7.2 Zirkontypisierung

7.2.1 Die Zirkone der granitoiden Gesteine

7.2.1.1 Kristallhabitus

Die Zirkone der granitoiden Gesteine können im Rahmen dieser Arbeit nur durch eine Probe (31.12.99/2) repräsentiert werden. Weitere Schwermineralkonzentrate wurden wegen zu großer stofflicher Inhomogenität oder zu geringem Anteil an gut indizierbaren Körnern nicht gepickt.
Die gemessenen Zirkone dieser Probe weisen Längen zwischen 80 und 180 mm und Breiten zwischen 30 und 80 mm auf. Die durchschnittliche Länge von 120 mm und eine Durchschnittsbreite von 50 mm zeigen, dass die Zirkone des Granits damit die kleinsten überhaupt eingemessenen Zirkone sind.
Der mittlere Elongationswert liegt bei 2,56, was nach POLDERVAART (1955, 1956) bereits ein typisches Elongations-Verhältnis magmatischer Zirkone ist. Nach vorhin festgelegter Definition werden solche Zirkone als schon langsäulig bezeichnet.
Die Körner zeigen eine sehr gute Sortierung, was sich auch in der relativ geringen Standardabweichung von nur 0,68 widerspiegelt.

7.2.1.2 Kristalltracht

Die Tracht zeigt in dieser Population viele idiomorphe Körner mit gut entwickelten Flächen und nur wenig gerundeten Körnern. Somit konnten von 125 gepickten Körnern nur zehn Körner nicht indiziert werden.

Die Trachtindizierung nach PUPIN zeigt bei dem Gygra-Granit der Gjelsvikfjella einen Häufungsschwerpunkt beim Typus S20, aber auch eine weitere auffällige Häufung beim Typ S25. Diese Typen sind durch eine deutliche Dominanz der (101)-Pyramide und des (100)-Prismas gekennzeichnet. Auch die steile Pyramide (301) wurde regelmäßig beobachtet. Allerdings lässt sich bei der Ausbildung der Pyramidenflächen eine gewisse Bandbreite erkennen, die sich durch einen Wechsel der Alkalinität in der Schmelze erklären lässt.

Trachtdiagramm 31.12.99/2

Abb. 7-5: Zirkontrachtdiagramm des Granits 31.12.99 / 2 nach PUPIN (1980).Der farbig hinterlegte Trachttyp stellt den am häufigsten auftretenden Typ dar.
Legende:

Die Ausbildung der Prismen lässt sich entsprechend der Methode von PUPIN (1980) direkt mit einer Temperatur korrelieren, die hier bei etwa 800-850°C gelegen hat.
Der mean point der indizierten Population zeigt A- und T-Indices von 539 bzw. 528 und liegt im Feld der Tracht vom Typ S19. Diese Tracht liegt nach den von SCHERMAIER et. al. (1992) abgegrenzten Bereichen (Abb.7-4) im Feld für I-Typ-Granite, also im Feld für "granits of crustal and mantle origin". Dies ist auch für die Zirkonpopulation dieses granitoiden Gesteins zu erwarten.

Die nachfolgende Bildtafel zeigt beispielhaft einige Zirkone aus dem Gygra-Granit:

Zirkon aus 31.12.99/2 Zirkon aus 31.12.99/2

Abb. 7-6: Zirkonkristall aus der Probe 31.12.99/2. Idiomorpher Kristall, Typ S14. Die Pyramiden zeigen verschiedene Trachtaus-Bildungen.

  Abb. 7-7: Zirkonkristall aus der Probe 31.12.99/2.Kristall vom Typ S25, dem zweithäufigsten Typ dieser Population.Auch hier zeigen die beiden Pyramiden verschiedene Trachten.
Zirkon aus 31.12.99/2 Zirkon aus 31.12.99/2

Abb. 7-8: Zirkonkristall aus der Probe 31.12.99/2.Zirkon mit abgeplatzten Schalen, die einen Zonarbau andeuten. In die Wachstums- behinderung links oben ist ein weiterer kleiner Zirkon gewachsen, der eine Tracht nach Typ S19 zeigt.

  Abb. 7-9: Zirkonkristall aus der Probe 31.12.99/2.Idiomorphe Pyramide mit Tracht S20. Hier ist auch die sehr steile Pyramide (301) sehr gut entwickelt.

7.2.1.3 Kristallinterne Phänomene:

Nach den bisherigen Beobachtungen darf ein magmatogenes Wachstum dieser Zirkonpopulation als gesichert gelten. Allerdings sprechen einige Hinweise entgegen der Geländeansprache gegen einen plutonischen Charakter der Zirkone. So ist zwar anteilig in den Zirkonen ein Zonarbau zu erkennen, der ja für eine plutonische Genese spricht (MAGER 1981). Allerdings ist dieser Zonarbau, wenn er vorhanden ist, nicht sehr ausgeprägt und keineswegs typisch für die Population. Typisch ist hier eher ein Fehlen eines Zonarbaus. Dies ist dann der Fall, wenn die Kristallisation einen nur kurzen Zeitraum beansprucht. Für den eher kurzen Zeitraum bei der Kristallisation spricht auch die recht homogene Verteilung, die eine abrupt endende Kristallisation aus heißer Schmelze anzeigt.
Schließlich zeigen die Zirkone des Gygra-Granits recht viele Einschlüsse. Diese sind allerdings nicht orientiert und zeichnen kein früheres Wachstumsstadium nach. Die Einschlüsse, die zumeist eine sehr nadelige Form besitzen, sind regellos in den Kristallen angeordnet. Zeigen die Einschlüsse verschiedenartige Orientierungen, so spricht auch diese Beobachtung für eine Kristallisation über einen längeren Zeitraum hinweg. In Vulkaniten sind Einschlüsse allerdings wegen der deutlich höheren Kristallisationsgeschwindigkeit einer vulkanischen Schmelze entsprechend häufiger zu beobachten (HOPPE 1963).

Die aufgezeigten Merkmale stehen durchaus widerspruchsfrei zu dem, was bei der Geländeansprache festgestellt worden ist: beim Gygra-Granit handelt es sich um einen Ganggranit, der aufgrund seiner Genese viel schneller kristallisiert ist als sonst bei granitischen Gesteinen üblich, obgleich ja bei der Trachtindizierung auch Merkmale beobachtet worden sind, die typisch für Granite sind. Auch das recht schmale Spektrum bei der Ausbildung der Prismen, die ja an die Temperatur der Schmelze gekoppelt sind, bestärkt eine verhältnismäßig schnelle Abkühlung der Schmelze.
Auch die bereits aufgezeigte hohe Kristallisationstemperatur von etwa 800-850°C unterstützt die Genese in einem pegmatitischen Stadium der Kristallisation.

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