Berlin-Marathon am 30. September 2001:

Am 30. September 2001 bin ich in Berlin meinen sechsten Marathon gelaufen. Gemeinsam mit meinem Freund Torsten, der seinen dritten Lauf über die 42,195 Kilometer bestritt. Natürlich gehört zu einem zünftigen Marathon auch ein wenig Sightseeing und das Marathon-Programm incl. Pasta-Party, Frühstückslauf und Sportmesse. Alles festgehalten in diesem Tagebuch und einer Diashow, zu der man hier gelangt!

Tagesübersicht:

Samstag, der 29. September

Sonntag, der 30. September

Montag, der 01. Oktober

Samstag, der 29. September 2001: Top

Kurz nach sechs Uhr in der Früh starten wir in Großburgwedel bei Hannover Richtung Berlin und kommen dort um kurz vor neun an. Nachdem ein Parkplatz gefunden ist, steigen Torsten und ich in die Laufklamotten und verabschieden uns von Marion (Torstens Frau), die nicht mitlaufen möchte und mit dem Auto zum Olympiastadion fährt, um uns dort wieder aufzugreifen.
Am Start des Frühstückslaufes am Charlottenburger Schloß herrscht gute Stimmung - tausende Leute mit bunten Luftballons, Musik. Wir lassen uns von der Stimmung anstecken und reihen uns in die Menschenmassen. Mit etwas Verspätung startet dann der Lindwurm und nimmt die etwa sechs Kilometer in Angriff. Bei dann doch höheren Temperaturen als gedacht geht es durch Berlin und die lange Laufkleidung, die wir aufgrund der frischen Frühtemperaturen angezogen haben, hätten wir uns nun doch sparen können. Auf gleicher Strecke wie im Vorjahr geht es zum olympischen Stadion von 1936, das wir etwa nach einer guten halben Stunde erreichen. Natürlich herrscht ein riesiges Gedränge und an geruhsames Frühstück ist nicht zu denken. Wir klappern die Essensstände ab und versorgen uns mit Joghurt, Obst und Milchbrötchen und treten dann lieber den Rückzug aus dem Getümmel an. Dank Handy hat uns Marion dann auch rasch gefunden und gemeinsam fahren wir durch die Stadt zum Hotel, das wir nach etwas Sucherei dann auch finden. Es ist ungefär 11:30 Uhr.

Das Zimmer ist leider noch nicht verfügbar. Also deponieren wir das Gepäck und machen uns zu Fuss auf in die Innenstadt. Das Hotel am Rosa Luxemburg-Platz liegt direkt in der Nähe Fernsehturms, sehr zentral also. Im Fernsehturm aber zu starker Andrang, also über die Karl-Liebknecht-Straße auf den Prachtboulevard "Unter den Linden" und vorbei am Berliner Dom Richtung Adlon und Brandenburger Tor. Wortwörtlich unter den Linden spazierend erreichen wir das Brandenburger Tor mit monströser Telekom-Werbung. Ein kleiner Abstecher führt uns Reichstag (Eintritt kostenlos), aber auch hier dichtes Gedränge. Also nur ein Blick von außen und weiter zur Siegessäule mit der "Goldelse". Der Weg zieht sich, bis wir dann, bei schönstem Sonnenschein, die Siegessäule erreichen. Ich mache einige Bilder und nach kurzer Pause spazieren wir durch den Park am Schloß Bellevue (Bundespräsidentenamt) vorbei. Von diesem sieht man aber nichts - überall meterhohe Stahlgitter, Videoüberwachung und Patroullie. meine Startnummer

Per S-Bahn fahren wir dann zum Messegelände, wo reger Betrieb herrscht. Marion hat in dichten Menschengedränge schnell die Sch... voll und setzt sich zu einer geruhsamen Pause ab. Torsten und ich schlendern über die Sportmesse und holen unsere Startunterlagenab. Später machen wir uns zu dritt auf den Weg zur Pasta-Party - eher enttäuschend, denn die weich gekochten Nudeln und dürftige Atmosphäre können uns keine Begeisterung abringen. Nachdem Torsten und ich uns nochmal Zeit für die Sportmesse genommen haben, machen wir uns auf den Rückweg ins Hotel. Abends gehen wir ins "Alloro" essen, ein sehr gemütlicher Italiener mit leckerem Essen und zudem zu vernünftigen Preisen. Jedem Berlin-Reisenden zu empfehlen (Rosa-Luxemburg Str. 39, 10178 Berlin). Gezecht wir heute abend nicht und so sind wir zeitig im Bett,...

Sonntag, der 30. September 2001: Top

Gegen 6:30 Uhr stehen wir auf und haben ausreichend Zeit für ein leichtes Frühstück im Hostel. Die Sachen werden gepackt, die Laufschuhe geschnürt, dann geht´s gegen 7:40 Uhr mit der U-Bahn Richtung Ernst Reuter-Platz. Als wir einsteigen ist die Bahn nur leicht gefüllt, aber das ändert sich schnell. Bald stehen wir eingepferscht wie die Sardinen in der Bahn, trotzdem ist die Stimmung gut. Auch das gehört irgendwie zum Marathon und war ja bislang nie anders. Unverständnis nur, wenn Rentner oder andere "Zivilisten" in die völlig überfüllte Bahn wollen.Streckenplan.
Am Ernst Reuter-Platz ist dann alles überstanden und wir sind wenige Minuten später am St
artgelände. Wir geben die Kleiderbeutel ab und haben noch etwa eine halbe Stunde bis zum Start. Während sich Torsten nochmal zum ... aufmacht, mache ich mich geruhsam warm und laufe einige Schritte. Auch hier überall die ganz eigene Marathonstimmung: entweder die Leute stretchen oder bewässern jeden Strauch, der ein wenig Schutz vor den Blicken der anderen bietet.
Gegen 8:50 Uhr mache ich mich auf in meinen Startblock, während gerade ein Riesenplakat mit dem Aufdruck "United we run" über die Läufer des "weißen Blocks" (Bestzeit > 4 Std. oder Erstläufer) gezogen wird. Und spätestens bei Frank Sinatras "New York, New York" ist natürlich jedem klar, dass sich Berlin mit seinem Marathon dem New York-Marathon wenige Wochen nach der Katastrophe solidarisch verbunden zeigt. Und viele Läufer tragen, wie auch ich, Trauerflor. Trotzdem, die Stimmung leidet nicht darunter!
Kurz vor neun findet mich Torsten dann doch noch und gemeinsam können wir das Rennen beginnen, als der Startschuss fällt. Sechs Helikopter beobachten die Szenerie aus der Höhe. Langsam kommt die riesige Läufermasse in Bewegung. Bei gutem Laufwetter geht´s also auf die Strecke, gerade im Startbereich wahnsinnig viele begeisterte Zuschauer. Das Anfangstemopo ist verhalten, erst mal in den richtigen Rhythmus kommen und sich in der Masse etwas Platz schaffen. Sofern das geht!Starterfeld

Die Sightseeing-Highlights folgen gleich auf den ersten Kilometern der Strecke: Siegessäule (km 1,5) und Brandenburger Tor (km 3). Kurz dahinter, auf der Straße "Unter den Linden", verlieren Torsten und ich uns, bleiben aber, wie Torsten später erzählt, offenbar immer in gegenseitiger Nähe. Bei Kilometer 5 folgen dann der Berliner Dom und wenig später der Fernsehturm von Berlin. Ich genieße die klatschenden und jolenden Zuschauer und die Musikbands am Straßenrand. Anfangs noch mit einem vernünftigen Tempo, werde ich bald schon leicht müde und habe lange vor der Halbmarathon-Marke echt müde Beine. Mir graust es bei der Vorstellung, noch deutlich über 20 Kilometer laufen zu müssen und bereits zu so einem frühen Zeitpunkt schwere Beine zu kriegen. Später wird mir klar, dass u.a. die schnelle (Halbmarathon-Wettkampftempo) 20km-Trainingsrunde eine Woche vor dem Marathon sicher Mitschuld für meinen verfrühten Einbruch ist. Das war echte Unvernunft!Motivation

Gegen Kilometer 30-32 bin ich dann ziemlich am Ende und scheine nur noch zu schleichen. Die Kilometerzeiten gehen den Bach runter und von meiner Richtzeit 3:50 Std., an der ich mich ungefähr orientieren wollte, ist schon lange keine Rede mehr. Die folgenden Kilometer gehen wieder etwas besser, bis ich die erste Wasserstation hinter dem Wilden Eber (etwa bei km 36) für eine Gehpause nutze. Trotzdem will ich natürlich auf jeden Fall unter vier Stunden bleiben. Es ist eh schon für mich kaum zu glauben, dass ich letztes Jahr bei sengender Hitze und unter Antibiotikum-Einfluss (nicht nachmachen!!!) beim Hannover-Marathon schneller gewesen bin!
Die letzten Kilometer geht es langsam wieder leicht besser: das Ziel naht und auch das Power-Gel, das ich mir an den Wasserstellen einverleibe, bringt kurzfristig einen Kraftschub. Hinter Kilometer 39 steht plötzlich Marion am Straßenrand. Bei Kilometer 25, wo wir verabredet gewesen waren, hatten wir uns nicht gefunden, jetzt klappt es doch noch mit einem Streckenfoto! bei Kilometer 39Etwa zehn Minuten später biege ich auf den Kurfürstendamm ein - die lange Zielgerade. Leider liegt das Ziel dieses Jahr hinter einer Kurve und ist daher erst kurz vor Erreichen zu sehen. Dramatische Szenen kurz vor dem Ziel auf der Straße - eine Frau reihert fleissig auf den Belag, ein Mann kann sich kaum mehr selbst auf den Beinen halten. Dann aber nur noch die Freudenschreie vieler Läufer, die es wie ich geschafft haben!!! Wenige Meter vor dem Ziel kommt uns Axel Schultz entgegen. Er ist mit Uta Pippig und anderen die Strecke als Staffel unter dem Motto "Kick out Polio" zugunsten der Unesco gelaufen. Nach fast vier Stunden hat die Quälerei ein Ende: mit einer Zeit von 3:58:06 Std. beende ich meinen 6. Marathon! Na, Hauptsache unter 4 h und, wie ich später erfahren kann, schneller als Johannes B. Kerner. Der hat nämlich 4:11 h benötigt obwohl er aus dem roten Startblock (Bestzeit zwischen 2:30 und 2:50 h) starten durfte. Warum weiß keiner . Das Privileg der Promis halt!
Im Ziel übermannen mich die Gefühle, ich bin überglücklich, einen für mich sehr Kurz-Bio von Naoko Takahashi bei Klickschweren Lauf geschafft zu haben. Langsam lasse ich mich durch den Zielbereich schieben, vorbei an Medaille, Wärmefolie, Bierstand, Kleider-LKW´s und Sofort-Urkunde. Per Handy finden Torsten, Marion und ich uns wieder und fahren mit der Bahn zum Hotel zurück.

Nach der wohlverdienten Dusche geht´s nochmal in die Stadt. Marion will zum "Hamburger Bahnhof", Torsten und ich ins Naturkundliche Museum auf der Invalidenstraße - was für ein passender Straßenname heute! Leider ist das Museum schon geschlossen: geöffnet bis 17 Uhr (nach Angaben unseres Hotels 18 Uhr, deswegen ja der Stress), letzter Einlass 16:30 Uhr. Ein Blick auf die Uhr: 16:35Uhr! Wir sind natürlich zunächst enttäuscht, gelangen dann aber glücklicherweise durch den Seiteneingang doch noch unbemerkt ins Museum und können zumindest kurz die geo- und paläontologischen Schätze bewundern. Herzstück ist ein 12 Meter hohes Brachiosaurus-Skelett,Brachiosaurusdas größte aufgestellte Dinosaurierskelett der Welt. Wir könnten uns hier sicher ohne Langeweile einige Stunden aufhalten, aber pünktlich um 18 Uhr werden wir dann auch hinaus gebeten.

Vom Museum aus fahren wir zu den Hackkeschen Höfen, wo wir in einer Kneipe auf Marion warten und recht froh sind, mal sitzen zu können. Waren wir doch seit unserem "Finish" fast nur auf den Beinen und unterwegs.
Zu dritt fahren wir dann wieder ins Hostel zurück, ruhen aus und gehen abends nochmals ins "Alloro" essen. Und wir sind nicht die einzigen, die recht ungelenk ins Restaurant spazieren. Nach einem Grappa und kurzer Lektüre im Bett hat dann auch keiner Probleme mit dem einschlafen...



Montag, der 1. Oktober 2002:

Nachdem wir das Zimmer abgegeben haben, genießen wir im "An einem schönen Sonntag im August" ein leckeres Brunch und lassen es uns so richtig schmecken. Hier mekrt man, dass der Prenzlauer Berg die Hochburg der Berliner Brunchkultur ist - wir zahlen 5,- DM plus Getränke! Mit der Bahn geht´s zurück zum Hostel und mit dem Wagen durch die Stadt Richtung Potsdamer Platz. Dach des Sony-Centers.Wir spazieren durch die neu erbaute Anlage und lassen uns von dem irren Muskelkater, tapfer wie wir sind, möglichst wenig anmerken. In einem Eiscafé werden wir von Marion eingeladen und vor allem ich bin froh, mich setzen zu können, da meine Leiste ganz schön schmerzt.
Nachdem auch die Kult-Ampelmännchen im Bild festgehalten sind (wen´s interessiert: in den Hakkeschen Höfen gibt´s ein Laden mit allerlei Souvenir in Sachen Ampelmännchen - Lampen, Bilder, Weingummi u.v.m.) unternehmen wir noch einen Kurzabstecher zum jüdischen Museum, wo die Polizeipräsenz unübersehbar ist.

Wenig später sitzen wir wieder im Wagen und düsen heimwärts...


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