Rhein-Ruhr-Marathon in Duisburg am 26. Mai 2002:
Mein Freund Torsten und
ich wollten dieses Frühjahr Marathon laufen und hatten uns dafür an
sich Hamburg ausgeschaut. Der Hamburg-Marathon war allerdings frühzeitig
ausgebucht und somit nicht mehr drin. Auch beim Mainz-Marathon wurden die Plätze
dann rasch rar und der Bonn-Marathon war Torsten dann aufgrund seiner Form etwas
früh in der Saison. Was bleib war dann schließlich nur noch der Rhein-Ruhr-Marathon
in Duisburg, für den wir uns anmeldeten. Torsten dann doch nur für
die Halbmarathonstrecke - seine Form war offenbar noch nicht "marathontauglich".
Einen Bericht vom Marathonwochenende gibt es an dieser Stelle, eine Diashow
an entsprechender Stelle!

Samstag,
der 25. Mai
Sonntag,
der 26. Mai
Samstag, der 25. Mai 2002:
Der Vortag des Marathons! Nachmittags hole ich Torsten am Bahnhof in Mönchengladbach
ab und gemeinsam fahren
wir
gleich nach Duisburg, um uns Pasta-Party und Marathonmesse zu widmen. Problemlos
finden wir einen Parkplatz und finden uns wenig später in der Eissporthalle
wieder, in der die Marathonmesse und die Ausgabe der Startunterlagen untergebracht
ist. Alles sehr übersichtlich - die Sportmesse braucht nicht mehr Platz
als in einer "handelsüblichen" Sporthalle vorhanden wäre.
Die Unterlagen sind rasch ausgehändigt und die Messe rasch durchgesehen.
Und einen Berlin-Fori treffe ich sogar auch noch: "Dirk
H." ist mit Freunden in Duisburg, muss jedoch bald wieder zurück
nach Köln, so dass für eine gemeinsame Nudelparty keine Zeit mehr
bleibt. Morgen vor dem Start wollen wir uns noch einmal treffen, vielleicht
treffen wir ja den dritten Fori, der in Duisburg startet, Netzer, auch noch.
Der
Birkelwagen - Nudelausgabe mal anders ;-)
Da wir bis zur Nudelparty um 16 Uhr dann doch noch Zeit haben, gibts als Hunger-Anreger ein Bier, und dann: dann gabs die "Nudelparty". Zunächst suchen wir sie noch, da ich dem Imbissagen mit der Aufschrift "Birkel" keine weitere Beachtung in diesem Zusammenhang schenke. Hätte ich besser machen sollen ;-) Als wir auf dem Gelände ankamen, hatte ich noch lästerhaft die kleine Bude als Ort der Nudelparty in Verbindung gebracht. Und jetzt dürfen wir uns tatsächlich dort unser Styropor-Schälchen Nudeln abholen. Dazu ein Bier aus dem Stadionsrestaurant, in dem wenige Marathonis sitzen. Wir setzen uns in die Sonne und lassen es uns schmecken. Schmeckt ja auch gut, während ich mir vorstelle, wie sich zig-Tausend Athleten in Berlin an eine solche Bude anstellen. Köstliche Vorstellung!!!
Nach der Nudelparty machen
wir uns auf den Rückweg nach Gladbach, stärken uns abends nochmal
mit "vernünftigen" Portionen und haben sogar noch Zeit, den Beginn
von Corinna Mays Untergang beim Grand Prix zu belächeln.
Sonntag, der 26. Mai 2002:
Um 6:30 Uhr heisst
es aufstehen, viel zu früh, nachdem ich gestern morgen bereits völlig
gerädert aus dem Bett gestiegen bin. Na, was solls. Schnell sind Torsten
und ich im Bad fertig und haben Zeit für ein ruhiges Frühstück.
Ich bin bislang immer recht gut mit einem leichten Brot mit Honig und Marmelade
gefahren, dazu Milch, O-Saft oder Wasser. Bloß´ keinen Kaffee, der
nur das Wasser aus dem Körper treibt!
Um
kurz nach halb acht haben wir unsere Sachen gepackt, uns nochmal entleert und
starten Richtung Duisburg. Auf der fast leeren Autobahn kommen wir zügig
voran und sind dann auch kurz nach acht in Duisburg-Wedau. Die Parkplätze,
die gestern nur zur Hälfte besetzt waren, quillen nun fast aus den Nähten,
aber mein kleiner Lancia findet eine Lücke ;-) Sogar Dirk aus dem Forum
treffe ich noch, aber er hat es eilig, der Start der Skater steht bevor! In
den Skates macht er eine respekteinflößende Figur, mit den Dingern
ist man ja auch gleich einige Zentimeter größer!
die Strecke! - Größeres Bild bei Klick!
Der Rest wie gehabt: umziehen, dehnen, etwas einlaufen, noch ein Schluck Wasser. Und bei Torsten läuft es auch wie im letzten Herbst in Berlin: er muss sich nochmal in eine Schlange einreihen - nur gut, dass wir uns schon zuvor alles Gute gewünscht haben, er braucht länger als gedacht! Nun gut, er hat als HM-Starter ja auch noch etwas Zeit.
Gegen 8:50 Uhr finde ich mich am Start ein: von den gemeldeten vier Rollis wird einer (!) mit lautem Startschuss auf die Strecke geschickt, das nenne ich eine Bürde, so unerwartet die Favoritenrolle auf den Sieg zu übernehmen ;-) Die Läufer können sich in 15min.-Abständen entsprechend der erwarteten Zeit in die Läuferschlange einordnen. Ich reihe mich kurz hinter die 3:45-Marke ein, will ich doch versuchen, um die 3:50 zu laufen. Recht pünktlich wird dann auch runter gezählt und der Startschuss gegeben - mit viel Beifall und dem berühmten "Chariots of fire" von Vangelis geht es auf die Strecke (bei den Halbmarathonis gab es zum Start, wie mir Torsten später berichtete, "Zarathustra").
Ich versuche sofort, mein geplantes Tempo von 5:20min/km zu finden und habe damit auch keine Probleme - die Schar der Läufer ist so groß, dass man bequem überholen kann und keine Kräfte für derartige Manöver verpulvert, so wie in Berlin beispielsweise kaum zu vermeiden. Teilweise liegen die km-Zeiten sogar bei 5:15 min. und ich hoffe, dass ich das Tempo zumindest lange halten kann, bis zum Ziel ohnehin nicht.
Kilometer 5 wird nach gut
21 Minuten passiert und wir erreichen den ersten Ausläufer der Ruhr - recht
schöne Blicke präsentieren sich, allerdings auch unter schon recht
warmer Morgensonne. In den nachfolgenden Kilometern werde ich etwas langsamer,
was mich aber nicht beunruhigt, da mein tempo ohnehin nicht schneller als 5:20
pro km sein sollte. Kein Grund also, gleich brutal dagegen zu halten. Schade
ist jedoch, dass ich keine bekannten Gesichter bei mir habe, weder am Wegesrand,
noch direkt bei mir auf der Strecke. Zudem sind die Zuschauer in einigen Streckenabschnitten
recht rar, wenn sich die Strecke aus der City entfernt.
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| jubelnde
Zuschauermassen in Duisburg-Buchholz |
Bei Kilometer 10 bin ich mit 53 Minuten noch absolut im Plan und zufrieden. Ich bin gespannt, wie es weitergeht, bin allerdings noch optimistisch. Die letzten Wochen der Vorbereitung waren besser eingeteilt als im letzten Herbst, obschon vom Kilometerumfang mit etwa 150 Kilometern im Monat eher bescheiden. Und 30er-Läufe? - Nach Berlin 2001 habe ich im vergangenen Jahr noch zwei solcher Läufe absolviert, dieses Jahr aber eben erst einen! Wahrscheinlich ein wichtiger Grund neben der warmen Sonne, warum die km-Zeiten ganz allmählich langsamer werden. Den Halbmarathonpunkt passiere ich zwar noch in zufriedenstellenden 1:52 Stunden, was für meine derzeitige Form wohlmöglich sogar zu schnell ist. Und das die zweite Hälfte langsamer werden wird, das ist mir nun auch längst klar.
Die Beine werden nun zusehens
schwerer, die km-Zeiten werden immer schlechter, zunächst noch bei etewa
5:40, dann sinken sie sogar langsam gegen die 6-Minuten-Grenze. Zwischen Kilometer
20 und 25 überlege ich zeitweise kurz aufzugeben - recht plötzlich
ist der Lauf nun zur Qual geworden und ein Riesenstück liegt noch vor mir.
Aber unter anderem auch der Gedanke an die anderen Foris wie aragorn und Cameron,
die zeitgleich in Wien laufen, treibt mich weiter. Nachdem ich schon einige
harte Marathons hinter mir habe und nie aufgegeben habe, soll es heute nicht
anders sein. Aber wie einfach ist dieser Gedanke gedacht, wie undendlich schwer
umgesetzt!
Bei
etwa Kilometer 30 wird wieder klarer, dass ich den Lauf nicht aufgeben werde.
Allerdings wird es allmählich sehr eng, die 4-Stunden-Marke noch zu schaffen.
Die km-Zeiten liegen teilweise knapp über 6:00, so dass ich auf gar keinen
Fall noch mehr einbrechen darf, will ich unter 4 Std. bleiben. Ein Läufer,
mit dem ich ein wenig zusammen gelaufen bin, überholt mich immer wieder,
um sich seinerseits wieder überholen zu lassen. Für ihn ist es der
7. Marathon in diesem Jahr (!), letztes Wochenende ist er noch in Mainz gelaufen.
Irre, dabei erinnert seine Statur auch nicht an einen Topathleten ;-) Wenn er
mich noch einmal überholt, werde ich den Vorschlag machen, dass Zielbier
gemeinsam zu genießen, doch er ist nicht mehr zu sehen, nachdem ich ihn
bei einer Dehnpause überholt habe.
Der Eingang
des Wedau-Stadions - nur noch eine halbe Runde auf der Tartanbahn!
Ich gönne mir nun an
einer Verpflegungsstation auch mal eine kurze Gehpause, auch wenn dadurch die
4-Std.-Marke weiter gefährdet wird. Die Zeit ist mir allmählich fast
egal, nur durchhalten und ankommen will ich. Finishen, nichts weiter! Doch auch
gegen Ende des Rennens gibt es nochmals einige harte Steigungen zu überwinden
und immer wieder diese Windböen, die mich schon des öfteren genervt
haben.
An den weiteren Verpflegungsstationen weitere Gehpausen und Cola, um dem Körper
etwas Zucker zuzuführen. Die vier Stunden sind nun dahin, aber wie gesagt,
stören tut mich das zur Zeit überhaupt nicht. Obschon ich damit sicher
nicht gerechnet hätte. Die letzten Kilometer werden dann noch einmal richtig
heftig - einige Steigungen, die Sonne, dass alles zermürbt, wo man ja ohnehin
bereits fast am Ende seiner Kräfte ist. Aber die Helfer am Straßenrand
leisten eine tolle Arbeit, feuern einen an und sind alle darauf bedacht, dass
jeder sein Getränk bekommt. Ein großes Lob an das Marathon-Team Duisburg
an dieser Stelle!!!
Bei Kilometer 40 weiß ich dann auch, dass es bald geschafft ist - die
letzten Kraftreserven werden mobil gemacht und die Gehpausen nun um jeden Preis
vermieden. Irgendwas zwischen 4:03 und 4:04 dürfte es werden. Dann ist
das Stadion links der Strecke zu sehen - das nahende Ziel. Ich bin gerührt,
weil ich nun den Beweis vor Augen habe, dass die Quälerei bald ein Ende
hat. Die Zuschauer werden wieder sehr zahlreich, peitschen uns an und lassen
"Berlin-Stimmung" aufkommen. Ich mache ein letztes Mal Tempo und kann
nochmal durchstarten. Dann das Einlauftor ins Wedau-Stadion: die letzten 200
Meter auf der Tartanbahn. Viel mehr Zuschauer als ich gedacht hätte haben
sich versammelt und feuern die einlaufenden Marathonis an. So fühlen sich
die Sportler bei der Olympiade wahrscheinlich - naja fast, aber man darf ja
etwas euphorisch sein!
Der Zielbereich im Stadion!
Nach 4:03:07 Stunden ist
mein siebter Marathon endlich beendet! Ich bin zu müde für Freude
über das Erreichte, nur froh, nicht mehr laufen zu müssen. Die Medaille
als Lohn für die durchstandene Qual, die Kälteschutzfolie und kurz
darauf auch das Finisher-Tshirt. Nur das Bier ist offenbar schon aus gegangen.
Egal, zu trinken gibts sonst mit Apfelschorle, Isostar, Wasser und Cola reichlich.
Ich gehe zum Wagen, ziehe mir eine Jacke über und habe kurz darauf sogar
schon meine Soforturkunde in den Händen, das ging schnell! Mit dem Fotoapparat
geht es nochmal ins Stadion, um einige Andenken abzulichten - unter anderem
die große Anzeigetafel, auf der immer wieder einlaufenden Finisher mit
Namen und Startnummer genannt werden, eine schöne Idee!
Im zweiten Versuch
erreicht mich auch Torsten auf dem Handy und kurze Zeit später treffen
wir uns am Wagen. Ein letztes Bild von mir als geschundenem Finisher und zurück
gehts Richtung M´gladbach.
Ein
geschundenes Fori-Shirt im Ziel
Fazit: Die Strecke
selbst ist zwar recht flach, aber dann doch mit mehr kleinen Steigungen gespickt,
als ich gedacht hätte. Optisch hat die Strecke sicher nicht das zu bieten,
was Berlin, Hamburg oder auch Köln zu bieten hat. Allerdings ist Duisburg
auch keine Millionenstadt und ein Auge für die sehenswerten Dinge an der
Strecke hatte ich dann irgendwann eh nicht mehr. Das ganze Drumherum jedoch
lässt keine Meckerei zu - alles prima organisiert, alles ging rasch, nirgendwo
gab es Engpässe: sehr gute Streckenversorgung, schnelle "Abfertigung"
bei Ausgabe der Startunterlagen und Soforturkunden, keine Engpässe in den
Umkleiden und Duschen und nicht zuletzt eine optisch hübsche Medaille,
Soforturkunde und ein schönes Finisher-Tshirt. Wem die "Streckenoptik"
also nicht gar so wichtig ist, der ist in Duisburg richtig!
So gesehen ein sehr gut organisierter Marathon bei gutem, aber zu warmen Wetter!
Soweit mein erster Marathon 2002.