sich Jahrzehnte vor und nach Messner dem Berggiganten genähert haben: berühmte Namen wie Mummery, Buhl, Herrligkoffer, Merkl, Welzenbach, Schell, Schauer, House u.v.m. und deren Expeditionen werden durch Messners Fähigkeit, den Leser mit auf die Reise zu nehmen, lebendig. So lernt man den Berg durch diese spannend und historisch interessant erzählten Expeditionsrückblicke von praktisch allen Seiten kennen: die frühen Versuche an der Rakhiot-Seite bishin zur legendären Erstbesteigung 1953, die Erschließung der Diamirseite bei der Zweitbesteigung 1962, die Durchsteigung der Rupalflanke 1970 usw. Das Buch dabei ein gelungener Mix aus den Texten Messners, hervorragendem und höchst reichhaltigem Bildmaterial und vielen Zitaten verstorbener und noch lebender Alpinisten.

So ist das neueste Werk Messners insgesamt eine überaus ansprechende, ja durchaus opulent gestaltete Chronik zu einem der berühmtesten Berge der Welt, frelich ohne Anspruch auf Vollständigkeit (das ginge auch gar nicht) und natürlich nicht ohne die Eigenmeinung des Autors. So verwundert es nicht, dass die Expedition 1970 mit rund fünfzig Seiten einen besonderen Stellenwert am Buch hat, wobei diese Expedition nun auch einen zentralen Punkt in der Geschichte des Berges darstellt. Eine klare Kaufempfehlung an alle Leser, die sich mit Reinhold Messner, dem Himalaya bzw. konkret mit dem Nanga Parbat beschäftigen und auseinandersetzen wollen.

Das Buch ist eine völlig überarbeitete Neuversion des 2008 erschienenen Buches "Diamir - König der Berge".

   

Ruhland, Michael: "Bergmenschen" nach oben!

Hardcover, 224 Seiten, ISBN 978-3-95416-310-6
Preis: 34,99 €, Frederking & Thaler 2019. Impressionen von der Buchpräsentation.

Menschen, die den Bergen verbunden sind, haben soviele Motivationen, in die Berge zu gehen, wie es eben BERGmenschen gibt. Und jeder Grund hat sicher seine Faszination. Michael Ruhland, Chefredakteur der Zeitschrift "Bergsteiger", hat sich, auch mit Kollegen, 30 Akteuren der Berge genähert und diese in Form von sehr persönlichen Intervewies portraitiert. Dabei geht es um Schicksalsschläge, Erfolge, Angst, Glück, Erfahrungen und Motivationen mit dem und am Protagonisten "Berg". Viele große Namen sind dabei, die im Buch, je nachdem, mit welchem Schlagwort sich die alpinistische Karriere gut beschreiben lässt, den Gruppen "Aufbruch", "Wagnis", "Demut", "Liebe", "Enttäuschung" und "Ankommen" zugeordnet sind.
Das Spektrum der Portraits ist groß: Namen wie Reinhold Messner, Kurt Diemberger oder Bernd Kullmann stehen in "Ankommen" für die großen Alpinkarrieren vergangener Jahrzehnte; Alix von Melle und Luis Stitzinger geben sich in "Liebe" ein Stelldichein; Adam Ondra, die Huberbuam oder Robert Jasper kann man sich in "Aufbruch" nähern; die leider viel zu früh verstorbenen David Lama, Hansjörg Auer und Ueli Steck lassen in "Wagnis" einen Blick in ihr Innerstes zu usw. Tiefgründige, ehrliche Einblicke, die faszinieren und Lust auf den nächsten eigenen Ausflug in die Berge machen.
Doch auch "Nichtprofis" wie Politiker Heiner Geißler, Schauspieler Rufus Beck und die ladinisch singenden Schwestern Elisabeth und Marlene Schuen erklären ihren Zugang zu den Bergen und erklären, warum Berge wichtig in ihrem Leben sind. So entsteht ein vielschichtiger Blick auf die Beziehung zwischen Mensch und Berg, der viele Fragen beantwortet und doch auch viele Fragen offen lässt. Gut so!
Toll ist das reichhaltige, faszinierende Bildmaterial im Buch, zeitgenössische Aufnahmen ebenso wie aktuelle Fotografieen. Herausragend sind hier natürlich die ausdrucksstarken Portraits von Fotograf Christoph Jorda, die tief in die Seele blicken lassen. Das Vorwort schrieb Stephan Siegrist, seines Zeichens einer der besten Allround-Alpinisten der Welt.

   

McDonald, Bernadette: "Die Kunst der Freiheit" nach oben!

Hardcover mit Umschlag, 399 Seiten, ISBN 978-3-906055-78-7
Preis: 34,90 €, AS-Verlag 2019.

Schon das Cover des Buches verspricht Großes: ein Portrait des berühmten Voytek Kurtyka, darunter die von ihm (und Robert Schauer) erstmals durchstiegene, gewaltige Gasherbrum IV-Westwand und in der Mitte: Bernadette McDonald als Autorin. Das kann nur hochinteressant werden!
Doch von vorne: Wojciech "Voytek" Kurtyka, 1947 in Polen zur Welt gekommen, gehörte über viele Jahrzehnte zur engen Weltspitze der großen Höhenbergsteiger. Alpinistisch in der heimischen Tatra und später im Hindukusch groß geworden, wagt sich Kurtyka seit nunmehr über vierzig Jahren immer wieder an die schwierigsten und höchsten Berge unserer Erde: Changabang, Dhaulagiri, die Gasherbrum´s, Nameless Tower usw. Dabei steht nie der reine Gipfelerfolg im Vordergrund, sondern der elegante, schwierige, oft auch neue Weg. Mit dabei sind stets gute Freunde bzw. Wegbegleiter aus der Weltelite der Alpinisten wie Alex MacIntyre, Jerzy Kukuczka, Wanda Rutkiewicz, René Ghilini, Robert Schauer oder Erhard Loretan. Das manchmal nicht einfache Verhältnis zwischen derart starken Charakteren ist interessant zu lesen. Als Vertreter der polnischen Bergsteigerszene ist auch Kurtyka ungemein zäh, ausdauernd und in gewisser Hinsicht auch kompromisslos am Berg - was ihm die entsprechenden Erfolge beschert und wovon man sich vielleicht nach der Lektüre des Buches eine kleine Scheibe abschneiden kann.

Bernadette McDonald, die sich ja schon mehrfach der osteuropäischen Alpinistenszene gewidmet hat, ist durch ungeheure Akribie bei der Recherche dem sympathischen und stillen Star so nahe gekommen, wie es noch nicht zu lesen war. In vielen Interviews mit Voytek und zahlreichen Freunden und Expeditionskameraden war es ihr möglich, ein faszinierendes Bild des Ausnahmebergsteigers zu zeichnen. Kurzweilig zu lesen begleiten wir dabei nochmals Kurtyka an die schwierigsten und exotischsten Gipfel der Welt und können verstehen, was ihn immer wieder in lebensgefährliche Situationen trieb. Ergänzt durch die Möglichkeit, in so manches Fotoarchiv schauen zu dürfen, entsteht ein sehr lesenswertes Portrait, nicht zuletzt durch die sehr gute Übersetzung von Robert Steiner, der auch schon die AS-Publikationen "Der Weg zur Spitze" und "Klettern für Freiheit" von Bernadette McDonald aus dem Englischen übersetzte.

   

DAV, OeAv &AVS: "Berg 2020" nach oben!

Hardcover, 256 Seiten, ISBN 978-3-7022-3810-0
Preis: 20,90 €, DAV 2019,
Vertrieb über den Tyrolia-Verlag. Infos inkl. Leseproben unter https://www.tyroliaverlag.at/list/9783702238100

Mit Berg 2020 kommt heuer der 144. Band des traditionsreichen AV-Jahrbuchs auf den Markt und hält für den Leser wieder eine Menge an Informationen, Berichten, Interviews ect. bereit:

Der Gebietsschwerpunkt BergWelten widmet sich in der neuesten Ausgabe dem Arlberg-Gebiet: als eines der promminentesten Skigebiete Tirols ist der Arlberger Skizirkus, heute wie damals, natürlich in diversen Artikeln Thema. Los geht´s aber mit der "Arlberger Sommerfrische". Im BergFokus steht mit "Eis" ein aktuelles Thema auf der Agenda: Eis als Lebensraum; Eisklettern im Laufe der Zeit; die Symbiose Berg und Eis und die Frage "was kommt, wenn das Eis geht" - der Klimawandel offenbart sich in keinem Lebensraum so deutlich wie im Hochgebirge!
In BergSteigen widmet sich Paul Mair dem extremen Eisklettern und auch Eiskletter-Profi Robert Jasper kommt hier zu Wort. Ein Höhepunkt in diesem Kapitel ist natürlich wie jedes Jahr die Alpinismus-Chronik von Max Bolland, die wieder mit vielen spektakulären Highlights rund um den Globus aufwartet. In BergMenschen kommt unter anderem Laura Dahlmeier zu Wort: die erfolgreiche Biathletin im "Ruhestand", die nun als Bergläuferin Schlagzeilen macht. Doch was wäre das Jahrbuch, wenn man nicht völlig Neues lesen und lernen würde: oder haben Sie schon einmal von Theodor Christomannos gehört?
BergWissen portraitiert die zwölf wichtigsten Alpenvögel: Alpendohle, Steinadler & Co. geben sich ein Stelldichein, bevor es am Beispiel Patagonien abermals um den Klimawandel geht. Ein kartographischer Exkurs zum Mount Kenya entführt den Leser nach Afrika, bevor Pit Schubert aus Zeiten des Kalten Krieges plaudert. BergKultur wird von Jürgen Winkler und seiner Sicht auf neue Bergerschließungsmethoden wie der Errichtung von sogenannten Skywalks eröffnet, bevor Silvia Schmid die Entwicklung des deutschsprachigen Bergfilms beleuchtet: Ertl, Trenker, Fanck, Baur, Hiebeler: ein langer Weg von "Der Berg ruft" bishin zu modernen Werken wie Kammerlanders Biographie "Manaslu".
Natürlich gesellen sich zu den genannten Artikeln eine Vielzahl weiterer Aufsätze und eine Unzahl von Farbabbildungen runden das Jahrbuch in gewohnter Weise zu einem äußerst lesenswerten Werk ab, in dem jeder Berginteressierte eine Fülle an Informationen & Kurzweil findet.

   

Mooslechner, Walter: "Gebirgswasser - Schnee und Eis" nach oben!

Hardcover, 190 Seiten, ISBN 978-3-7025-0955-2
Preis: 25,00 €, Verlag Anton Pustet 2019

Wasser! Der Stoff auf unserer Erde schlechthin, der einzige Stoff, der in der Natur im festen, flüssigen und gasförmigen Aggregatzustand auftritt. Der Stoff, dem die Erde das Prädikat "der blaue Planet" verdankt. Und gerade im Gebirge tritt das Wasser in so vielen verschiedenen Erscheinungen zutage: als kleiner Gebirgsbach, als Wasserfall, als Schnee- und Firnfeld, als Moorbildner, als Lawine und Gletscher, als Lebensspender, als Geländebildner und als zerstörende Kraft. Sei es "zahm" im Rahmen der allgegenwärtigen Erosion, sei es in Form von Überschwemmungen. Und letztlich ist es doch auch lebenswichtiges Lebensmittel.

Walter Mooslechner ist als pensionierter Förster im Gebirgsland Österreich in seinem Leben mit allen Spielarten des Gebirgswassers in Berühmrung gekommen und hat seine Erfahrungen in seinem neuesten Buch gesammelt: in vielen einzelnen Kapiteln widmet er sich der kleinen Gebirgsquelle ebenso wie der alpinen Lebewelt, wie dem alpinen Skisport, wie heißen Quellen, Eishöhlen, Gletscherseen und vielem mehr. Unüberlesbar ist Mooslechners riesiger Wissens- und Erfahrungsschatz, den er gerne mit seinen Lesern teilt und weitergibt. Auch, um sensibel zu machen für diese einzigartige Ressource der Natur: der Klimawandel wird dem Wasser in den Bergen ein Schicksal bescheren, was noch gar nicht in Details absehbar ist. Umso wichtiger, dass wir sorgsam mit der Natur und seinem Wasser sorgsam umgehen. Die Nachricht, die Botschaft kommt an!

Das Buch ist durchgehend farbig bebildert und mit zig beeindruckenden Fotografien versehen, sei es die Eiskogelhöhle, ein scheuer Schneehase, die wilde Liechtensteinklamm (hierzu existiert vom Autor ein seperates Buch, ebenfalls im Pustet-Verlag erschienen) oder schlicht ein wunderschöner Schneekristall: Walter Mooslechners Buch ist eine äußerst lesenswerte Hommage an das blaue Element! An sich ein überfälliges Thema, welches nun wunderschön erarbeitet wurde.

   

Messner, Reinhold: "Rettet die Berge" nach oben!

gebunden, 127 Seiten, ISBN 978-3-710900716
Preis: 10,00 €,
Benevento-Verlag 2019. Eine Buchbeschreibung ist auf der Verlagsseite zu lesen.

Schon vor über zwanzig Jahren prangerte Reinhold Messner in seinem Altwerk "Berg Heil - heile Berge?" die Art und Weise an, wie wir mit unserer Berglandschaft umgehen. Und nun, mit 75 Jahren, wird Messner nicht müde, diesen Appell nochmals lautstark zu bekräftigen und in unsere heutige Zeit zu definieren. Freizeitanlagen, Skitourismus, Bergbahnen, riesige Showevents auf Berggipfeln, Mountainbiker und E-Biker, Möchtegernbergsteiger usw. allerorten. Berge boomen. Wandern boomt. Und was des einen Freud ist des anderen Leid. Leiden tut vor allem die Natur! Erhabenheit der Natur? Ja! Wildheit der Natur? Nein, es gibt doch eine Infrastruktur mit Seilbahnen, Bergwacht und Straßen.

Messner prangiert sehr deutlich und zu Recht an, dass wir den Respekt vor der Natur verlieren, dass es uns an Ehrfurcht vor der wilden Bergwelt fehlt. Tourismus in den Bergen "ja", aber nicht zu den heutigen Bedingungen. Messner gelingt es, dass sich auch der Leser, jedes einzelne Individuum fragen muss, was man selbst zum Schutze der Natur tun kann. Ein klein wenig mehr "archaische" Natur, so wie sie Messner oft fordert, wäre sicher nicht zuviel verlangt. Braucht es wirklich jeden Skilift, jede Bergbahn, jeden neuen großen Wanderparkplatz, neue, breite Wege, neue PKW-Möglichkeiten? Wäre unbequemer nicht schöner, ehrlicher? Kein Zweifel, Messners Texte regen zum nachhaltigen Nachdenken an. Nutzen wir diese Chance! Der berühmt gewordene Slogan "There is no planet B" gilt wohl auch besonders für den sensiblen Lebensraum "Berg".

Die hinteren gut zwanzig Seiten sind einem ausführlichen Interview mit Reinhold Messner gewidmet, wo der Alpinist und Abenteurer Rede und Antwort zu Themen wie Angst, Überleben, Freiheit und Ausgeliefertsein steht. Wieder offen, ehrlich und ungefiltert - das macht Messner authentisch und glaubwürdig in seinem Appell! Ein kritisches Messner-Werk, wie es sich für 2019, für Zeiten (hoffentlich) großen Wandels gehört.

   

Kalender: "Wanderlust 2020" nach oben!

Spiralbindung, 13 farbige Blätter, ISBN 978-3-667-11479-2
Preis: 34,90 €, Delius-Klasing 2019. Vorschaubilder gibt es auf www.delius-klasing.de/wanderlust-2020-11479

Wer gerne in den Bergen wandert hat doch meist das ganze Jahr über Lust auf das "Aktiv-sein" in, an und auf seinen Lieblingsbergen. Mir geht es jedenfalls so... Und wenn man nicht gerade in den Bergen wohnt und sich die Berge auf den jährlichen Urlaub beschränken, ist das restliche Jahr mit Sehnsucht, Touren-Planung und nochmal Sehnsucht vollgepackt.
Schön, wenn man sich da in Form eines großformatigen Wandkalenders (67,5 x 47 cm) ein Jahr lang ein monatlich wechselndes schönes Motiv an die heimischen Wände zaubern kann. Wer schon einen freien Platz hat, es lohnt auch jetzt schon, den Kalender "Wanderlust 2020" aufzuhängen: das Titelmotiv ist bereits mit dem herrlichen Blick auf die Königin des Allgäus, die Höfats, spektakulär und der Kalendertitel "Wanderlust" passt natürlich super.

Bekannte Landschaftsfotografen wie Dan Patitucci und andere fangen hier grandiose Landschaftsmomente ein, die Lust auf das Unterwegssein in der Natur machen: surreale Felsformationen in Schottland, die Eisriesen im Khumbu-Himalaya, der berühmte Brienzergrat in der Schweiz, der unglaubliche Risco-Wasserfall auf Madeira, die Wüste Namibias, der Half Dome im Yosemite Valley in den USA und eben auch die Allgäuer Alpen - bei jedem Motiv bekommt man Wanderlust, Urlaubslust, Lust auf Aktivität in der Natur!

Mit Hilfe der kurzen Beschreibungen zu jedem Motiv bekommt man einen ersten Eindruck von der Tour, während der das Bild entstanden ist. So gestaltet sich der Start in eine eventuelle Tourplanung leichter.
Achja: der Kalender wurde von der Jury des "Gregor Publisher Calendar Award" 2019 mit Bronze ausgezeichnet. Für mich deckt sich das 1:1 mit dem Eindruck, den der Kalender (nachdrücklich) bei mir hinterläßt.

   

Messner, Reinhold: "Absturz des Himmels" nach oben!

gebunden, 416 Seiten, ISBN 978-3-10-397450-8
Preis: 24,00 €,
S Fischer-Verlag 2019. Eine Buchbeschreibung ist auf der Verlagsseite zu lesen.

Willo Welzenbach (1899-1934), der Eispapst, so wie er einst in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts genannt wurde, weil kein anderer wie er Eiswände der West- und Ostalpen sammelte. Er war zweifelsfrei einer der besten Bergsteiger seiner Zeit. Sein großes Ziel wird der Nanga Parbat, doch die Bergsteiger-Lager im Deutschland jener zeit sind gespalten: der getreue Nationalsozialist Paul Bauer intregiert Welzenbachs Plan, der erst 1934 unter Willy Merkls Leitung zum Nanga kommt. Es kommt zur Tragödie, unter anderem stirbt auch Willo Welzenbach in einem infernalischen Höhensturm.
Es ist eine spannende aber eben auch intregante Zeit: Paul Bauer, Willy Merkl, Willo Welzenbach, Peter Aufschnaiter, Erwin Schneider - alle klangvolle Namen, wenn es um die Früherschließung des Himalayas geht. Und wohl auch aufgrund des frühen Todes ging der Name Welzenbach zu schnell für das breite Publikum unter. Reinhold Messner kennt die Alpingeschichte und natürlich den Nanga Parbat wie kein Zweiter, weiß seit Jahrzehnten, wie man packende Bücher schreibt. Doch für die "Akte Welzenbach" holt er sich mit Dr. Anton Schwembauer wertvolle Hilfe, der ihm Zutritt zu einer Vielzahl von fast vergessenen, persönlichen Dokumenten und Briefen verschafft. Diese kann Messner gekonnt nutzen, um eine spannende Geschichte zu erzählen: die Geschichte eines begnadeten Bergsteigers, der nicht nur gegen die Unbilden der Natur ankämpfen muss, sondern auch gegen die Unbilden des damaligen politischen Regimes, für die eine Bergbesteigung eine Machtdemonstration eines überlegenen Volkes war.

Messner gelingt es meiner Meinung nach ausgezeichnet, sich hier mit persönlichen Meinungen etwas zurückzuhalten und die Dokumente, die er sichten durfte, für sich sprechen zu lassen: einzigartige Dokumente einer spannenden Zeit im deutschen Bergsteigen, die, gepaart mit Messners Sachkenntnis und Erfahrung, lebendig werden. Mittels dieser vielen Briefe, Tagebuchzitate usw. taucht der Leser in eine fast hundert Jahre alte Vergangenheit ein und spürt den damaligen Machtkampf zwischen Staat, DAV und Bergsteiger. Zahlreiche Schwarzweißbilder aus Welzenbachs bewegenden letzten zehn Lebensjahren runden das Buch sehr gelungen ab.

Für mich ist diese Epoche eine der interessantesten Abschnitte, wenn man sich für Alpinhistorie begeistert. Daher eine klare Kaufempfehlung!

   

Seitlinger, Gabriel: "Salzburg Summits" nach oben!

Broschur, 368 Seiten, ISBN 978-3-7025-0929-3
Preis: 24,00 €, Verlag Anton Pustet 2019.

Seven Summits, Second Second Summits, German Summits, Salzburg Summits: die höchsten Berge einer jeweiligen Region, eines jeweiligen Landes zu besteigen ist en vogue. Warum nicht: man bereist seine Umgebung und man kommt mit Landstrichen in Kontakt, die man sonst vielleicht nicht bereisen würde. Nun ist natürlich Salzburg und sein Umland so oder so eine Reise allemal wert, also liegt es nahe, auch hier einen derartigen Führer zu platzieren.

Ganze 119 Ziele sind es, wenn man sich den höchsten Punkten der jeweiligen Gemeinden des gesamten Bundeslands Salzburg annimmt: eine große Aufgabe, der sich Gabriel Seitlinger , seines Zeichens Hochgebirgsgeograph, erfolgreich gestellt hat. Vielleicht ist das ja auch das Erfolgrezept solcher Projekte: es gibt, so auch in Seitlingers Band, leichte Ziele und schwere, kurze und längere Gipfeltouren, bekanntes und unbekanntes Terrain, niedrige Gupfe (es geht los bei 445 m) und hochalpine Ziele zu erleben: der Großvenediger ist mit 3657 m das sprichwörtliche Highlight in diesem Buch.

Dabei ist es ganz gleich, ob man sich den "Landmarken" oder Gipfeln mit dem (Mountain)Bike, auf Ski oder per pedes nähern möchte: es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Dabei ist das Buch durchgehend farbig bebildert und mit allen nötigen Informationen wie Anstiegsbeschreibung, Kartenskizzen ect. versehen, damit man gleich losstarten kann. Und wer nicht so recht weiß, wo man anfangen soll: eine Liste mit allen "Startgemeinden" und jeweiligen Gipfeln ist auch vorhanden. Damit viel Spaß beim Naturerlebnis "Salzburg"!

   

Synnott, Mark: "Free solo im Yosemite" nach oben!

Hardcover, 480 Seiten, ISBN 978-3-7112-0007-5
Preis: 24,00 €, Bergwelten-Buch 2019.

Alex Honnold ist 33 Jahre alt, ein Sunnyboy und… einer der besten, wenn nicht derzeit der beste Big Wall-Kletterer der Welt, gewann u.a. 2015 den Piolet d´Or. Bekannt und hochgeachtet ist Honnold in der Kletterszene schon lange, doch sein absolutes Masterpiece lieferte er am 3. Juni 2017 ab, als er nach langer Vorbereitung am El Capitan im Yosemite-Valley die schwere Route „Freerider“, die er zehn Jahre zuvor als 21-jähriger an einem Tag durchstieg, als erster Kletterer free-solo durchsteigen konnte: 1000 Meter steilster und schwierigster Granit (Grad IX / IX+ nach UIAA), die der bekannte Speedkletterer noch dazu in unglaublichen 3:56 Std. durchsteigen konnte. Profikletterfreund Tommy Caldwell spricht gar von der „Mondlandung des Free-Solo-Kletterns“. Meiner Meinung nach nicht übertrieben!

Zugegeben: anfangs ist man eventuell etwas enttäuscht: kein einziges Bild von dieser wahnwitzigen Kletterei. Aber: das Buch ist so fesselnd geschrieben, dass es einem dem Atem rauben kann, dass man das Buch zur Seite legen muss, um sich seine verschwitzten Hände zu trocknen. Da braucht es keine Bilder, die gibt’s im Netz zur Genüge. Das Buch erzählt zudem die ganze Geschichte: wie bereitet man sich auf eine solche Extremsituation vor? Wie tickt ein solcher Alex Honnold mental und hat in der Route keinerlei Angst? Was ging in Alex´ Karriere an schweren Touren voraus, bis man sich an diesen Grenzgang wagen konnte? Mark Synnott blickt in die Seele Honnolds und schaut hinter die Fassaden diesen Extremsports. Das Buch ist damit eine großartige Ergänzung zum Film „Free Solo“, der die Tour filmisch dokumentiert und 2019 den Oskar für den besten Dokumentarfilm gewann!

Nachtrag: ein Jahr später, 2018, konnte Honnold die berühmte „Nose“ am El Cap in unglaublichen 1:58 Std. durchsteigen. Er scheint auf dem Zenit seiner Leistungsfähigkeit angekommen zu sein!

   

Funk, Gaby: "Wanderungen für Langschläfer - im Allgäu" nach oben!

broschiert, 126 Seiten, ISBN 978-3-862-46580-4
Preis: 14,99 €, J.Berg-Verlag 2019

Das Allgäu ist eines der beliebtesten Bergregionen im deutschen Alpenraum. Jährlich zieht es Tausende Urlauber in die schönen Berge zwischen Oberstaufen, dem Tannheimer Tal, Oberstdorf und dem Kleinwalsertal. Die Meisten haben es auf Wandertouren abgesehen, aber nicht jeder möchte im Hochsommer von früh bis spät unterwegs sein. Gaby Funk, langjährige „Wahlallgäuerin“, hat sich daher 35 Halbtagestouren herausgesucht, die es ebenso wert sind, gewandert zu werden, wie eine ausgewachsene Tagestour.

Natürlich fallen die „großen“ Ziele wie Hochvogel, Heilbronner Weg, Krottenkopf usw. weg, doch das Allgäu bietet so viel an reizvollen und idyllischen Zielen: das Riedberger Horn in der Hörnergruppe, diverse Wanderungen in der Nagelfluhkette, der Laufbacher Eck-Weg, die Willersalpe bei Hinterstein, der Hohe Ifen, der Aggenstein oder die Zinken-Sorgschrofen-Überschreitung sind nur einige Vorschläge, zwischen denen man die Wahl hat.

Gewohnt erfahren schildert Gaby Funk alles Wichtige zu jeder Tour, ergänzt um kurze Steckbriefe mit allen erforderlichen hard facts wie Höhenmeter-Angaben, Gehzeit usw. Daneben erleichtert eine kleine, farbige Karte die Orientierung hinsichtlich des Wegeverlaufs. Schöne Fotos von der Strecke geben einen ersten Eindruck ins jeweilige Landschaftsbild.

Das Buch ist damit ein toller Ideengeber für alle Allgäubegeisterten, die kürzere, entspanntere Touren bevorzugen. Der Großteil der Touren bewegt sich hinsichtlich der Gehzeit in einem Rahmen von zwei bis vier Stunden. Da bleibt die andere Tageshälfte für Freibad oder Anderes.

 

Kauer, Wolfgang: "Felsbilder der Alpen - Motive im internationalen Vergleich" nach oben!

Hardcover, 288 Seiten, ISBN 978-3-7025-0932-3
Preis: 28,00 €, Verlag Anton Pustet 2019

Der Salzburger Wolfgang Kauer, in erster Linie Schriftsteller im Bereich Prosa und Lyrik, hatte 2017 mit seinem Buch „Felsbilder der Ostalpen“ einen wegweisenden Band zur Identifizierung und Deutung von Felsbildnissen im Ostalpenraum geliefert. Nun spannt Kauer den Bogen bedeutend weiter, war im gesamten Alpenraum zwischen den französischen Seealpen, der südlichen Schweiz, Norditalien und Österreich unterwegs, um etliche Felsbilder aufzunehmen, zu deuten, chronologisch einzuordnen und in prähistorische Kontexte zu setzen. Auch völlig neue Funde sind hierunter und damit in diesem Buch erstmals überhaupt geschildert.

Doch nicht nur das, ferner gelingt es Kauer, Einflüsse aus Bereichen fernab der Alpen, wie zum Beispiel aus Griechenland oder Ägypten, mit in die Interpretation hineinfließen zu lassen. So werden Götter in Menschen- oder Tiergestalt wieder wach und auch die Rolle des heute nicht mehr weiter beachteten Mondes wird dem Leser verständlich nahe gebracht.

Mit den ungezählten, durchgehend farbigen Bildern, entsteht hier, in Kombination mit dem Werk von 2017, ein bedeutendes Nachschlagewerk für alle, die sich für prähistorische Überlieferungen oder einfach nur für die Frühgeschichte der Menschheit im Alpenraum interessiert. Eine literarische Zeitreise in lang zurückliegende Epochen der menschlichen Frühzeit.

Da die Spurensuche Wolfgang Kauer in viele verschiedene Alpenländer trieb, liegen die Resümees auch in italienischer, französischer und englischer Sprache vor.

 

Hainz, Christoph: "Nur der Berg ist mein Boss" nach oben!

Hardcover mit Umschlag, ISBN 978-3-7022-3753-0
Preis: 24,95 €, Tyrolia-Verlag 2019. Eine Leseprobe gibt es auf www.tyroliaverlag.at

Was passiert, wenn sich ein begnadeter Bergsteiger und ein Alpinhistoriker & erfahrener Publizist an einen Tisch setzen? Es entsteht ein tolles Buch über einen der allerbesten Allround-Alpinisten, die es derzeit gibt: Christoph Hainz.
Seit Jahrzehnten gehört der Südtiroler zur absoluten Weltspitze der Bergsteiger und dabei ist es völlig egal, ob es um schnelle Wiederholungen klassischer Alpentouren oder schwierige Erstbegehungen im Himalaya geht: Hainz nimmt sich seiner selbst gewählten Herausforderungen stets mit vollem Engagement an, um sie dann voller Begeisterung umzusetzen oder auch das Scheitern als wichtigen Schritt der eigenen Weiterentwicklung zu sehen.
Christoph Hainz erzählt in seinem neuen Buch jedoch nicht nur über alpine Großtaten, sondern auch, und das ist meiner Meinung nach noch lesenswerter, über seine Kindheit, seine Jugendjahre, seine Entwicklung zum Alpinisten. Natürlich werden seine alpinen Ausrufezeichen, die er so beeindruckend setzen konnte, ebenfalls thematisiert, so zum Beispiel seine Erfahrungen an der Großen Zinne, seine Solotour am wilden Fitz Roy in Patagonien oder seine schwere Erstbegehung mit Hans Kammerlander am indischen Shivling. Zuhause fühlt er sich jedoch in den heimischen Dolomiten und erzählt auch, warum dies so ist.
Anders als viele andere Spitzenbergsteiger ist Christoph Hainz auch seinem Beruf als Bergführer treu geblieben und übt diesen regelmäßig aus. Ein ganz Großer, der dennoch am Boden der Realität geblieben ist. Auch das macht den Autor so symphatisch und das Buch, ehrlich und offen geschrieben, kurzweilig und lesenswert.

Viele spektakuläre Fotos runden das Buch ebenso ab wie das Vorwort von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der ebenfalls bergbgeistert ist und seine Sicherheit am Berg schon des Öfteren in die Hände bzw. ans Seil von Christoph Hainz legte. Das letzte Wort im Buch hat Freund und Seilpartner Hans Kammerlander, auch dies lesenswert.

   

Neuhold, Thomas: "100 große Gipfelziele" nach oben!

broschiert, 224 Seiten, ISBN 978-3-7025-0931-6
Preis: 22,00 €, Verlag Anton Pustet 2019.

Thomas Neuhold hat in seinem bisherigen Leben viele Gebirge bereist und kehrt doch im Herzen immer wieder in die Alpen zurück. Hier hat er bereits mehrere Führer geschrieben und stellt nun in seinem neuesten Band 100 große Gipfelziele und damit namentlich etliche Klassiker der Ostalpen vor: viele Berge der Leoganger Steinberge, des Gosaukamms, der Dachsteingruppe, des Tennengebirges, der Ankogelgruppe, des Kaisergebirges, der Hohen Tauern usw. werden vorgestellt.

So finden sich Portraits von Hochstaufen, Hoher Göll, Watzmann, Hochkalter, Birnhorn, Hochkönig, Großer Priel, Dachstein, Ankogel, Kitzsteinhorn, Wiesbachhorn, Hohe Dock, Ellmauer Halt und nicht zuletzt auch der Großvenediger und der Großglockner. Daneben 85 weitere Gipfelziele von leicht bis anspruchsvoll, von kurz bis lang, die alle gleichermaßen und dadurch übersichtlich aufbereitet sind: Foto, farbige Karte, Hinweise zur Schwierigkeit (die nicht rein subjektiv ist, sondern Angaben zu diversen Schwierigkeitsskalen macht), zum Aufstiegsweg, zur Ausrüstung sowie zu Einkehrmöglichkeiten und alternativen Anstiegen gehören zu jeder Tour.

Mit einem kurzen einleitenden Teil und einer Übersichtskarte, wo man welchen Gipfel findet, ist das Buch ein vielseitiger und aufgrund des kleinen Formats auch für Jackentasche oder Rucksack geeigneter Ratgeber.

   

Schimke, Helma: "Über allem der Berg" nach oben!

Hardcover, 264 Seiten, ISBN 978-3-7112-0002-0
Preis: 22,00 €, Bergwelten-Buch 2019.

Helma Schimke war eine Powerfrau der 50er und 60er Jahre: sie gehörte zu den besten Kletterinnen ihrer Zeit, war erfolgreiche Architektin, Mutter dreier Kinder und liebevolle Ehefrau. Doch bevor sie mit ihrem Mann Konrad zum großen gemeinsamen Ziel, dem Diran, aufbrechen konnte, geschah die Katastrophe. Ihr Mann und zwei Begleiter kamen beim Versuch einer Winterdurchsteigung der Watzmann-Ostwand in einer Lawine ums Leben. Die Tragödie sowie die vergeblichen Rettungsversuche, an denen sich unter anderem der Salzburger Spitzenbergsteiger Marcus Schmuck (Erstbesteiger des Broad Peak), ein guter Freund des Paares, beteiligte, sind ebenso zentraler Bestandteil des Buches wie die Schilderung des Weges zurück von Helma Schimke in ein geordnetes Leben.

Helma Schimke tut dies in ihrem unnachahmlichen Stil einer alpinen Grand Dame: eloquent, ehrlich, offen und mit sehr viel Gefühl: man leidet mit, als Helma die Tage der Ungewissheit bzw. zur bitteren Wahrheit schildert. Umso besser fühlt man sich als Leser, wenn man erfährt und lesen darf, wie sich Helma Schimke ihre alpinen Träume trotz ihrer neuen Rolle als alleinerziehende Mutter nicht nehmen lässt - entgegen aller kritschen Stimmen, die hier auf sie hereinprasseln. Auch durch die Einbindung ihrer Erinnerungen an Konrad und an die gemeinsamen Tage am Berg lässt sich Helmas Entscheidung, hier gegen den damaligen Mainstream zu schwimmen, gut verstehen.

Helma Schimke starb am 7. April 2018 in ihrer Heimatstadt Salzburg. Mit gleichnamigen Titel ist 2002 von Ulrike Gschwandtner und Annette Mäser eine schöne Filmdoku über Helma Schimke erschienen. Ulrike Gschwandtner verstarb leider 2007 am Gasherbrum II, doch Annette Mäser konnte dafür sorgen, dass der Schimke-Klassiker wieder aufgelegt werden konnte.

   

Czerny, Marlies: "4000er Leben" nach oben!

Hardcover, 272 Seiten, ISBN 978-3-7112-0000-6
Preis: 22,00 €, Bergwelten-Buch 2019.

2011: Marlies Czerny hat Blut geleckt: 2011 ist sie mit ihrem Bergpartner im Wallis und hat sich ein Ziel gesetzt, wie es sich viele Bergsteiger setzen: einmal auf einem Viertausender stehen. Die magische 4000 m-Marke übersteigen! Bescheiden ist Marlies nicht, besteigt gleich den gut 4500 m hohen Dom, der ein eher anspruchsvoller Berg ist, vergleicht man die Normalanstiege auf die 4000er. Die Besteigung gelingt und für Marlies ist klar: da geht noch was: der Kurztrip in die Westalpen wird um die Besteigung des höchsten Alpengipfels, des Mont Blanc ergänzt. Mit Leidenschaft und viel Herz erzählt Marlies von diesen ersten Erfahrungen ebenso wie von ihren vielen weiteren Reisen in die Westalpen, denn: es sollen alle anderen achtzig Viertausender in den nächsten Jahren folgen.

Es folgen viele spannende Bergabenteuer, manchmal heiter, manchmal erschütternd, mal dramatisch, mal einfach nur schön! Doch die Begeisterung, mit der Marlies in die Berge geht, spürt man auf jeder Seite. Und wie wenig doch für echtes Glück notwendig ist, in einer Welt fernab von Fernsehen, Social Media und Internet. Eine ganz andere Motivation als seinerzeit Karl Blodig. Kein Wunder, dass keine Geringere als Gerlinde Kaltenbrunner, die Marlies schon seit Längerem kennt, das Vorwort geschrieben hat und letztlich auch Marlies zu diesem Buch ermunterte.

Großartige Bilder dokumentieren die Unternehmungen von Marlies Czerny und entführen den Leser in eine großartige Natur, die doch genauso abweisend wie atemberaubend ist. Das Buch ist eines von insgesamt sieben Büchern, die in der Bergwelten-Reihe 2019 erschienen sind.

   

Mailänder, Nicholas: "Er ging voraus nach Lhasa" nach oben!

Hardcover mit Umschlag, 416 Seiten, ISBN 978-3-7022-3693-9
Preis: 29,95 €, Tyrolia-Verlag 2019.

Jeder kennt die Geschichte von Heinrich Harrer und seiner Flucht aus der britischen Kriegsgefangenschaft im indischen Dehra Dun und die anschließende Flucht bis ins damals völlig unerschlossene Tibet. Doch wer war Peter Aufschnaiter? Martin Brauens berühmtes Buch zu Peter Aufschnaiter behandelte nur seine Tibet-Jahre und ist lange vergriffen.
Nico Mailänder widmet sich erstmals akribisch recherchiert Aufschnaiters gesamten Leben, begonnen mit der Kindheit in bäuerlicher Umgebung hin zu einem Bergsteiger, der in den 20er/30er Jahren zweimal Paul Bauer zum Kantsch begleitet, 1939 schließlich selber Leiter der tragischen Nanga Parbat-Expedition wird und auch Motor beim gelungenen Ausbruch aus dem Internierungslager 1944 in Dehra Dun war. Und auch Aufschnaiter war es, der die treibende Kraft bei der langen Flucht nach Tibet und weiter bis nach Lhasa war. Aufschnaiter wurde stark durch seinen Aufenthalt in Tibet geprägt und fühlte sich Zeit seines Lebens eng mit den Tibetern und Nepalesen verbunden. Auch die Zeit nach dem Aufenthalt in Tibet, als man vor den chinesischen Invasoren fliehen musste, wird von Mailänder dokumentiert, so dass ein rundes, vielschichtiges und hochinteressantes Bild dieses außergewöhnlichen Menschen gezeichnet wird. Wenngleich er letztlich 1973 in Innsbruck starb, blieb er doch beinahe des Rest seines Lebens in Nepal, wo ihm auch die hiesige Staatsangehörigkeit verliehen wurde.

Sehr interessant und kurzweilig ist Nico Mailänders Schreibstil: ein Wechsel von Mailänders Recherchen und vielen Originaltextauszügen Peter Aufschnaiters; gut zu erkennen an den zwei verschiedenen Schriftfarben. Viele vorher ungezeigte Bilder, eine biographische Übersicht sowie ein kurzer Essay zur Geschichte Tibets bis 1950 runden das Werk gelungen ab. Insgesamt ein tolles Buch, welches Peter Aufschnaiters Lebenswerk angemessen würdigt!

Ergänzung zur ebook-Version: Natürlich gibt es das großartige Buch auch in der digitalen Version für tolino oder kindle. Die epub-Version (24,99 Euro bei Thalia.de, Stand Mai 2019) ist ca. 23 MB groß. Hier werden auch die manchmal schwierig umsetzbaren Bilder in guter Qualität angezeigt und auch die in diesem Buch so sinnvoll eingesetzten Schriftfarben (siehe meine Hardcover-Rezension) werden in verschiedenen Graustufen angezeigt. So wird das aufwändig recherchierte Werk über diesen großen Tibet-Kenner auch in der ebook-Version zum Genuss! Praktisch: die vielen Webquellen, die Nico Mailänder für seine Recherchen besucht hat, lassen sich im ebook treffsicher direkt anwählen und im Browser öffnen.
Eine Leseprobe gibt es auf https://webreader.mytolino.com.

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