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Karte zur Unterscheidung
zwischen West-/Ostgondwana. |
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| Ostgondwana | ||||
| Westgondwana | ||||
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Paläogeographische Grenze von Antarctica |
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Paläogeographische Grenze von Afrika |
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Abb.3-4: Geologische Übersichtskarte zur paläogeographischen Situation.
3.5 Geologie der Gjelsvikfjella und des westlichen Mühlig Hofmann-Gebirges im zentralen Dronning Maud Land
Es sei an dieser Stelle
erwähnt, dass die wissenschaftliche Grundlage des folgenden Kapitels vor
allem der Artikel von OTHA
et. al. (1990) war und daher hier auf eine weitere Zitierung des Artikels
im folgenden verzichtet wird. Entsprechend sind die im folgenden genannten Quellen
lediglich die in OTHA
et. al. (1990) zitierten. Andere
Quellen als die eben genannte sind entsprechend kenntlich gemacht.
Um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass es keine nennenswerten Abhandlungen
über die Geologie der Gjelsvikfjella und des Mühlig Hofmann-Gebirges
in deutscher Sprache gibt, wurde dem folgenden Kapitel entsprechender Platz
gewidmet.
Abb.3-5: Geologische Übersichtskarte der Gjelsvikfjella und des Mühlig Hofmann-Gebirges. Grau hinterlegt sind die besuchten Gebiete während der Expedition 1999 / 2000.
3.5.1 Der geologische Bau der Gjelsvikfjella
Der nördliche Teil
der Gjelsvikfjella wird von den suprakrustalen Gesteinen der Jutulsessen-Gruppe
dominiert, die von einem Pluton mit in erster Linie gabbroidem Chemismus und
Dykes verschiedener Generationen intrudiert wurden. Nach Süden hin gehen
diese meta-suprakrustalen Gesteine in die Risemedet-Migmatite über.
Es ist anzumerken, dass bei der Kartierung der norwegischen Expedition nicht
die gesamte Fjella kartiert wurde. Die Gebiete Jutulsessen, Risemedet und Terningskarvet
wurden geologisch aufgenommen, der äußere Südwesten der Fjella
mit den Teilen von Essenskarvet, Nupskammen und der südwestliche Teil von
Jutulsessen wurden nicht besucht, sondern "fernkartiert".
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Abb.3-6 u. 3-7: Geologische Karten der Risemedet (li.) sowie der Hochlinfjellet und Festninga (re.) Vergrößerte Darstellung & Legende bei Klick!
3.5.1.1 Der lithologische Stoffbestand der Gjelsvikfjella
Es lassen sich auf lithologischer
Grundlage drei Einheiten unterscheiden:
Zum einen die Metagabbros im nordöstlichen Jutulsessen: Lithologisch handelt
es sich hierbei um einen richtungslosen Hornblende-Biotit-Gabbro meist mittelkörniger
Ausbildung. Der Feldspat ist ein Andesin-Oligoklas-Plagioklas. Die Gesteine
besitzen feinkörnige, gerundete Xenolithe und werden von aplitisch-pegmatitischen
Gängen abgeschnitten. Die Gänge zeigen ein Einfallen nach SE. Ähnliche
Dykes sind auch bei den Gneisen und Migmatiten bekannt.
Der Kontakt des Gabbros zu den suprakrustalen Gesteinen ist intrusiv. Eine erzreiche
Phase, die in Verbindung der späteren Gänge angelegt worden ist, zeigt
Magnetit-Gehalte von teilweise mehr als 80%!
Die zweite wichtige Einheit sind die bereits erwähnten meta-suprakrustalen Gesteine in Jutulsessen: es lässt sich hier eine bis zu 4500 Meter mächtige Serie aus Gneisen und Amphiboliten beobachten, die lateral in die Risemedet-Migmatite übergeht. Glimmerhaltige und felsische Gneise sind die Hauptgesteine dieser Gruppe. Die Gneise treten im nördlichen Teil auf und erstrecken sich Richtung Osten über den Slithallet-Gletscher bis hin nach Medmulen. Die Metagabbros schneiden diese Gesteine im Norden diskordant ab, während im Süden ein fließender Übergang in die Risemedet-Migmatite beobachtet werden kann. Die Armlenet-Störung, eine bedeutende steilstehende Ost-West-streichende Störung, versetzt die Gesteine im nördlichen Armlenet. Bei näherer Betrachtung lassen eine untere- (bis 1300 m mächtig), mittlere- (2200-2600 m mächtig) und eine obere (bis 700 m mächtig) Abfolge differenzieren:
In der unteren Abfolge sind
dies in erster Linie glimmerführende Gneise (meist Biotit) mit oder ohne
Granat, während in der mittleren Abfolge felsische Gneise, glimmerreiche
Gneise sowie auch Agmatite vorherrschen. Die mittlere Abfolge folgt oberhalb
einer Scherstörung. Die unteren 700m der insgesamt 2200-2600 m mächtigen
Folge besteht weitgehend aus felsischen Gneisen, in die sich im mittleren Teil
konkordant Agmatit-Lagen mischen. Die oberen 500m der Abfolge zeigt zwei Lagen
gebänderter Biotitgneise und dünnen Agmatit-Lagen in felsischen Gneisen.
Die weiter oben folgenden felsischen Gneise haben im Gegensatz zu jenen im unteren
Teil der mittleren Abfolge eine eher granitische Zusammensetzung.
Die Mächtigkeit der oberen Abfolge, weitgehend aus felsischen Gneisen granitischer
Zusammensetzung zusammen gesetzt, beträgt etwa 700 m. Glimmerreiche Lagen
und jene mit Agmatit sind selten. Lateral gehen die Gneise in granitische Migmatite
über und nehmen Richtung Norden an Mächtigkeit zu.
Komplexe Deformation und metamorphe Rekristallisation machen die Berechnung
Ursprungsgesteine dieser meta-suprakrustalen Gesteine schwierig und unsicher.
Das Auftreten von Al-Silikaten, Cordierit Al3 (Mg,Fe)2 [Si5AlO10] und Granat
in dunklen glimmerigen Lagen lässt hier tonige bis sandige Sedimente als
Ursprung vermuten! Die Möglichkeit eines sauren Vulkanismus als Ursprung
kann aber auch nicht völlig ausgeschlossen werden. Die mafischen Gesteine
dürften wahrscheinlich durch syn- bzw. spättektonische Gänge
und Sheets entstanden sein. Möglich wäre auch ein vulkanischer Ursprung
der konkordanten Amphibolite.
Bei der Metamorphose zeigen die Mineralassoziationen (Sillimanit, Kyanit als
Einschlüsse in Granat,...) mittleren Druck für den prograden Ast an.
Orthopyroxene zeigen sich in einigen SiO2-untersättigten Gesteinen und
lassen ein vorübergehendes Metamorphose-Maximum in der Granulitfazies vermuten.
Cordierit und Herzynit zeigen indes unter Umständen einen Druckabfall nach
dem Metamorphose-Maximum an. Bei den Temperaturen zeigen die Mineralparagenesen
(Sillimanit & Muskovit u.a.) hohe Temperaturen an, denen eine kühlere
Periode folgt. Die hohen Temperaturen gehen offenbar mit der Platznahme charnokitischer
Intrusionen einher. Mit Hilfe von Geobarometern (Granat - Rutil - Sillimanit
- Ilmenit) und Geothermometern (Ca- und Mn-Gehalte in Granaten sowie Ti-Gehalte
in Biotit) ergaben pT-Bedingungen von 650-750°C und 8 ± 1 kbar, wobei
man sich an die Methoden von THOMPSON (1976) und BOHLEN et. al. (1983) anlehnte.
Vergleichende Daten für die H. U. Sverdrupfjella liegen, wie THOMPSON (1976),
NEWTON & HASELTON (1981) zeigten, innerhalb der gleichen Grenzen.
Die schließlich dritte lithologische Großeinheit sind die Migmatite
in Risemedet. Die meta-suprakrustalen Gesteine von Jutulsessen zeigen einen
Übergang zu den Migmatiten im Süden. Eine Mobilisierung der felsischen
Gneise wird durch eine sehr undeutliche Paralleltextur und das Vorhandensein
ptygmatischer Falten sowie rotierten Fragmenten bei basischen Dykes angezeigt.
Ähnliche Migmatite sind auf der Ostseite von Stabben zu beobachten.
Migmatite mit streifigen, biotit-reichen Paläosomen treten in Risemedet
und Horten auf, ähnliche Gesteine werden in Medhovden vermutet. Die gneisigen
Paläosome verlieren ihre scharfen Grenzen zum granitischen Metatekt und
gehen allmählich in granitische, homogene Gesteine über. Migmatite
bauen auch die Gegend um Terningskarvet auf. Lagen aus stark gefalteten Biotit-Gneis
(um 100m mächtig) und granitische Migmatite sind die hier trennbaren Einheiten.
Im südwestlichen Teil von Terningskarvet tritt ein massiver, 200m mächtiger
Diorit konkordant in den granitischen Migmatiten auf.
Eine Fernkartierung per Fernglas bei Nupskammen, von Essenskarvet und auf der
südwestlichen Seite von Jutulsessen zeigte das Vorhandensein von Gneisen
und granitische Lagen, bis zu mehreren hundert Meter mächtig.
3.5.1.2 Der tektonische Bau der Gjelsvikfjella
Die meta-suprakrustalen
Gesteine von Jutulsessen besitzen eine ausgeprägte Paralleltextur, die
das Ergebnis der Hauptdeformation und Metamorphose darstellt. Einige cm- bis
dm-mächtige Lagen zeigen isolierte isoklinale Falten, so dass es sich bei
der Textur um eine "umgescherte" Foliation handelt ("transpositional
foliation"). Einige granoblastische basische Gesteine sind völlig
konform zu der Paralleltextur der umliegenden Gesteine. Die Isoklinalfalten,
die eine erste Deformation D1 anzeigen, wurden später nochmals straff durchfaltet.
Diese zweite Phase D2 stellt eine Phase der Rekristallisation und die eigentliche
Phase der Hauptdeformation dar. Später folgte noch eine dritte Deformationsphase
D3, die zu einer Art "dome-basin"-structure führte und bei der
es zur Migmatisierung kam.
Bei den Lineamenten muss vor allem die bereits erwähnte Armlenet-Störung
genannt werden, die im nördlichen Armlenet auftritt und ein Ost-West-Streichen
zeigt. Die Störungsfläche steht saiger und besitzt eine nach Süden
abgesunkene Scholle. An der Nordseite lassen sich zwei Typen basischer Gänge
unterscheiden: ein gefalteter Amphibolit, dessen Platznahme eventuell zeitlich
mit der Migmatisierung zu sehen ist einerseits, und ein nicht metamorph überprägter
Dolerit, der unter Umständen mesozoischen Alters ist, andererseits.
Das Auftreten einiger basischer Dykes entlang der Störung und ihre strukturelle
Beziehung lässt vermuten, dass die Störung zu einem späten Zeitpunkt
der D2-Deformation angelegt worden ist und im Mesozoikum reaktiviert wurde.
Eine andere Störung mit einem NE-SW-Streichen und einem Einfallen von 60°E
zeigt sich etwa zwei Kilometer südlich der Armlenet-Störung. Sie durchschneidet
stark migmatisierte Gneise und trennt einen ostwärts einfallenden westlichen
Block von einem westwärts einfallenden östlichen Block. Diese Störung
könnte eine von der Armlenet-Störung divergierende Störung sein.
Es existiert keine strukturelle Diskordanz zwischen den meta-suprakrustalen
Gesteinen von Jutulsessen und den Risemedet-Migmatiten. Die Paralleltexturen
ihrer Gneise definieren eine ovale Domstruktur, den Jutulsessen-Dom, dessen
Achse NW-SE streicht. Die Armlenet-Störung schneidet den nördlichen
Teil dieses Doms. Die Paralleltexturen in Medmulen-Medhovden zeigen südliche
Einfallsrichtungen bei annäherndem E-W-Streichen. Bei Gygra-Risen lassen
sich hingegen südliche Einfallswerte messen, was auf eine Antikline zwischen
diesen beiden Gebieten schließen lässt.
3.5.1.3 Die geologische Geschichte der Gjelsvikfjella
Die Sedimentation toniger und sandiger Gesteine stellt die erste Phase der geologischen Geschichte und damit die Ausgangsgesteine für die glimmerreichen Gneise in den meta-suprakrustalen Gesteinen in Jutulsessen dar. Danach erfolgte, bedingt die Bildung isoklinaler und anderer straff angelegter Falten (Phasen D1 und D2) eine starke Deformation. Einher geht eine Metamorphose oberer Amphibolit- bis Granulitfazies. Zunehmende Temperaturen bzw. des pH2O führen zur Bildung von regionalen Migmatiten. Eine dritte Faltungsphase D3 verfaltet die früher angelegten Falten der Generationen D1 und D2 und legt Dome-Basin-Strukturen an. Damit einher gehen gabbroide Intrusionen und die Platznahme von basischen, aplitischen und pegmatitischen Gängen im späten Stadium der Faltungsphase. Erst danach wird die Armlenet-Störung aktiviert. Das abschließende Ereignis ist die Platznahme der mesozoischen doleritischen Dykes mit spröder Deformation und der Reaktivierung der Armlenet-Störung.
3.5.2 Der geologische Bau des Mühlig Hofmann-Gebirges
Im östlichen Mühlig
Hofmann-Gebirge bildet der charnokitische Svarthamaren-Batholith das Grundgebirge.
Dieser wird von dem metamorphen Snøtoa-Komplex eingefasst, der im Süden
und Westen des Mühlig Hofmann-Gebirges an die Oberfläche tritt und
durch einen hohen Anteil an assimiliertem Nebengestein charakterisiert ist.
Mineralparagenesen und Geothermo- bzw. Geobarometer lassen auf eine zweiphasige
tektonothermal-magmatische Geschichte schließen.
Die erste Metamorphose spielte sich bei mittleren Drucken in der oberen Amphibolit-
bis Granulitfazies ab. Später fand durch die charnokitische Intrusion eine
hochthermale Überprägung statt. Das erste Event fand vor etwa 1,1
Mrd. Jahren statt, Rb/Sr-Datierungen ergaben für die Intrusion des Charnockit-Batholiths
ein Alter von 500 ± 24 Millionen Jahre.
Nach RAVICH & KRYLOV (1964) besteht das westliche Mühlig Hofmann-Gebirge
aus hochgradigen meta-suprakrustalen Gesteinen prä-riphäischen Alters
und einem Granit-Granosyenit-Komplex. K/Ar- und Rb/Sr-Werte an Gesamtgesteins-Präparaten
ergaben Werte zwischen 400 bis 480 Mio. Jahre bis hin zu 510 Mio. Jahre in der
Gjelsvikfjella.
Mesozoische Krustendehnungen,
die die Bildung der Jutulstraumen-Pencksøkket Riftzone zur Folge hatten,
zeigen sich anhand von Flexuren und der Intrusion von Doleriten in Form von
Gängen. Unter anderem zeigte ALLEN (1990) anhand von Rb/Sr-Daten solche
Bewegungen.
Im beobachteten Gebiet, Skigarden bis Ahlstadhottane entlang der nördlichen
Klippen des Mühlig Hofmann-Gebirges, dominieren die Svarthamaren-Charnockite
und der metamorphe Komplex von Snøtoa. Um Unklarheiten vorzubeugen sei
gesagt, dass mit Charnockit hier Gesteine mit Orthopyroxen und Mesoperthit als
wesentliche Bestandteile gemeint sind.
3.5.2.1 Das Skigarden-Snøtoa-Gebiet und das westlich anschließende Areal
Die Nunataks von Skigarden und Bjørnsaksa bestehen aus grobkörnigen Charnockiten. In den Charnockiten sitzen isolierte Blöcke meist granitischer Zusammensetzung. Größe und Zahl der Blöcke nehmen nach Süden hin zu. Die Grenze zu den Snøtoa-Migmatiten wird von einer einen Kilometer breiten, vertikal-stehenden Xenolith-reichen und E-W-streichenden Zone gebildet. Die Migmatite von Snøtoa, meist mit streifigen Paläosomen und manchmal agmatisch, streichen Ost-West und fallen nach Süden ein. Die Minerale zeigen eine Metamorphose in der oberen Amphibolitfazies an. Teile dieser Gesteine bilden eine bis zu 500m mächtige Lage im Charnockit. Eine Zone vom südlichen Skigarden bis zum westlichen Grytøyrfjellet kann als intrusive Übergangszone zwischen der großen Charnockitmasse im Norden und den metamorphen Gesteinen im Süden angesehen werden.
3.5.2.2 Der westliche Teil von Flogeken
Südlich von Hoggestabben tritt ein dunkler, Ost-West-streichender und steil einfallender Charnockit auf. Der Hoggestabben selber besteht aus granitischen zusammengesetzten Migmatiten mit gebänderten, reliktischen Gneisen. Schwach gebänderte Granulite dominieren in Hochlinfjellet. Festninga, weiter im Westen, ist wieder durch granitische Migmatite, aber auch durch deutlich gebänderte Gneise und Agmatite dominiert. Diese Gesteine sind als Fortsetzung der meta-suprakrustalen Gesteine von Jutulsessen und der Risemedet-Migmatite in der östlichen Gjelsvikfjella zu sehen.
3.5.2.3 Petrellfjellet und Hamarskorvene
Petrellfjellet, südlich
von Skigarden, besitzt entlang der nordwestlichen Ausläufer, am Nordteil
und im östlichen Bereich Granulite. Daneben treten Charnockite auf, die
auch Ost-West streichen und südlich einfallen. Granulitische Migmatite
mit Gneis- und Agmatiteinschaltungen lassen sich bei Slokstallen, Kvithamaren
und auch Hamarskorvene beobachten. Diese Gesteine stellen wohl eine basische
Intrusion dar, die jünger als der Gneis, aber älter als die Intrusion
der Charnockite ist.
Diese gebänderten Granulite und die Gesteine der oberen Amphibolitfazies
scheinen den südlichen Teil des westlichen MH-Gebirges zu dominieren und
setzen sich offenbar in verwandte Gesteine der Gjelsvikfjella fort.
Das Gebiet ums Hamarskaftet besteht aus Granit mit schmalen gneisigen Paläosomen
sowie Charnockiten. Auch in Plogskaftet treten Charnockite auf. Sie besitzen
Xenolithe aus gneisigem, migmatitischem und granitischem Material. Am südlichsten
Nunatak lassen sich an Hand der Mineralassoziationen an Charnockiten pT-Bedingungen
ermitteln, die fo2 = 10-(10-15) bar und T = 750°C (WONES & GILBERT 1969)
für die Bildung des Gesteins angeben.
Die Region um Svarthamaren und Ahlstadhottane besteht ausschließlich aus
Charnockiten, wobei zwischen zwei Fazies unterschieden werden muss. Es herrscht
ein NW-SE-Streichen und Einfallswerte nach Westen im Westteil und nach Osten
im Ostteil (Båsbolken). Man unterscheidet einen mittelkörnigen, grün-grauen
Charnockit und einen grobkörnigen, dunkelbraunen Charnockit.
3.5.3 Geochronologische Untersuchungen
Zwei verschiedene Altersprovinzen
sind durch die Jutulstraumen-Penck-Riftzone im westlichen Dronning Maud-Land
getrennt: im Westen der Riftzone archaisches Basement (nach HALPERN 1970 und
ELWORTHY 1982), 3,1 bis 2,8 Mrd. Jahre alt. Das Basement ist von undeformierten
fluviatilen und vulkanischen Sedimenten (1850 bis 760 Mio. Jahre) überlagert.
Südlich und östlich der Riftzone zeigen Isotopendaten nach ELWORTHY
(1982) eine regionale Metamorphose vor 1,2 bis 1,0 Mrd. Jahren an, die nach
ANGINO & TURNER (1964) sowie DEUTSCH & WEBB (1964) mit dem Bunger-Orogen
in der Ostantarktis korreliert. ELWORTHY (1982) sieht ein weiteres thermales
Event vor etwa 500-400 Mio. Jahren, das ELLIOT (1975) mit dem Ross-Orogen vergleicht.
Aufgrund dieser zwei doch sehr verschiedener Provinzen bezüglich Deformationsgrad und Metamorphose wird die Jutulstraumen-Riftzone als tiefe Diskontinuität der Kruste mit möglicherweise größerem lateralen Versatz verstanden. Die jüngsten damit in Verbindung stehenden magmatischen Aktivitäten sind 155-140 Mio. Jahre alte Nephelinsyenite im nordöstlichen Teil der H. U. Sverdrupfjella. Im gesamten Dronning Maud Land sind auch 170 Mio. Jahre alte Dolerite bekannt, die dem Ferrar-Dolerit im Transantarktischen Gebirge ähneln.
Beinahe alle Rb-Sr- als auch K-Ar-Daten an Mineralen sowie Gesamtgesteinsproben von Kirwanveggen im Westen bis zum Wohlthatmassiv im Osten fallen in ein Zeitintervall zwischen 550 bis 330 Mio. Jahre (RAVICH & KYLOV 1964, KRYLOV 1972, ELSWORTHY 1982, MOYES 1989).
3.5.4 Die Schlussfolgerungen und Ergebnisse bisheriger Arbeiten
Rb/Sr-Messungen lassen,
obwohl keine genügend hohe Spannbreite für eine Altersbestimmung vorhanden
sind, die Vermutung zu, dass die felsischen Gneise von Jutulsessen in dieselbe
Gruppe wie die Gneise der H. U. Sverdrupfjella fallen oder gar jünger sind.
Für die Metagabbros des nördlichen Jutulsessen liegen sehr ähnliche
Rb/Sr-Verhältnisse vor, was eine Datierung vereinfacht. Gewisse Streuungen
lassen sich durch Störungen im Isotopensystem erklären. Aus den hohen
87Sr/86Sr-Verhältnissen ergeben sich hohe Initialverhältnisse für
die Metagabbros. Nach ELWORTHY (1982) und BARTON & COPPERTHWAITE (1983)
können solche Werte unter Umständen durch krustale Kontamination interpretiert
werden. Anzeichen einer solchen Kontamination könnten assimilierte Gneis-
und Migmatit-Xenolithe sein, die entlang des Intrusionsrandes beobachtet werden
konnten.
Bei den Charnockiten des Svarthamaren-Komplexes im östlichen Mühlig
Hofmann-Gebirge erlauben große Streubreiten in den Rb/Sr-Verhältnissen
keine Altersbestimmung am Gesamtgestein des mittelkörnigen Charnockits.
Als Kristallisationsalter wurde 500 ± 24 Mio. Jahre angenommen. Dieses
Alter gilt als das sicherste Alter für die Platznahme des großen
Charnockitmassivs im Mühlig Hofmann-Gebirge. Dieses Event kann mit der
Orogenese des Ross-Orogens des Transantarktischen Gebirges korreliert werden.
Anzeichen für eine Deformation dieses Orogens im westlichen Dronning Maud
Land ist die Faltung der unterpaläozoischen Sedimente, der Urfjellgroup
bei Kirwanveggen.
3.5.5 Zusammenfassung bisheriger Arbeiten
Aus den Ergebnissen der
bisherigen Arbeiten lässt sich feststellen, dass das Grundgebirge der Gjelsvikfjella
und des westlichen MH-Gebirges in erster Linie aus zwei metamorph-magmatischen
Gesteinstypen besteht: zum einen die meta-suprakrustalen Gesteine von Jutulsessen
und der metamorphe Komplex von Snøtoa, zum anderen der Charnockit-Batholith
von Svarthamaren.
Das Alter der Metamorphose konnte bislang nicht sicher bestimmt werden, sondern
nur aus Analogieschlüssen hergeleitet werden. Auf dieser Grundlage wird
das nachgewiesene Alter von 1,1 Mrd. Jahren (grenvillisch) für die Gesteine
der H. U. Sverdrupfjella, Kirwanveggen auch für die felsischen Gneise der
Jutulsessen-Gruppe angenommen.
Der Snøtoa-Komplex besteht aus granulitfaziellen gebänderten Gneisen
und Migmatiten, in die Charnockite intrudiert sind. Das Intrusionsalter der
Charnockite liegt bei etwa 500 Mio. Jahre. Der Abkühlungsprozeß lässt
sich durch Mineralalter bis etwa vor 400 Mio. Jahren belegen.
Die regionale Metamorphose war ein Mitteldrucktyp, von der oberen Amphibolitfazies
bis in die Granulitfazies hinein. Durch die Platznahme des Svarthamaren-Batholiths
wurde durch die erhöhte thermische Komponente die Metamorphose in eine
Hochtemperatur-Metamorphose umgeleitet.
Eine ähnliche zweiphasige Metamorphosegeschichte ist auch aus dem östlichen
Dronning Maud Land bekannt und scheint wohl für das Dronning Maud Land,
zumindest östlich der J-P-Riftzone typisch zu sein.
3.5.6 Erste Ergebnisse der deutschen Expedition von 1999 / 2000
Nach den Geländebeobachtungen
dürften die sogenannten "Grauen Gneise", Gneise tonalitischer
bis granitischer Zusammensetzung, die von dunklen Gängen durchschlagen
werden, die ältesten Gesteine darstellen. Überlagert wird diese Sequenz
von einer metamorphen Melange, bestehend aus Gneisen, Schiefern, Kalksilikatfelsen
und Marmoren. Nach Intrusion granitischer Magmen wurde der ganze Komplex nach
BAUER
& JACOBS (2001) einer hochgradigen Metamorphose und tektogenen Überprägung
unterzogen. Ob dieses Event grenvillisch oder aber panafrikanisch ist, ist unklar
und bedarf noch näherer Untersuchungen.
Dieses migmatische Basement wurde von jüngeren Graniten intrudiert, die
heute als Augengneise angesprochen werden müssen. Beide Intrusiv-Generationen
sind nur wenig deformiert und höchstens grünschiefer- bis amphibolitfaziell
metamorphosiert.
Eine dritte magmatische Suite sind die bereits oben ausführlich beschriebenen
Charnockite, Granite und Gabbros. Sie sind nahezu undeformiert und lassen sich
durch U-Pb-Messungen an Zirkonen (MIKHALSKY
et. al., 1997) auf etwa 500-510 Mio. Jahre datieren. Eine weitere Migmatisierung
könnte durch diese Intrusiva initiiert worden sein, wobei die Neosome eine
hochgradige Metamorphose anzeigen.
Die jüngsten Magmatite in dieser Gegend sind jurassische Basalte, die hier
recht verbreitet sind und das Zerbrechen des Gondwana-Kontinents und die damit
verbundene erhöhte magmatische Aktivität anzeigen.