Köln - Marathon am 11. Oktober 1998:
Für mich ein ganz besonderes
Datum, denn ich laufe meinen ersten Marathon. Nachdem ich bereits vor dem Lauf
die Startunterlagen für Dennis und mich in der Köln-Arena abgeholt
habe, ist es sonntags soweit: ich habe die Nacht bei Danuta verbracht, Dennis
kommt am Morgen per Zug - Treffpunkt ist der Hauptbahnhof. Gemeinsam geht´s
dann zum Start am Deutzer Bahnhof, wo wir uns auf der Straße hinter einer
Mülltonne auf einem Hinterhof umziehen. Leider ist das Wetter doch sehr
kühl und regnerisch. So etwa 8°C dürften es sein. Aber zum Glück
haben wir uns genau wegen des möglichen kühlen Wetters noch im Runners
Shop langärmelige Laufhemden gekauft. Wegen des Regens stellen wir uns
im Deutzer Bahnhof unter, wo wir natürlich nicht alleine sind. Schnell
wird es voll. Banane, Gel für Fußsohlen und Achselhöhlen, die
Pflaster für die Brustwarzen, dann sind wir gerüstet.
Der Startzeitpunkt naht. Dennis und ich gehen noch rasch pi..., geben die Kleiderbeutel
ab und machen uns warm. Dann begeben wir uns in unseren Startblock. Die Stimmung
unter den Läufern ist trotz feuchten Wetters super. Kurz vor dem Startschuss
fliegen Kleidungsstücke durch die Luft, von denen sich die Läufer
entledigen. Eine Tradition, die Klamotten kommen entsprechenden Hilfsorganisationen
zugute. Dann ist es soweit: um 11:30 Uhr fällt der Startschuss und ganz
langsam setzt sich der Lindwurm in Gang. Dennis und ich wollen etwa dreizig
Kilometer zusammen laufen, dann wird jeder sehen, wie es um die Kondition bestellt
ist. Der erste Marathon hat ohnehin seine eigenen Regeln und am besten sollte
man ohne Zeitvorgabe in ein solches Rennen gehen. Ob es mit unserem ehrgeizigen
Ziel, unter 4 Stunden zu bleiben, klappen würde - wir würden sehen.
Kurz nach dem Start geht
es über die Deutzer Brücke über den Rhein, wobei man einen wundervollen
Blick auf den Dom genießen kann. Ich bin immer noch ganz schön aufgeregt
und bemühe mich um einen vernünftigen Laufrhythmus. Nicht ganz einfach
solnage sich das riesige Läuferfeld nicht etwas zerlaufen hat. Keiner von
uns ist bislang annähernd eine solche Strecke gelaufen. Vor drei Wochen
noch bin ich, ebenfalls in Köln, meinen ersten Halbmarathon gelaufen und
hatte beim Gedanken an den heutigen Tag doch ganz schön Respekt vor dieser
langen Strecke.
Jeder Kilometer ist ausgeschildert, so dass wir eine recht gute Zeit- und Tempokontrolle
haben. Wir laufen etwa alle sechs Minuten einen Kilometer. Von den Verpflegungsständen
machen wir gleich von Beginn an Gebrauch. Bananen wird es erst später geben,
aber Flüssigkeit ist ohnehin viel wichtiger.
Ich bin gespannt, wo wir auf Jochen, Micha und Torsten treffen, die tatsächlich
nach Köln gereist sind, um uns anzufeuern. Ungefähr bei Kilometer
fünf haben wir sogar kurz Gelegenheit, die Spitzenläufer zu bestaunen,
die auf der Gegenseite der Straße bereits ungefähr Kilometer zehn
passieren.
Die Zuschauer
an der Strecke sind einfach fantastisch und peitschen einen förmlich an.
Zudem gibt es immer wieder Straßenfeste an der Strecke. Die Musik zwingt
einem förmlich einen Laufrhythmus auf und motiviert. Irgendwann sehe ich
plötzlich unsere Freunde am Straßenrand. So früh hatte ich mit
den dreien gar nicht gerechnet. Umso schöner, die Jungs am Straßenrand
zu sehen. Allerdings ist es auch aufgrund der Laufstrecke für die Zuschauer
relativ einfach, die Läufer mehrmals abfangen zu können. Die drei
rufen uns noch zu, wo wir uns wiedersehen und weg sind wir.
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Alles in allem fühle ich mich recht gut. Natürlich weiß ich, daß die Gefahr eines Konditionseinbruchs im späteren Stadium des Rennens gegeben ist.
Aber
bis dahin...
Torsten
& Micha, Jochen hinter der Kamera
Tatsächlich treffen wir die drei wieder und auch beim zweiten Treffen, wahrscheinlich irgendwo bei Kilometer 20 oder 25, bescheinigen uns Jochen, Micha und Torsten, dass wir wohl noch recht frisch aussehen und fragen sich, ob wir wirklich alles geben. Das nächste Mal werden wir uns erst wieder kurz vor dem Ziel sehen, da die Strecke jetzt Richtung Nippes führt und damit nochmals das Zentrum verlässt. Etwa bei Kilometer 28 setze ich mich dann doch langsam von Dennis ab. Ich merke, dass "noch etwas geht" und will versuchen, das Tempo etwas zu erhöhen. Zunächst geht das auch ganz gut, aber zwischen Kilometer 30 und 35 erwischt mich dann doch ein kleines Zwischentief. Kein Wunder, so lange bin ich noch nie gelaufen. Mein Körper wird sich allmählich fragen, was ich da mache. Erstaunlicherweise erhole ich mich aber von diesem Tief und kann auf den letzten Kilometern versuchen, die verlorene Zeit wieder einzuholen. Vergleichsweise zügig nehme ich die letzten Kilometer in Angriff und überhole dabei sehr viele Läufer, die nun eher immer mehr abbauen. Als ich den Dom immer wieder kurz erspähen kann weiß ich, dass das Ziel nicht mehr allzufern ist. Ab Kilometer vierzig wird es dann zunehmend anstrengender.
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Dennis
und ich mit viel Spaß bei der Sache
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Das
letzte Stück geht es durch enge Einkaufsstraßen, wo die Zuschauermengen
noch mehr zu toben scheinen als weiter außerhalb der City. Toll, dass
auch Läufer so angefeuert werden, die eben nicht gut zwei, sondern gut
vier Stunden für die Strecke brauchen. Nicht sehr spektakulär.
Wenige Meter vor dem Zieltor rufen mir Jochen, Micha und Torsten irgendetwas
zu. Wie in einem Rauschzustand höre ich die Stimmen, drehe mich kurz
um und laufe weiter. Ich muß inzwischen völlig ausgelaugt ausgesehen
haben. Berichtet zumindest später Jochen und die Fotos beweisen das.
Endlich
am Ziel!
Noch wenige Meter und ich passiere das Zieltor nach 4:12:23 Stunden - mein
erster Marathon ist geschafft und ich bin so fertig, dass ich nicht einmal
die Arme heben kann.
Hinter dem Zieltor gibt es erst mal eine Windschutzfolie, die verdiente Medaille
und Stärkung in Form von Getränken, Power-Riegel und Obst. Etwa
eine Viertelstunde später erreicht auch Dennis das Ziel, den ich gleich
am Zieltor abfange. Auch völlig fertig aber eben auch glücklich,
die Strecke geschafft zu haben.
Am
Ziel treffen wir auch Andrea, Dennis´ Freundin. Doch zuerst müssen
wir und noch um unsere Kleiderbeutel kümmern.Eine
ziemliche Schlange hatte sich inzwischen angesammelt, so dass wir einige Zeit
in der kühlen Luft warten müssen, bis wir unsere Sachen beisammen
hatten. Einige Läufer mußten ärztliche Betreuung in Anspruch
nehmen und ich bin wieder froh, ohne Probleme die Strecke geschafft zu haben:
keine Blasen, keine Krämpfe oder Schlimmeres - Gründe, die auch
dafür sorgten, dass mir dieser erster Marathon in besonderer Erinnerung
bleiben sollte.
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Mit Andrea und einigen anderen Freunden gehen Dennis und ich in eine Kneipe am Domplatz, um unseren Erfolg zu feiern. Natürlich ist der Lauf "das" Gesprächsthema. Jochen, Micha und Torsten sind inzwischen wieder auf dem Weg nach Aachen, ich habe es um einiges näher und werde nur mit der S-Bahn nach Hürth fahren, wo mein Wagen an der Haltestelle steht. Noch am gleichen Nachmittag merke ich, wie sich der Muskelkater für die nächsten Tage ankündigt..
Nach Wochen
erreicht uns die Ergebnisliste
mitsamt Urkunde, ein schönes Andenken an meinen ersten Marathonlauf.
Bleibt nur noch nachzutragen, dass auch ganz oben auf der Ergebnissliste
ein deutscher Läufer zu finden ist: Carsten Eich gewinnt den
2. Ford Köln-Marathon.