Frankfurt - Marathon am 28. Oktober 2000:
|
Am späten
Vormittag sind
Torsten und ich nach Frankfurt gefahren und uns bei Freunden von Torsten
einquartiert haben, haben wir am Nachmittag die Marathonmesse besucht:
Nudelparty, Sportmesse und Startunterlagen abholen. Enttäuschend
für uns, weil irgendwie nichts so recht durchorganisiert war: die
angekündigten Shuttlebusse zum Messegelände fuhren nicht (also
selber Parkplatz in der City suchen), bei der Startunterlagen-Abgabe war
die Schlange schon fast unverschämt lang und die Nudelparty... na
ja! - Zuerst warten wir eine halbe Stunde auf die Sauce, dann müssen
wir einen Löffel gegen 1,- DM erwerben und haben dann schlußendlich
sogar Schwierigkeiten, einen Nachschlag zu kriegen. Auf der winzigen Sportlermesse,
die uns an sich eher an einen Trödelmarkt erinnerte, war noch nicht
einmal ein Marathon-T-Shirt zu kriegen, so dass wir dann doch etwas enttäuscht
zurück zum Quartier fuhren. Da
konnte der Lauf ja nur besser werden! |
|
Die Strecke: zuerste geht es in einigen Schleifen durch die Frankfurte City, vorbei an Oper und die Skycrapers der Banken. Dann über den Main und stadtauswärts, bis man in Höchst den Wendepunkt erreicht und nach einer langen Geraden und einer abschließenden Schleife durch die City das Ziel erreicht. |
![]() |
29.
Oktober 2000: Zeitig klingelt der Wecker, denn am großen Tag wollen wir schon noch in aller Ruhe frühstücken. Wir packen unsere Sachen zusammen und fahren dann mit dem Auto Richtung Innenstadt, um dann die letzte Strecke mit der Straßenbahn zu fahren. Im Startbereich verabschieden wir uns von unseren Gastgebern und machen uns auf den Weg - der Kleiderbeutel muss noch abgegeben werden. Allerdings können uns selbst offizielle Helfer nicht sagen, wo man dies tun kann! Also hängen wir die Beutel wie viele andere auch in einem Umkleide- raum einfach an den Hacken. Ein kleiner Trost ist es da, dass es |
| draußen
in der sonnigen, aber rechtkühlen Herbstluft einen warmen Zitronentee
zu trinken gibt. Bis zum Start bleibt uns noch etwas Zeit, so dass wir uns
in Ruhe warm laufen und uns dehnen können. Dann naht der Startschuss.
Wir verabschieden uns und wünschen uns alles Gute, denn Torsten und
ich starten aus verschiedenen Startblöcken heraus. Es folgt das schon fast gewohnte Bild der riesigen Läufermassen vor dem Start. Eine fast schon etwas klaustrophobische Enge, die Stopuhren werden nochmal gecheckt und die Schuhe geschnürt. Ziemlich pünktlich um 10 Uhr fällt der Startschuss und die lange Läuferschlange setzt sich ganz allmählich in Gang. Beim überlaufen der Startlinie drücke auch ich meine Stopuhr und nehme das vertraute Piepen der Chips wahr, mit denen die Zeit für jeden Läufer elektronisch gemessen wird. Nur langsam komme ich in die Gänge, da das Läuferfeld doch sehr groß ist - Rekordbeteiligung beim Frankfurter "Euro-Marathon"! Auf recht schönem Kurs geht es durch die Innenstadt, wobei ich versuche, auch den Sightseeing-Aspekt nicht zu vernachlässigen. Schließlich ist so ein Marathon ja doch auch immer ein wenig Stadtbesichtigung, zumal ich Frankfurt noch gar nicht kenne. Die Innenstadt gefällt mir recht gut. Vielleicht liegt das auch an dem amerikanischen Flair, den man nicht abstreiten kann. Wo sonst kann man in Deutschland solche Hochhäuser bewundern? |
![]() Kurz nach 10 Uhr - die Spitze setzt sich in Bewegung. |
|
Cheerleader-Girls bringen nochmal Kraft in die Beine :-) |
Lange,
lange dauert es, bis sich das Läuferfeld etwas auseinander zieht und
ich nicht dauernd Läufer überholen muss oder selbst überholt
werde. Diese Manöver, zumal bei einer so dicht gedrängten Läuferschar,
rauben doch recht viel Kraft. Irgendwann überquere ich den Main und mache mich auf den langen Weg nach Höchst. Der Wind ist doch recht böig und weht manchmal ziemlich stark. Aber vor dem Wind wurden Torsten und ich ja schon vor dem Start gewarnt. Begeistert bin ich von den "Randbedingungen" des Laufs: die Verpflegungs- stellen sind lang genug und nicht so überlaufen wie zum Beispiel in Hannover. Zudem stimmt das Angebot, besonders von der Apfelschorle mache ich Gebrauch. Daneben gibt es immer wieder Musikbands an der Strecke, die für das zahlreiche Publikum als auch für die Läufer für Stimmung sorgen. Die Kilometer verfliegen doch relativ schnell und nach ziemlich genau 1:50 Uhr habe ich die Halbmarathonmarke erreicht - die Hälfte ist geschafft. Wenn ich das Tempo halten kann, wäre sogar eine 3:40 drin. Ich kann mir allerdings nicht |
| vorstellen,
dass ich sieben Wochen nach Berlin, und da waren die Bedingungen ja annähernd
optimal, eine schnellere Zeit laufe als dort. Zumal die kühle Witterung
und der böige Wind doch etwas Kraft kosten. Irgendwo in Höchst spielt wieder ein Musikant am Straßenrand - mit laut tönenden Boxen und Querflöte gibt er sein Jethro Tull - Können zum Besten. Mit Abstand der beste Musiker für mich an der Strecke. Schade nur, dass man diese musikalische Begleitung nicht dauernd auf der Strecke hat, ist es doch ungeheuer motovierend, bei solcher Musik zu laufen. Ich glaube bei etwa Kilometer 26 oder 27 muss es gewesen sein, als mich plötzlich ein kräftiges und schmerzhaftes Stechen in der Wade aus meinem Tagträumen reist. Das Stechen wiederholt sich noch einige Male - das wars dann zum Glück. Ich hatte schon Sorge, dass die Schmerzen anhalten. Bald treffen wir auf das Läuferfeld, dass uns in Gegenrichtung begegnet. Offenbar drehen wir hier irgendwo eine Schleife. Allzulange kann sie nicht sein, denn auf der anderen Straßenseite kann ich das Kilometerschild 30 sehen. Kurze Zeit später habe ich die Schleife hinter mir und habe besagte 30 Kilometer hinter mir. Ich halte nach Torsten bei den uns entgegen kommenden Läufern Ausschau, sehe ihn aber nicht. So allmählich werde ich schon ordentlich müde, zumal an einigen freien Stellen der Wind recht frisch geblasen hat. Na ja, die letzten zehn Kilometer sind halt immer die schlimmsten (kleiner Marathoni-Witz). Auf der langen Geraden stadteinwärts überholt mich wieder ein junges Mädel, die mir bereits stadtauswärts begegnet ist. Bei unserer ersten Begegnung habe ich sie überholt und muss nun feststellen, dass meine Kilometerzeiten langsamer werden. Offensichtlich scheint sie noch Kraftreserven zu haben und ihr Tempo halten zu können. Ich versuche ihr zu folgen und schaffe das zumindest bis Kilometer 35. Die Menschenmassen werden wieder zahlreicher - wir nähern uns der City. Nach etwa 39 Kilometern sehe ich das Messezentrum mit dem Start/Ziel- Gelände in einiger Entfernung. Nun steht also die letzte Schleife durch die City an! Inzwischen ist mir die Zeit fast völlig egal, so müde sind meine Beine. Das meine persönliche Bestzeit aus Berlin nicht mehr zu knacken ist, ist mir klar. Und schließlich hat meine Leidensbereitschaft auch ein Ende erreicht. Mich noch mehr quälen, nur um ein paar Sekunden schneller im Ziel zu sein, das will und kann ich nicht. Leider kommt der Wendepunkt in dieser letzten Schleife später als ich dachte, so dass sich die letzten Kilometer doch noch ganz schön in die Länge ziehen. Aber schließlich schaffe ich dann doch die letzte Kurve und kann plötzlich das Ziel vor mir sehen. Die lange, etwa 800 Meter lange |
![]() Unmittelbar vor dem Ziel!!! |
![]() Mit nettem Lächeln wird den Finishern die Medaille umgehangen. |
Zielgerade
kann ich dann nochmal schnellen Schrittes durchspurten und bin nach 3:46:18
Stunden im Ziel!!! Gleich hinter dem Zielbereich bekomme ich mit einem freundlichen "Herzlichen Glückwunsch" die Finisher-Medaille umgehangen und bin doch sehr, sehr froh in diesem Augenblick. Auch wenn meine Berlin-Zeit knapp verpasst habe und zum ersten Mal meine Bestzeit nicht "runterschrauben" konnte.
|
| Läuferin
ebenso wenig Erfolg, was dann wieder etwas entschädigt :-) Ich gehe wieder runter in den Umkleideraum, um auf Torsten zu warten, der dann auch bald eintrifft. Leider hat er die 4-Stunden-Grenze knapp verpasst. Aber auch er ist froh, die Strecke letztlich doch erfolgreich geschafft zu haben. Gemeinsam machen wir uns nach einiger Zeit nochmals auf den Weg zu den Soforturkunden, wo wir uns in erhebliche Schlangen einreihen dürfen. Irgendwann halten wir dann unsere vorläufige Urkunde in Händen und können uns ganz allmählich auf den Heimweg machen. |
|
|
An einer S-Bahn-Station
treffen wir wieder wie verabredet auf unsere Gastgeber und lassen erst
mal Fotos von uns stolzen Finishern machen. Mit S-Bahn und Auto fahren
wir wieder zurück nach Königswinter, wo wir erst einmal in aller
Ausgiebigkeit duschen und uns ausruhen können.
|