5.1 Übersicht und Einleitung
Es sei an dieser Stelle erwähnt, das es bei der vorliegenden Arbeit nicht möglich war, einen entsprechenden Probenumfang mit allen zur Verfügung stehenden Methoden zu untersuchen. So wurden die Proben, die für die Lichtmikroskopie vorgesehen waren, nur zum Teil auch bei der Geochemie oder bei der Zirkontypologie näher untersucht usw. Logistische Probleme ließen es nicht zu, ein Probenkontingent durch alle Versuche zu fahren. Aus diesem Grund ist zu Beginn des jeweiligen Kapitels eine Übersicht mit den jeweiligen Probennummern und der Lithologie angegeben.
Der erste Schritt in der Charakterisierung der Gesteine lag in einer mikroskopischen Untersuchung an Durchlicht-Dünnschliffen. Die Schliffdicke beträgt 25 mm. Die Einteilung in die entsprechenden lithologischen Gruppen wurden entsprechend der Geländeansprache durchgeführt und während der Arbeit nochmals mit Herrn Dr. Bauer abgesprochen.
Tab.
5-1: Übersicht der petrologisch untersuchten Dünnschliffe, sortiert
nach Lithotypen:
| Probennummer: | Lithologie: | Probennummer: | Lithologie: |
| WB 265 | Granit | WB 227 | Granat-Amphibolit |
| WB 267 | Granit | WB 230 | Amphibolit |
| WB 268 | (Leuko-)granit | WB 266 | Charnockit |
| WB 251 | Gabbro | WB 269 | Charnockit |
| WB 252 | Gabbro | WB 239 | Migmatischer Gneis |
| WB 279 | Monzonit | WB 278 | Migmatischer Gneis |
| WB 280 | Monzonit | WB 273 | Charnockitischer Migmatit |
| WB 281 | Monzonit-Autolith | WB 210 | def. Augengneis mit Granat |
| WB 218 | Metadiorit | WB 249 | def. Leukosom mit Granat |
| WB 221 | Metadiorit (Granat-Gneis) |
Eine Modalanalyse samt punktueller Auszählung der Schliffe fand nicht statt, die im folgenden angegebenen Werte zu den Mineralgehalten können also nur subjektiv geschätzte Werte darstellen. An dieser Stelle bleibt zu beachten, dass sich beim prozentualen Abschätzen der Mineralanteile entsprechend große Fehler ergeben, so dass im Folgenden auf die Begriffe zurückgegriffen wird, wie sie auch bei der makroskopischen Gesteinsansprache und Beschreibung üblich sind:
> Hauptgemengteil (>
20%)
> Nebengemengteil (1-20%)
> Akzessorium (< 1%)
5.2 Beschreibung der einzelnen Lithotypen
Es sei darauf hingewiesen,
dass bei der Beschreibung der Korngrößen zwischen makroskopischer
und mikroskopischer Untersuchung unterschieden werden muss:
bei der makroskopischen Beschreibung wird folgende Einteilung benutzt:
Tab.
5-2: Nomenklatur für die makroskopische Korngrößenansprache:
|
feinstkörnig
|
|
feinkörnig
|
|
mittelkörnig
|
grobkörnig
|
|
|
<
0,2 mm
|
0,2
- 2 mm
|
2
- 5 mm
|
>
5mm
|
Tab.
5-3: Nomenklatur für die mikroskopische Korngrößenansprache
nach TEUSCHER in WIMMENAUER
(1985). Angaben in Millimeter:
| Ansprache |
...
körnig
|
|||||||
|
dicht
|
feinst-
|
fein-
|
klein-
|
mittel-
|
grob-
|
groß-
|
riesen-
|
|
| Korndurchmesser |
<
0,01
|
-
0,01
|
-
0,1
|
-
0,33
|
-
1,0
|
-
3,3
|
-
10
|
>
33
|
5.2.1 Granitoide Gesteine (WB265, WB267, WB268)
5.2.1.1 Makroskopische Beschreibung
Als granitoide Gesteine werden hier leukokrate Magmatite verstanden, die bei makroskopischer Betrachtung am Handstück ein plutonisches Gefüge erkennen lassen. Die Proben WB267 und WB268 zeigen eines massiges und ungeregeltes Granitgefüge mit den erkennbaren Hauptgemengteilen Quarz, Feldspat und Biotit. Bei Probe WB268 fallen besonders vereinzelte weiße und idiomorphe Plagioklase aus dem sonst recht gleichkörnigen Gefüge auf. Probe WB267 unterscheidet sich durch deutlich dunklere Quarze und vor allem durch mitunter auffallend rosa gefärbte Kalifeldspäte. Bei beiden Proben dürfen die Feldspäte und Quarze als mittel- bis grobkörnig, die Biotite hingegen als feinkörnig angesprochen werden.
5.2.1.2 Mikroskopische Beschreibung
Auch unter dem Mikroskop
zeigen sich bei allen Schliffen typisch regellose und gleichkörnige Gefüge
plutonischer Gesteine.
Als Hauptgemengteile liegen Quarz, Feldspat und Biotit vor. Quarz ist mittelkörnig
xenomorph ausgebildet und tritt in den Graniten am reichhaltigsten auf. Dafür
sprechen auch die durchweg sehr hohen SiO2-Gehalte (Tab.9-1),
die etwa zwischen 64 und 74 Gew.-% liegen.
Der Feldspat tritt zum einen als Albit-reicher Plagioklas, zum anderen als Mikroklin
auf, der durch seine kombinierte Verzwillingung nach dem Albit- und Periklin-Gesetz
leicht zu identifizieren ist. Die Anorthit-Gehalte der Plagioklase wurden nach
der Methode von RITTMANN
(1929) abgeschätzt:

Abb.5-1: Diagramm zur Ermittlung des Anorthit-Gehaltes in Plagioklasen nach der Zonenmethode nach RITTMANN (1929).
Genaue Bestimmungen der Zusammensetzung von Plagioklasen sind nur mit dem Universal-Drehtisch
möglich.
Beide felsischen Mineralphasen, Quarz und Feldspat, sind mitunter grobkörnig
ausgebildet. Quarz ist stets xenomorph gewachsen, bei den Feldspäten ist
es vor allem der Plagioklas, der idiomorph wachsen konnte. Mikroklin ist meistens
in hypidiomorpher Ausbildung vorhanden. Der Quarz zeigt nur angedeutet eine
undulöse Auslöschung, die tektonische Beanspruchung war, wenn vorhanden,
minimal. Die Feldspäte des grauen Granits (WB268) und des rosa Granits
(WB267) sind fast nicht sericitisiert. Quarz und Plagioklas zeigen myrmekitische
Verwachsungen (Abb.
9-4). Calcit ist in Form sehr feiner Kluftfüllungen vorhanden,
die Risssysteme in Plagioklasen nachzeichnen.
Als mafische Bestandteile sind Biotit als Hauptgemengteil und grüne Hornblende
als Nebengemengteil vorhanden. Die Hornblende ist durch kräftigen Pleochroismus
von hell- nach dunkelgrün sowie die kräftig grünen Interferenz-Farben
gekennzeichnet. Wahrscheinlich ist hier nach PICHLER
& SCHMITT-RIEGRAF (1993) die Na-reiche Hornblende Hastingsit: sie
ist idiomorph ausgebildet und wird mittel- bis grobkörnig. Die hypidiomorphen,
mittelkörnigen Biotite sind teilweise einer beginnenden Chloritisierung
unterworfen.
Der rosa Granit WB267 unterscheidet
sich nur geringfügig vom grauen Granit WB268: er enthält keine Hornblende,
der Anteil mafischer Minerale sinkt unter 10%.
Der Granit WB265 ist im Gelände petrographisch als Leukogranit klassifiziert
worden, der sich per definitionem durch einen Anteil an mafischen Mineralen
von < 5% auszeichnet. Tatsächlich sind makroskopisch kaum dunkle Gemengteile
im Schliff auszumachen. Dadurch unterscheidet er sich von den übrigen Graniten.
Die Quarze löschen leicht undulös aus und zeigen anormal gelbe Farben,
die auf eine erhöhte Schliffdicke zurück zu führen ist. Die Plagioklase
sind stark sericitisiert, wobei die Sericitisierung innen beginnt und nach außen
abnimmt. Es handelt sich also um einen magmatischen Zonarbau mit stärkerer
Sericitisierung der Anorthit-Komponente. Eine weitere Alteration zeigt sich
bei den Biotiten, die zu einem hohen Maße chloritisiert sind. Die Chlorite
zeigen die für sie anomalen "entenblauen" Interferenz-Farben,
die auf Fe-reiche Mg-Chlorite schließen lassen. Sie zeigen suturierte
Bruchstellen bei kleinkörnigem Wachstum.
Als Akzessorien wurden Granat, Turmalin, Calcit, Muskovit und Erzphasen erkannt.
5.2.2 Monzonite (WB279, WB280, WB281)
5.2.2.1 Makroskopische Beschreibung
Das Gefüge ähnelt sehr denen der zuvor beschriebenen Granite. Allerdings fällt bereits bei makroskopischer Betrachtung der Handstücke die erwartungsgemäß quarzarme Zusammensetzung auf. Bei den hellen Gemengteilen dominieren weiße Plagioklase und Kalifeldspäte, die als mittelkörnig anzusprechen sind. Die mafischen Minerale werden in erster Linie durch feinkörnige Amphibole und Biotite gestellt. Die Textur ist richtungslos.

Abb.5-2: Handstück des Monzonits WB280.
5.2.2.2 Mikroskopische Beschreibung
Wie schon bei den Graniten
zeigen sich auch bei den Monzoniten typische magmatische Anlagerungsgefüge,
die durch gegenüber den Graniten höheren Anteil an mafischen Mineralen
besonders gut zu sehen sind: die dunklen Gemengteile (Erzphasen, Zirkon, Apatit,
Pyroxen, Hornblende und Biotit) bilden meist Cluster und treten selten alleine
auf.
Die felsischen Minerale werden wie bereits erwähnt fast ausschließlich
durch die Feldspäte gestellt. Sie stellen ein Hauptgemengteil dar. Es handelt
sich zumeist um Alkalifeldspat, der meist als perthitischer Orthoklas vorliegt.
Mikroklin ist hingegen selten und wurde vor allem im Schliff WB280 beobachtet.
Hier liegt der Mikroklin in Form von wenigen, aber großen Körnern
vor. Die Feldspäte können im Sinne von TEUSCHER (Tab.5-3)
insgesamt als grobkörnig angesprochen werden. Beim Plagioklas herrscht
ein Na-dominierter Andesin vor. Im Monzonit WB279 fand eine intensive Sericitisierung
statt, die im Zentrum begonnen hat und so eine normal zonierte Alteration darstellt,
wie sie bei magmatischen Kristallisaten zu erwarten. Auf diese Weise sind die
Plagioklase auch bei ungekreuzten Polarisatoren recht gut zu erkennen.
Quarz ist nur als Nebengemengteil mit nur wenigen Prozent enthalten. Er löscht
leicht undulös aus und signalisiert so nur leichte Deformation. Die teilweise
zu beobachtende Plättung der durchweg xenomorphen und feinkörnigen
Quarze kann auch auf entsprechende Schnittlagen im Schliff zurückgeführt
werden. Im Schliff WB280 zeigt der Quarz eine untypisch gelbliche Farbe, die
lediglich auf eine etwas höhere Schliffdicke zurückgeht.
Als Nebengemengteile sind vor allem Amphibol und Biotit enthalten. Die Amphibole
zeigen typischerweise einen deutlichen Pleochroismus, der von blassem gelbgrün
bis zu kräftigen Grüntönen reicht. Kleine Körner sind oft
idiomorph, während die größeren, mittelkörnigen Körner
eher hypidiomorph ausgebildet sind. Es handelt sich um eine grüne Hornblende
(evtl. Hastingsit), wobei oft die charakteristischen Spaltwinkel von etwa 120°
zu erkennen sind. Oft sind Einfach- und Mehrfachzwillinge (Abb.
9-3) zu beobachten.
Beim Schliff WB279 tritt
die Hornblende stark zurück. Stattdessen sind hier Pyroxene vorhanden,
die einen sehr schwachen Pleochroismus von farblos zu einem blassen grün
zeigen. Die niedrige Doppelbrechung spricht für einen niedrigen Fe2+-Gehalt
der Pyroxene. Es handelt sich um Vertreter der Diopsid-Reihe, die typischer
Vertreter alkalischer Magmatite sind. Die Pyroxene sind allerdings sehr stark
angegriffen und liegen nur noch in hypidiomorpher Kornform vor. Sie sind meistens
als mittelkörnig zu bezeichnen, wachsen in Einzelfällen aber auch
deutlich größer.
Als Phyllosilikat tritt in allen Monzoniten Biotit als Nebengemengteil auf.
Er zeigt einen Pleochroismus von beige nach braun und ist meist, je nach Schnittlage,
mittel- bis grobkörnig ausgebildet. Die Kornform ist in der Regel idiomorph.
Als Akzessorien treten in
allen Schliffen Apatit, Zirkon und Titanit, gut erkennbar an der typischen "Briefkuvert-Form",
auf, die allerdings in ihren Gehalten in Probe WB279 stark zurück treten.
Die Apatite sind idiomorph und stängelig nach der c-Achse ausgebildet und
meist fein- bis kleinkörnig ausgebildet.
Auch Zirkon ist idiomorph ausgebildet. In den Monzoniten WB280 und WB281 ist
der Zirkongehalt sehr hoch, was sich auch in den Zr-Gehalten (Tab.
9-2) von 513 und 504 ppm zeigt. Die Zirkone sind charakteristischerweise
oft in Biotiten eingeschlossen und zeigen dann auch die typischen pleochroitischen
Höfe, die durch die radioaktive Strahlung der eingebauten U-Isotope zustande
kommen.
Außerdem waren im Monzonit WB281 mittelkörnige, idiomorph gewachsene
Orthite mit charakteristisch rostbraunen Interferenz-Farben zu erkennen (Abb.
9-6), die auch die für sie typischen Höfe aufgrund ihres Thorium-Gehaltes
zeigten.
Als Erzphase ist vor allem Rutil in Form von idiomorphen, sechskantigen und feinkörnigen Kristallen vorhanden.
Zusammenfassend können die im Gelände getroffenen petrographischen Beobachtungen also durchaus bestätigt und die vorliegenden drei Schliffe als Monzonite angesprochen werden.
5.2.3 Gabbros (WB251, WB252)
5.2.3.1 Makroskopische Beschreibung
Bereits an den Handstücken ist der unterschiedliche Charakter der beiden Gabbros erkennbar: während beim dunklen Gabbro WB252 der Anteil der mafischen Minerale sehr hoch ist und auf etwa 50% geschätzt werden kann, ist der Gabbro WB251 durch einen erhöhten Anteil heller Mineralphasen gekennzeichnet. Das zeigt sich auch im Vergleich der geochemischen Daten in Tabelle 9-1: Gabbro WB251 enthält 57,21Gew.-% SiO2, während Gabbro WB252 nur 40,71 Gew.-% SiO2 enthält. Entsprechend wurde der Gabbro WB251 auch in den geochemischen Untersuchungen (Abb. 6-2 und 6-3) als intermediär interpretiert. Die Gesteinsansprache als Gabbro kann hier nicht gelten.
5.2.3.2 Mikroskopische Beschreibung
Im Gabbro WB252 ist der
Anteil der mafischen Minerale sehr hoch und liegt bei etwa 50%. Auffallend sind
hier vor allem grüne Hornblende und Biotit, die in Form von zumeist hypidiomorphen
bis idiomorphen, mittelkörnigen Kristallen vorliegen. Sie zeigen den jeweils
für sie typischen Pleochroismus und sind stets miteinander vergesellschaftet.
Beide Mineralphasen sind Hauptgemengteile und zeigen Deformationserscheinungen
in Form von leichten Verbiegungen. Kink bands sind allerdings nicht zu erkennen.
Als dritte mafische Phase tritt Pyroxen auf, wobei es sich um den für basische
Magmatite typischen Orthopyroxen handelt. Er ist nur als Nebengemengteil vorhanden
und tritt meist als fein- bis kleinkörnige hypidiomorphe Phase auf.
Bei den felsischen Mineralen überwiegt ein Plagioklas labradoritischer
Zusammensetzung, die mitunter stark, vom Zentrum an beginnend, sericitisiert
sind. Auch die Feldspäte zeigen Deformationserscheinungen in Form von verbogenen
Zwillingslamellen. Neben den Plagioklasen sind geringe Mengen an Orthoklas und
auch wenig Quarz als Nebengemengteile auszumachen.
In den recht zirkonarmen Gesteinen treten als Akzessorien Titanit, Klinozoisit
mit seinen als "preußischblau" beschriebenen Interferenzfarben,
Muskovit und vor allem Apatit auf. Letzteres Mineral ist vor allem im dunklen
Gabbro WB252 sehr reichhaltig vertreten und bildet bis zu 2mm große idiomorphe
Kristalle. Der daraus resultierende Reichtum an Phosphor zeigt sich auch bei
der Röntgenfloureszenz (Tab.
9-1): der Gabbro WB252 ist mit 2,25 Gew.-% P2O5 das mit Abstand phosphorreichste
Gestein. Der Apatit reagiert auf die erlittene Deformation spröde und zeigt
oft Brucherscheinungen (Abb.
9-1). Dieser untypisch zusammengesetzte Gabbro kann genauer als Hornblende-Gabbro
angesprochen werden.
Der helle Gabbro WB251 besitzt
demgegenüber einen weit höheren Anteil felsischer Minerale. Die im
zuvor beschriebenen Gabbro WB252 dominierenden mafischen Bestandteile wie grüne
Hornblende und Biotit treten stark zurück. Die Hornblende ist stark alteriert
und nur mit wenigen Prozent vertreten, und auch der dunkle Glimmer ist als wichtigstes
mafisches Mineral mit nur knapp 10% repräsentiert. Sie zeigen häufig
birds eye structures.
Auch Pyroxen ist nur als feinkörniges Nebengemengteil vorhanden. An die
Pyroxene ist meistens das Auftreten akzessorischer Zirkone verbunden.
Die häufigste Mineralphase in diesem Gestein ist Feldspat, der in Form
von Plagioklasen andesinischer Zusammensetzung und perthitischem Orthoklas vertreten
ist. Beide Feldspäte zeigen bei der Korngröße ein breites Spektrum
bis hin zu großkörnigen Individuen. Die Orthoklase zeigen teilweise
Verzwillingung nach dem Karlsbader Gesetz. Die Plagioklase sind mitunter extrem
stark sericitisiert und zeigen Myrmekit-Bildung.
Quarz ist neben dem Auftreten von Myrmekit nur in Form von wenigen, xenomorphen
und mittelkörnigen Körnern vertreten und zeigt eine stark undulöse
Auslöschung, die durch tektonischen Stress verursacht wurde.
Als Akzessorien treten vor allem Zirkon, Muskovit und Rutil als Erzphase auf.
Letzteres Mineral bildet bis zu 200µm große idiomorphe Kristalle.
Eine weitere Erzphase konnte nicht identifiziert werden.
Nach diesen Beobachtungen muss der helle Gabbro WB251 als intermediäres Gestein syenodioritischer Zusammensetzung klassifiziert werden.
5.2.4 Charnockite (WB266, WB269)
Bei den Charnockiten muss
zwischen magmatischen Charnockiten und metamorphen Charnockiten unterschieden
werden. Erstere bilden sich aus trockenen Schmelzen und haben OH-führende
Phasen wie Biotit und Amphibol durch Pyroxen substituiert. Dieser Gruppe gehören
auch die untersuchten Gesteine an.
Metamorphe Charnockite entstehen bei einer Austrocknung bei der Metamorphose
und sind als solche mit hellen Granuliten verwandt.
5.2.4.1 Makroskopische Beschreibung
Im Handstück zeigen die Charnockite ein typisch regelloses und mehr oder weniger equigranulares Gefüge, wie es auch die Granite auszeichnete. Allerdings handelt es sich bei den mafischen Mineralen nicht um Biotit, sondern um Pyroxene. Entsprechend werden Charnockite auch oft als Hypersthen-Granite bezeichnet. Bei den hellen Gemengteilen überwiegt Kalifeldspat, der oft grobkörnige Kristalle mit Karlsbader Zwillingen bildet.

Abb. 5-3: Handstück des Charnockits WB269.
5.2.4.2 Mikroskopische Beschreibung
Die Hauptgemengteile beschränken
sich bei den Charnockiten auf Feldspat, der überwiegend in Form von perthitischem
Orthoklas vorliegt. Er ist hypidiomorph gewachsen und bildet bis zu grobkörnige
Körner aus. Neben dem Orthoklas ist Plagioklas als Nebengemengteil enthalten.
Er wird mittelkörnig und besitzt Oligoklas- und Andesinkomponenten. Die
Natrium-reichen Feldspäte spiegeln sich auch in den verhältnismäßig
hohen Gehalten an Na2O des Gesamtgesteins wider (Tab.9-1):
sie enthalten mit 4,41 und 3,92 Gew.-% mit die höchsten gemessenen Na2O-Gehalte.
Quarz tritt nur als Nebengemengteil auf. Vor allem der Charnockit WB266 ist
extrem quarzarm. Quarz ist eine stets xenomorphe Phase. Der Quarz ist stark
undulös auslöschend und zeigt oft auffällige, durch Deformation
verursachte Elongation.
Die Charnockite zeigen ein granophyrisches Gefüge.
5.2.5 Metadiorite (WB218, WB221)
5.2.5.1 Makroskopische Beschreibung
Schon am Handstück fällt der intermediäre Charakter der beiden Gesteine auf. Mittel- bis grobkörnige Plagioklase herrschen bei den hellen, feinkörnige Amphibole bei den dunklen Gemengteilen vor. Vor allem der Metadiorit WB221, der im Gelände als Granat-Gneis angesprochen wurde, zeigt eine deutliche Paralleltextur als Folge der erlittenen Metamorphose. Granate sind jedoch makroskopisch am Handstück nicht nachweisbar. Der Metadiorit WB218 hingegen besitzt ein eher richtungsloses Gefüge, obgleich sich dunkle Mineralphasen in Lagen zu sammeln scheinen.
5.2.5.2 Mikroskopische Beschreibung
Auch am Schliff des Granat-Gneises
fällt gleich die Einregelung der Komponenten und die daraus resultierende
metamorphe Paralleltextur auf. Schon makroskopisch fällt die Dominanz felsischer
Minerale auf. Es herrschen Plagioklase mit Andesin-Zusammensetzung (An30 bis
40) vor, die mittelkörnig werden und hypidiomorph ausgebildet sind. Die
Plagioklase sind teilweise sericitisiert, die bis zu einer Bildung akzessorischen,
feinkörnigen Muskovits fortschreitet. Neben dem Plagioklas ist idiomorpher,
fein- bis mittelkörniger Orthoklas entwickelt.
Als weitere helle Mineralphase tritt Quarz mit über 5% auf, weswegen bei
der Klassifizierung die Bezeichnung eines metamorphen Quarzdiorits angebracht
ist. Auch der hohe SiO2-Gehalt von über 61 Gew.-% (Tab.9-1)
zeigt die deutliche Tendenz zu den sauren Gesteinen nach WIMMENAUER
(1985). Die xenomorphen Quarze löschen extrem undulös aus
und zeigen, bedingt durch die tektonische Beanspruchung, sehr starke Elongationen
parallel zur Texturrichtung des Gesteins. Es konnten Elongationsverhältnisse
von 6:1 (Länge : Breite mit Längen von 2400µm) beobachtet werden.
Auch dadurch wird die markante Streckungslineation des Gesteins hervorgerufen.
Der Anteil der mafischen Minerale überschreitet nicht 10%. Hier herrscht
pleochroitischer Biotit gegenüber der grünen Hornblende vor, die nur
wenige Prozent im Gestein ausmacht. Beide mafischen Minerale sind idiomorph
gewachsen und zeigen mittelkörnige Größen.
Als Akzessorium tritt Zirkon in Form kleiner (60-70 µm) und idiomorpher
Körner auf, die meist in Biotit eingeschlossen sind und dort deutlich ausgeprägte
Höfe zeigen. Es sind fast keine opaken Phasen erkennbar.
Die gemachten Beobachtungen bestätigen, dass das vorliegende Gestein einen
metamorphen Quarzdiorit darstellt. Granate konnten allerdings im Schliff nur
an wenigen Einzelfällen nachgewiesen werden, so dass die Bezeichnung eines
Granat-Gneises fraglich erscheint.
Demgegenüber stellt der Metadiorit WB218 ein typisches intermediäres
Gestein dar, was auch der SiO2-Gehalt von 54,35 Gew.-% zeigt (Tab.9-1).
Bei den Plagioklasen überwiegt hier ein mittel- bis grobkörniger Feldspat
mit labradoritischem Chemismus. Auch hier zeigt sich also der intermediäre
Charakter. Die Plagioklase sind idiomorph und nur schwach sericitisiert. Neben
dem Plagioklas ist ein ebenfalls idiomorph gewachsener Orthoklas als Nebengemengteil
vorhanden. Die Feldspäte stellen den überwiegenden Teil der leukokraten
Minerale dar. Diesem Feldspat-Reichtum wird auch im hohen Gehalt an Al2O3 mit
20,37 Gew.-% (Tab.9-1)
Rechnung getragen. Von den untersuchten Gesteinen ist es das Al-reichste.
Der Quarz-Gehalt tritt, wie für Diorite typisch, deutlich zurück.
Er ist mittelkörnig und xenomorph und zeigt nur eine schwach undulöse
Auslöschung. Bei den mafischen Mineralen, die etwa mit 35-40% vertreten
sind, herrscht auch hier kleinkörniger, idiomorpher Biotit gegenüber
mittelkörniger Hornblende vor. Letztere ist häufig von Biotit umwachsen,
was eine intensive Umwandlung von Hornblende nach Biotit anzeigt. Das idiomorphe
Wachstum ist nur noch an Bruchstücken zu rekonstruieren.
Akzessorische Minerale sind in Form von Titanit, Apatit und Zirkon vertreten.
Letzterer ist reichhaltig vorhanden und bildet längliche Körner von
bis zu etwa 200 µm Länge.
Das Gefüge zeichnet sich durch eine mehr oder minder gleichkörnige
Struktur aus. Die Textur ist auch bei mikroskopischer Untersuchung als richtungslos
zu bezeichnen. Letztlich zeigen die Minerale keine Deformationserscheinungen,
so dass eine metamorphe Überprägung an diesem Gestein nicht nachgewiesen
werden konnte.
5.2.6 Amphibolite (WB227, WB230)
5.2.6.1 Makroskopische Beschreibung

Abb.5-4: Handstück des Granat-Amphibolits WB227.
Schon im Handstück machen sich die deutlichen Unterschiede im Mineralbestand bemerkbar: die Probe WB227 ist ein sehr mafisches Gestein, dass makroskopisch fast nur aus Granat, Plagioklas und Amphibol besteht. Alle drei Minerale stellen Hauptgemengteile dar. Der rote Granat ist bereits makroskopisch so reichhaltig vertreten, dass die Benennung als Granat-Amphibolit gerechtfertigt ist. Probe WB230 hingegen besteht vor allem aus Biotit und Kalifeldspat, die ungefähr zu gleichen Teilen vorliegen. Auch der sehr hohe K2O-Gehalt von 7,27 Gew.-% (Tab.9-1) spricht für die Kalivormacht in diesem Gestein. Schon anhand dieser ersten Begutachtung kann die Klassifizierung als Amphibolit nicht aufrecht erhalten werden. Auch die geochemische Diskriminierung nach COX (1979) zeigt (Abb.6-3), dass der Amphibolit WB230 als Syeno-Diorit angesprochen werden muss, was durchaus mit dem hohen Anteil an Kalifeldspat in Einklang zu bringen ist. Für einen klassischen Syenit ist der SiO2-Gehalt mit knapp 51 Gew.-% (Tab.9-1) zu niedrig.
5.2.6.2 Mikroskopische Beschreibung
Bereits die makroskopische Betrachtung des Schliffes offenbart eine für Amphibolite charakteristische metamorphe Paralleltextur, die durch den Wechsel von hellen und dunklen Lagen verursacht wird. Bei den mafischen Mineralen treten grüne Hornblende und Granat als Hauptgemengteile auf. Die Hornblende ist idiomorph ausgebildet und bildet typischerweise Aggregate aus etwa 1mm großen Einzelkörnern. Der Calcium-Reichtum des Gesteins mit 9,69 Gew.-% (Tab.9-1) lässt eine tschermakitische Hornblende vermuten, bei der auch oft sechseckige Umrisse zu sehen sind. Doch auch der hohe Fe-Gehalt (mit 21,29 Gew.-% das Gestein mit dem höchsten Eisengehalt unter allen untersuchten Gesteinen; vgl. Tab.9-1) unterstreicht das Vorhandensein tschermakitischer Hornblende. Sie ist zudem eine typische Hornblende amphibolitfazieller Gesteine.
Der Granat ist überwiegend
xenomorph ausgebildet, da er sich beim Wachstum offenbar meist selbst behindert
hat. Es sind Lagen aus vielen Einzelkörnern zu beobachten, die meist klein-
bis mittelkörnig werden. Die Einschlüsse werden meistens durch Zirkone
gestellt, die nicht größer als etwa 16 µm werden. Die Granate
werden von einem Risssytem durchzogen, dass einen Winkel von 45° zur Paralleltextur
des Gesteins bildet.
Der Granat ist generell recht arm an Einschlüssen, zeigt allerdings in
einer sehr von Granat dominierten Lage die für ihn in Metamorphiten typische
poikiloblastische Struktur. Die sehr blass-trübe Farbe und der Mn-Reichtum
lassen Spessartin vermuten, zumal er die einzige Mn-führende Mineralphase
ist und das Gestein mit 1,38 Gew.-% MnO das mit Abstand manganreichste Gestein
ist.
Der Feldspat ist vor allem
in Form von Plagioklasen vorhanden, der einen Anorthitgehalt entsprechend Labradorit
bzw. Bytownit (~ An70) aufweist. Auffällig sind die scharf abgegrenzten
Zwillingslamellen. Der Plagioklas ist von sehr feinen Rissen durchzogen, die
mit Hellglimmer gefüllt sind. Neben dem Plagioklas ist als Nebengemengteil
etwas Kalifeldspat als idiomorphe Phase vorhanden. Er ist mittelkörnig.
Biotit ist als Nebengemengteil vorhanden und bildet hypidiomorphe, die innerhalb
der Lagen, die durch die Paralleltextur vorgegeben sind, ungeregelt sind. Der
Biotit bildet teilweise recht große, grobkörnige Körner, aber
auch kleine Körner mit skelettartiger Struktur, die auf ein zügiges
Wachstum schließen lässt.
Die Probe WB230 ist bereits
makroskopisch feinkörniger und besitzt einen deutlich höheren Anteil
an hellen Mineralen. Es ist keine Paralleltextur vorhanden, das Gefüge
ist richtungslos.
Das Gestein besitzt keinen Amphibol und auch keinen Plagioklas! Hauptbestandteile
sind Orthoklas und Biotit. Letzterer ist schwach pleochroitisch und besitzt
blasse Farben. Diese Merkmale sprechen für Phlogopit, einer Mg-reichen
Biotit-Varietät. Der hohe Mg-Gehalt des Gesteins von 8,58 Gew.-% (Tab.9-1)
unterstreicht diese Beobachtung.
Muskovit, hier Nebengemengteil, ist durch seine deutlich höhere Doppelbrechung
und entsprechendes Relief auch bei ungekreuzten Nikols gut vom Orthoklas zu
unterscheiden.
Als Akzessorien sind Titanit
(Abb.
9-7), Apatit und eine Erzphase (evtl. Rutil) vorhanden. Der idiomorphe,
kleinkörnige Titanit ist an den Rändern stark korrodiert, was ein
Hinweis auf schwachgradige metamorphe Überprägung sein könnte.
Apatit liegt in Form sehr vieler fein- bis kleinkörniger, ebenfalls idiomorpher
Kristalle vor, die meist in den Orthoklasen eingeschlossen sind.
5.2.7 Gneise (WB210, WB239, WB278)
5.2.7.1 Makroskopische Beschreibung
Bei den Gneisen handelt
es sich um Gesteine, die sich durch einen hohen SiO2-Gehalt auszeichnen, wie
auch die Geochemie belegt (Tab.9-1):
die ermittelten Gehalte liegen zwischen etwa 64 und 70 Gew.-%. Damit dürfen
die Gneise nach WIMMENAUER
(1985) als sauer bezeichnet werden.
Die migmatischen Gneise zeigen denn nun auch die für Migmatite typische
Schlierenbildung. Der Augengneis WB210 hingegen zeigt ein typisch porphyro-blastisches
Gefüge mit grobkörnig gesprossten Feldspäten, die als "Augen"
in der metamorphen Paralleltextur auffallen. Sie werden über 2 cm groß
und von Biotiten umflossen.

Abb. 5-5: Handstück des deformierten Augengneises
WB210.
5.2.7.2 Mikroskopische Beschreibung
Der Augengneis WB210 ist
bei den hellen Mineralen von Plagioklas bestimmt, der eine Zusammensetzung von
Oligoklas bis Andesin besitzt und zumeist als idiomorphe, klein- bis mittelkörnige
Phase ausgebildet ist. Hypidiomorpher Kalifeldspat ist nur untergeordnet enthalten
und wächst mittelkörnig.
Quarz liegt als weitere leukokrates Mineral vor, ist xenomorph ausgebildet und
weist ähnliche Größen wie der Plagioklas auf. Er löscht
sehr stark undulös aus und reagiert auf die erlittene Deformation häufig
spröde mit Bruch. So ist er oft in ein Mosaik aus Einzelbruchstücken
gebrochen. Quarz als auch die Feldspäte zeigen eine deutliche Elongation
und sind oft granophyrisch verwachsen.
Als mafische Nebengemengteile treten Hornblende und idiomorpher Biotit auf,
die mikroskopisch nur schwach eingeregelt sind und so weitere Hinweise für
die Deformation liefern. Biotit zeigt häufig birds eye structures. Biotit
und Hornblende sind mittelkörnig ausgebildet. Des weiteren tritt Granat
als Nebengemengteil auf. Auch er wird mittelkörnig und hat in seine poikiloblastische
Struktur meist Biotitfetzen eingeschlossen.
Akzessorisch treten idiomorpher, feinkörniger Titanit und Zirkon auf. Letzterer bildet bis zu 120 µm lange Körner. Auch im Dünnschliff lassen sich typische Merkmale metamorph überprägter Zirkone erkennen: bei einigen Körnern fallen die stark zugerundeten Pyramiden als auch Einschnürungen entlang der Prismen auf.
Bei den migmatischen Gneisen
(WB239, WB279) fällt die Ausbildung einer straffen metamorphen Paralleltextur
auf (Abb.
9-5), deren einzelne Lagen vor allem bei WB239 in den sub-Millimeterbereich
gehen.
Bei den hellen Mineralen liegen Mikrokline als Hauptbestandteile vor, die im
generell etwas gröberen Gneis WB278 teilweise über 1mm groß
werden, hingegen im Gneis WB239 durchschnittlich nur etwa 30 µm messen.
Neben Mikroklin tritt in letzterem Gestein auch randlich sericitisierter Orthoklas
hinzu. Plagioklas ist nur als Nebengemengteil zu finden und zeigt dann Anorthit-Gehalte
von unter 30%, was einem Oligoklas entspricht.
Der Quarz, ebenfalls Hauptgemengteil, zeigt hier eine extreme Auslängung
und Elongations-Verhältnisse von 10 oder mehr. Dabei kann er Längen
von etwa 1,6 mm erreichen. Er ist parallel zu den Phyllosilikaten eingeregelt
und zeigt durch ein Risssystem, das senkrecht zur Paralleltextur angelegt ist,
starke Brucherscheinungen und Subkornbildung.
Biotit bildet den mafischen Anteil des Gesteins und ist Nebengemengteil. Er
wird bis zu 400 µm lang und ist sehr straff eingeregelt. Biotit ist teilweise
chloritisiert. Neben Biotit tritt Muskovit als weiteres Phyllosilikat auf. Er
wird aber nur fein- bis kleinkörnig.
Der Quarz des Gneises WB278 zeigt auch stark undulöses Auslöschen
und eine Auslängung parallel zur Textur des Gesteins. Diese ist aber bei
weitem nicht so ausgeprägt wie im vorherigen Gestein. Bei den Feldspäten
dominieren auch hier Mikrokline, obschon der Plagioklas-Anteil zunimmt und sehr
Na-betont ist. Innerhalb sehr leukokrater Bereiche zeigen die Plagioklase eine
sehr starke Sericitisierung, die am Rand des Korn beginnt und sich zum Zentrum
hin fortsetzt. In diesen Bereichen des Gesteins zeigen auch die Mikrokline deutlich
höhere tektonische Beanspruchung in Form von anormal stumpfen Kreuzungswinkeln
ihrer Zwillingslamellen und teilweiser Plättung der Körner. In diesen
hellen Bereichen fehlen Erzphasen oder Zirkone. In den mafischeren Bereichen
hingegen ist Zirkon als Akzessorium in Form von zugerundeten, etwa 100 µm
langen Körnern recht häufig zu beobachten.
Quarz und Feldspat zeigen meist mittelkörniges Wachstum. Das generell gröbere
Gefüge zeigt sich auch bei den Biotiten: sie werden bis etwa 0,8 mm groß
und zeigen mitunter deutlich rötliche Färbung, die für einen
entsprechend hohen Fe-Anteil spricht.
5.2.8 Migmatite (WB249, WB273)
5.2.8.1 Makroskopische Beschreibung
Die migmatischen Gesteine werden hier durch einen charnockitischen Migmatit (WB273) und einen Leukosomkörper (WB249) vertreten. Bei letzterem Gestein zeigt sich denn auch am Handstück das typisch richtungslose Gefüge und der hohe Anteil leukokrater Minerale wie Feldspat und Quarz. Biotit als dunkles Gemengteil tritt stark zurück. Daneben sind auch kräftig rote Granate enthalten, bei denen bereits makroskopisch die poikiloblastische Struktur und die Durchsetzung mit milchigen Quarzen erkennbar ist.
5.2.8.2 Mikroskopische Beschreibung
Das Leukosom ist sehr stark
K-Al-betont, was sich im Schliff anhand eines sehr hohen Anteils an Kalifeldspäten
bemerkbar macht. Bei den Feldspäten sind fast ausschließlich Orthoklas
und verzwillingter Mikroklin auszumachen. Dieser zeigt maximal grobkörniges
Wachstum und ist hypidiomorph bis xenomorph ausgebildet. Der Orthoklas ist meist
perthitisch entmischt und wächst hyp- hin und wieder auch idiomorph. Er
bildet Körner von etwa 1mm Größe und ist leicht sericitisiert.
Mitunter sind auch perthitische Säume um den Orthoklas zu beobachten.
Plagioklas ist fast nicht vorhanden und zeigt sich nur in Form von seltenen,
sehr Na-betontem Andesin.
Ein weiteres Hauptgemengteil ist der Quarz, der in etwa gleichem Maße
wie der Kalifeldspat vertreten ist. Er ist stark deformiert und zeigt durch
seine stark undulöse Auslöschung schöne Parkettstrukturen. Er
wird mittelkörnig.
Als mafische Phase ist vor allem Granat vorhanden. Er ist allerdings nur auf
einen Streifen im Schliff beschränkt und zeigt dort bis etwa einen Zentimeter
große Ausbildung. Der Granat ist stark poikiloblastisch ausgebildet und
größtenteils mit Quarz durchsetzt. Er zeigt eine schwach rosarote
Farbe, was für einen Vertreter der Pyralspit-Gruppe deutet. Dies lässt
sich aber anhand der geochemischen Daten weder widerlegen noch bestätigen.
Als akzessorische Minerale sind kleinkörniger Biotit und sehr wenig feinkörniger
Muskovit zu beobachten. Erzminerale sind extrem selten.
Der charnockitische Migmatit
(WB273) zeigt ebenfalls eine recht saure Zusammensetzung: bei den hellen Gemengteilen
dominiert auch hier neben Quarz der Kalifeldspat. Meist handelt es sich um Orthoklas,
der zum Teil auch perthitisch entmischt ist. Mikrokline und Plagioklase treten
deutlich zurück und sind nur als Nebengemengteile vorhanden. Der Plagioklas
ist hier relativ anorthitarm (An < 30). Die Orthoklase als auch die xenomorphen
Quarze sind mittelkörnig gewachsen.
Als mafische Phasen lassen sich Granat und Biotit beobachten. Der Granat bildet
bis zu eineinhalb Millimeter große Blasten, die intensiv von Biotit umflossen
werden (Abb.
9-2). Entsprechend sind es auch vor allem Biotite und feine Orthoklase,
die sich in der Siebstruktur finden. Die etwa 400 µm großen Biotite
zeigen zwar eine Einregelung in eine Ebene, allerdings handelt es sich hierbei
eher um eine Schlierentextur, wie sie bei migmatischen Gesteinen sehr typisch
ist. Dies ist bereits bei makroskopischer Betrachtung des Schliffes zu erkennen.
Als akzessorisches Mineral tritt Zirkon auf und bildet feinkörnige, idiomorphe
Körner aus, die meist in Biotiten eingeschlossen sind.