7.2.2 Die Zirkone der Gneise
Die untersuchten Gneise werden durch neun Proben repräsentiert, von denen vier auch hinsichtlich ihrer Tracht indiziert worden sind. Die übrigen fünf Proben wurden nur in Form von Streupräparaten untersucht. Der Großteil der untersuchten Gneise stammt aus der Gjelsvikfjella (vor allem Risemedet), nur zwei Proben stammen aus Festninga, dem westlichsten Ausläufer des Mühlig Hofmann-Gebirges.
7.2.2.1 Kristallhabitus
Die erste Aussage, die sich nach einem Blick auf die oben gezeigte Übersichtstabelle (Tab. 7-2) machen lässt, ist die frappante Ausbildung extrem hoher Längen-Breiten-Verhältnisse: alle L/B-Verhältnisse liegen deutlich über dem Grenzwert von 2, die nach POLDERVAART (1955, 1956) demnach eindeutig nur magmatische Edukte in Frage kommen lassen. Die kürzesten L/B-Verhältnisse zeigen hier die beiden Proben 13.01.00/2 und 17.01.00/2 aus dem westlichen Mühlig Hofmann-Gebirge, die mit Werten von 2,71 bzw. 3,04 immerhin bereits als langsäulig angesprochen werden.
Der charnockitische Gneis 13.01.00/2 zeigt hierbei mit L/B-Verhältnissen von bis zu 5,2 extreme Ausbildungsformen. Mit Längen zwischen 110 und 520 µm sowie Breiten von 40-120 µm zeigt der charnockitische Gneis ein recht weites Spektrum im Wachstum der Körner bishin zu sehr großen Körnern. Das Ausbilden hoher L/B-Verhältnisse deutet nach DÖLZLMÜLLER (1989) auf eine relativ zügige Hauptkristallisation, die offenbar bei recht hohen Temperaturen begonnen haben muss, will man demgegenüber das breite Korngrößenspektrum erklären. Dies muss sich aber noch bei der Trachtindizierung bestätigen.
Der Graue Gneis, Bestandteil des alten Grundgebirges und migmatisch überprägt, zeigt demgegenüber mit maximalen L/B-Verhältnissen von 4,25 (Mittelwert 3,04) keine so extreme Ausbildung wie der charnockitische Gneis. Auch die maximalen und minimalen Korngrößen liegen mit 80-330 µm in der Länge bzw. 40-140 µm in der Breite klar unter denen der zuvor beschrieben Zirkone. Allerdings deutet auch das Vorhandensein verschiedener Korngrößen auf eine über einen längeren Zeitraum andauernde Kristallisation hin.
Die Zirkone der Gneise aus der Gjelsvikfjella zeigen dagegen deutlich höher ausgebildete L/B-Verhältnisse, die von 3,04 und 3,37 bei den Grauen Gneisen aus Gygra (nördlich von Risemedet gelegen) und Armlenet bis zu 4,27 bei den zumeist migmatisch überprägten Gneisen aus Risemedet anwachsen. Die fünf Gneise aus Risemedet zeigen im Vergleich untereinander ein durchschnittliches Elongations-Verhältnis von 3,95. Sie dürfen somit als langsäulig bzw. kurz- oder langstängelig angesprochen werden.
7.2.2.2 Kristalltracht
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| Abb. 7-10: Trachtdiagramm der Probe 13.12.99 / 1 (felsischer Gneis, gering migmatisch) nach PUPIN (1980). | Abb. 7-11: Trachtdiagramm der Probe 03.01.00 / 1 (Gneis, migmatisch) nach PUPIN (1980). |
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| Abb. 7-12: Trachtdiagramm der Probe 13.01.00 / 2 (Gneis, charnockitisch) nach PUPIN (1980). | Abb. 7-13: Trachtdiagramm der Probe 17.01.00 / 2 (grauer Gneis) nach PUPIN (1980). |
Der grau hinterlegte Trachttyp
stellt den am häufigsten auftretenden Typ dar. Legende: ![]()
Für Trachtuntersuchungen nach PUPIN
(1980) liegen im Rahmen der Gneise vier Proben vor, von denen der Graue
Gneis 17.01.00/2 zur ältesten stofflichen Einheit des Arbeitsgebietes gehört.
Dieser Gneis zeigt im Trachtdiagramm
einen Häufungspunkt beim Typ S20, der vor allem durch das Wachstum der
flachen Pyramide (101) und des Prismas (100) gekennzeichnet ist. Der errechnete
mean point zeigt einen T-Index von 425 und einen A-Index von 595 und zeigt eine
S14-Tracht an. Überträgt man diesen mean point in das von SCHERMAIER
et. al. (1992) vorgeschlagene Diagramm zur Verknüpfung der Trachtbeobachtungen
mit einer Granitklassifikation, so liegt der mean point klar im Feld für
I-Typ-Granite und zeigt auch hier ein magmatisches Edukt dieses Gneises an.
Das magmatische Edukt wird allerdings in erster Linie durch das Vorhandensein
idiomorpher Kristalle belegt.
Markant ist die große Varianz bei der Ausbildung der Prismen, was für
eine Kristallisation während eines längeren Zeitraumes spricht. Während
der ganzen Kristallisationszeit zeigte der Chemismus der Schmelze aber offenbar
eine recht konstante Zusammensetzung und zeigt durch bevorzugte Ausbildung der
flachen Pyramide (101) ein Vorherrschen an Alkalien in der Schmelze und eine
relative Al-Armut.
Interessanterweise
zeigen nun die drei übrigen Gneise, aus Festninga und Risemedet stammend,
eine recht homogene Trachtentwicklung im PUPIN-Diagramm. Die beiden migmatisch
überprägten Gneise zeigen im Tracht-Diagramm Häufungspunkte bei
den Typen S22 und S23, die bei vornehmlicher Ausbildung des (100)-Prismas hohe
Kristallisationstemperaturen anzeigen. Die Pyramiden zeigen ein tendenzielles
Übergewicht der steilen Pyramide (211), die sich bei einer Al-Dominanz
in der Schmelze entwickelt. Das Wachstum dieser Al-gesteuerten Pyramide (211)
könnte durch eine Kontamination von krustalem Nebengestein während
der einwirkenden Migmatisierung erklärt werden. Die Temperatureinwirkung
wäre demnach nicht hoch genug, um das Gneisgefüge völlig zu zerstören,
sondern eben nur eine entsprechende Al-gekennzeichnete Chemie zuzulassen, die
sich entsprechend im Trachtdiagramm ablesen lässt. Nach den bisherigen
Beobachtungen wären dies aber auch durch eine Neukristallisation um detritische
Zirkone zu erklären. Demnach würde es sich dann um Paragneise handeln.
Eine Klärung kann also eventuell erst anhand von kristallinternen Phänomenen
erfolgen.
Der charnockitische Gneis 13.01.00/2 zeigt demgegenüber eine breitere Variation
in der Ausbildung der Prismen- als auch der Pyramidenflächen. Allerdings
ist auch hier eine beginnende Kristallisation bei sehr hohen Temperaturen von
etwa 800°C zu erkennen. Hier ist jedoch auch eine Entwicklung in Richtung
kühlerer Temperaturen zu erkennen, was sich in der Ausbildung eines größer
werdenden (110)-Prismas zeigt. Der Chemismus der Schmelze war nicht ganz so
Al-dominiert wie der der zuvor beschriebenen Gneise.
Die migmatischen bzw. charnockitischen Gneise zeichnen nach dem Trachtentwicklungs-Diagramm
von PUPIN
(1980) das Feld für magmatische Charnockite nach, das vor allem
durch hohe Temperaturen gekennzeichnet ist (Abb.7-3).
Die mean points der migmatischen Gneise liegen mit A-Indices von 366 (13.12.99/1)
bis 377 (03.01.00/1) und T-Indices von 572 (13.12.99/1) und 581 (03.01.00/1)
recht dicht beieinander, während der mean point des charnockitischen Gneises
mit einem A-Index von 424 und einem T-Index von 548 eben beschriebene Tendenz
zu niedrigeren Temperaturen und alkalibetonterem Chemismus zeigt.

Abb. 7-14:
mean point-Diagramm für die Gneise. Legende: Geschl. Kreis = Augengneise,
offener Kreis = grauer Gneis. Zum Vergleich ist der mean point des Ganggranits
als Raute dargestellt.
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| Abb. 7-15: Zirkonkristall aus der Probe 17.01.00/2.Idiomorpher Kristall, Typ S10. Die Pyramide (211) ist fast nicht entwickelt. | Abb. 7-16: Zirkonkristall aus der Probe 17.01.00/2.Kristall vom Typ S15. Hier ist auch die steile Pyramide (301) als schmaler Saum erkennbar.Die Oberflächen von Pyramide als auch Prismen zeigen rekristallisiertes Zirkon-Material, ein Charakteristikum dieser Population. |
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| Abb. 7-17: Zirkonkristall aus der Probe 17.01.00/2. Idiomorpher Zirkon in P2-Tracht mit einem weiteren kleinen Kristall, der in eine (101)-Fläche gewachsen ist. | Abb. 7-18: Zirkonkristall aus der Probe 17.01.00/2.Schön gewachsene Pyramide mit Tracht S10. Auch hier ist die steile Pyramide (211) nur als verkümmerter Saum entwickelt |
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| Abb. 7-19: Zirkonkristall aus der Probe 03.01.00/1. Idiomorpher Kristall mit der Tracht P5. Die steile Pyramide (211) ist nicht entwickelt bzw. nur in Ansätzen erkennbar. | Abb. 7-20: Zirkonkristall aus der Probe 13.01.00/2.Zirkon mit der Tracht S14.Obwohl die Pyramiden leicht zugerundet sind, ist die Tracht gut zu erkennen. |
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| Abb. 7-21: Zirkonkristall aus der Probe 13.01.00/2.Kristall in S20-Tracht. Der Zirkon ist zerbrochen und anschließend wieder verheilt. Darauf lässt der Versatz an den Prismenflächen schließen. | Abb. 7-22: Zirkonkristall aus der Probe 13.01.00/2.Typisches Erscheinungsbild für metamorph überprägte Zirkone. Die Tracht zeigt den Typ S18 an. |
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| Abb. 7-23: Zirkonkristall aus der Probe 13.12.99/1.Durch die zugerundeten Pyramiden ist der Zirkon nicht sicher indizier- bar.Die Einschnürungen sind typische Merkmale metamor- pher Überprägung und konnten häufig beobachtet werden. | Abb. 7-24: Zirkonkristall aus der Probe 13.12.99/1. Zerbrochener Zirkon mit dominierendem (100)-Prisma. An einer solchen Fläche ist wahrscheinlich Glimmer rekristal- lisiert. Darauf deutet die Spaltbarkeit des Fremdmaterials. |
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| Abb. 7-25: Zirkonkristall aus der Probe 13.12.99/1.Extrem stark zugerundete Flächen durch metamorphe Überwachs- ung, die die Prismen- als auch die Pyramidenflächen betrifft. Der Zirkon ist nicht indizierbar. | Abb. 7-26: Zirkonkristall aus der Probe 24.12.99/4.Auch dieser Zirkon ist stark zugerundet. Die Zurundung ist hier aber selektiv und betrifft in erster Linie die Pyramidenflächen. |
Im Diagramm nach SCHERMAIER et. al. (1992) zeigen die Augengneise einen Chemismus an, der sich im Bereich der Grenze zwischen S- und I-Typ-Granit aufhält. Wie bereits oben erwähnt, spielte wahrscheinlich bei der Kristallisation der Zirkone der migmatischen Gesteine eine Mitaufschmelzung von krustalem Material eine wichtige Rolle. Die damit einhergehende Kontamination mit Al-reichen Gesteinen verschieben so den mean point aus dem Feld für I-Typ-Granite leicht ins Feld der S-Typ-Granite.
7.2.2.3 Kristallinterne Phänomene
Die erste wichtige Aussage,
die zum kristallinternen Aufbau der Gneise gemacht werden kann, ist die Beobachtung,
dass sich bis auf zwei Ausnahmen alle Proben nicht durch die Ausbildung eines
Zonarbaus oder ausgeprägter Kern-Mantel-Strukturen auszeichnen: die Zirkone
zeigen einen durchweg homogenen Aufbau und lassen zum größten Teil
keine Rückschlüsse auf ein eventuelles mehrphasiges Wachstum zu. Allerdings
sind in den Populationen auch immer wieder vereinzelt Körner zu finden,
die einen Zonarbau entwickelt haben oder aber einen zonaren Aufbau nur noch
reliktisch erkennen lassen. Da Zirkone auch bei hochgradiger Metamorphose nicht
ihre Interngefüge verlieren, war wahrscheinlich primär nur ein schwach
entwickelter Zonarbau vorhanden. Postuliert man für die Gneise ein granitisches
Edukt mit I-Typ-Charakter, so wie es ja die Trachtuntersuchungen gezeigt haben,
so kann ein Zonarbau durchaus angenommen werden.
Die zweite wichtige Beobachtung, die auffällt, ist die auffallend durchscheinende
Farbe der Zirkone. Anders als bei den Populationen der migmatischen Gesteine
zeigen die Zirkone der Gneise zwar eine starke Metamiktisierung. Diese ist auch
zumeist sehr weit fortgeschritten, betrifft aber meist nur Zirkonkerne und zeigt
dann ältere Wachstumsstadien an. Ansonsten herrscht eine in der Regel sehr
durchscheinende Farbe vor. Auch dies kann nach HOPPE
1963 durch die eingewirkte metamorphe
Überprägung erklärt werden, die zu einer Entfärbung der
Zirkone geführt hat.
Alle Populationen der Gneise zeigen Körner, die zumeist sehr arm an Einschlüssen
sind, seien es fluid inclusions oder Fremdmineraleinschlüsse. Sind sie
in Vulkaniten wegen höherer Kristallisationsgeschwindigkeit ohnehin eher
zu erwarten (HOPPE
1963), zeigen sich Einschlüsse in den Gneisen meistens in Form
von nadelig gewachsenen Fremdmineraleinschlüssen, bei denen es sich eventuell
um Rutil handelt. Die Einschlüsse selbst sind nicht gefärbt und zeigen
in ihrer Ausrichtung keine bevorzugte Orientierung, sondern sind parallel als
auch senkrecht zur c-Achse der Zirkone zu finden. Auch die bei vulkanischen
Gesteinen oft zu erkennende "Einschlussregelung nach der Korngestalt"
(FRASL
1963) ist nicht zu erkennen. Trotzdem
können die enthaltenen Fremdmineraleinschlüsse als typische Anzeiger
für magmatisch gewachsene Zirkone angesehen werden (FRASL
1963).
Ausnahmen der bisherigen
Beobachtungen sind vor allem bei den Proben 13.01.00/2 und 17.01.00/2 zu erkennen:
typisch beim charnockitischen Gneis (Probe 13.01.00/2) sind die häufige
Ausbildung von Kern-Mantel-Strukturen bzw. Zonarbau, die sich vor allem durch
meist sehr stark metamiktisierte Kerne und deutlich weniger stark metamiktisierte
Mäntel bzw. Außenschalen zeigen. Es liegt hier also offenbar ein
mehrphasiges Wachstum vor. Die zudem sehr einschlussarmen Zirkone deuten in
Verbindung mit oben beschriebenen Internbau eine plutonische Genese an, die
hier offenbar noch nicht entsprechend stark metamorph überprägt worden
ist. Die metamorphe Einwirkung war hier offenbar nicht so stark, um die Interngefüge
sonderlich zu beeinträchtigen.
Auch der Graue Gneis aus Festninga (Probe 17.01.00/2), der ja zur ältesten
lithologischen Baueinheit des Mühlig Hofmann-Gebirges gehört, zeigt
ähnlich wie im Falle des charnockitischen Gneises einen internen Bau, der
sehr arm an Fremdmineraleinschlüssen bzw. fluid inclusions ist. Dafür
ist auch hier wieder ein gut entwickelter Kern-Mantel-Bau zu erkennen. Die Kerne
sind hier teilweise im Vergleich zum Gesamtkorn so groß, dass diese fast
das gesamte Volumen der Körner einnehmen und durch ihre starke Metamiktisierung
das entsprechende Korn fast schwarz erscheinen lassen.
Die in den Zirkonen der Gneise erkennbaren Risssysteme zeigen vorherrschend Diagonalmuster und weniger auf die Metamiktisierung zurückzuführende Radialrisse. Die vorhandenen Risssysteme dürften sich auf tektonischen Stress während der Deformation bei der metamorphen Überprägung zurückführen lassen, da nur radiale Rissmuster typisch für metamikte Volumenänderungen im Kristall sind.