Berlin-Marathon am 29. September 2002:
Alles festgehalten in diesem Tagebuch und einer Diashow, zu der man hier gelangt!
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Samstag,
der 28. September
Sonntag,
der 29. September
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Nachdem ich
gestern abend aus Köln angereist bin und mich bereits richtig wohl in meiner
Unterkunft bei den Foris "harriersand"
und "Göga"
fühle, steht heute der traditionelle Frühstückslauf an. Wir steigen
also entsprechend zeitig aus den Betten, frühstücken und fahren mit
der U-BAhn zum Charlottenburger Schloß, wo der Frühstückslauf
gegen 9:30 Uhr gestartet werden soll. Am Schloß treffe ich weitere Foris,
von denen mir die meisten natürlich längst aus dem Forum bekannt sind:
Lola,
Der
Heidjer und Magic,
aber auch "Nachwuchs-Foris" wie Oya und andere. Magic natürlich
im Bayern-Dress.
Recht pünktlich fällt der Startschuss und wir begeben uns auf die
etwa 6 Kilometer lange Strecke durch die Stadt. Man unterhält sich, Lola
und ich machen Fotos und nach einer guten halben Stunde erreichen wir auch schon
das Zielgelände am Olympiastadion. Natürlich gibt es an den Verpflegungsständen
das übliche Bild: totales Gedränge und viele Leute, die Müsliriegel,
Trinkjoghurts und anderes gleich kartonweise abschleppen. Naja...
Auch Ulrike ("harriersand")
und ich ergattern noch einige Frühstücksutensilien, machen uns dann
aber relativ rasch auf den Rückweg - hier ist´s einfach zu ungemütlich.
Mit der U-Bahn also wieder zurück und im Quartier erst nochmal ein kleines
weiteres Frühstück.
der
Webmaster am Olympiastadion.
Am späteren Mittag fahre ich dann mit Ulrike per Bus zum Ku-Damm, wo ich etwas bummeln gehe, den Zieleinlauf bereits schon mal inspizieren kann und dann weiter zum Messegelände fahre. Hier das alljährliche Programm: Marathonmesse, Abholen der Startunterlagen ect. Und ich lerne endlich Bernd Hübner persönlich kennen, den Rekordteilnehmer des Berlin-Marathons - bislang hat er an allen Marathons teilgenommen! Mit dabei bei diesem Treffen sind auch "stebie", einer der schnellsten Foris, und "Frank P.", ebenfalls eine feste Figur im Forum! Als auch Uli ("Cameron") zu uns stösst, gehe ich mit ihm zur Pastaparty, die sich im Gegensatz zum letzten Jahr wieder in einem freundlicheren Licht zeigt.
Von hier gehen wir zu Fuss zum "La Torre", wo das große Fori-Treffen steigen soll. Und nachdem wir unfreiwillig einen guten Umweg gegangen sind, sind wir auch pünktlich um 17 Uhr beim Italiener. Die nächsten Stunden werden geklönt, gegessen, getrunken und ich lerne viele, viele Foris kennen. Göga meint später, dass zu Spitzenzeiten mehr als 50 (!) Foris im "La Torre" waren. Ein Wahnsinn, wenn man überlegt, dass sich beinahe alle über das Internetforum eines Marathonlaufes kennengelernt haben!!! Darunter natürliche alle, die schon seit langem im Forum Rang - im wahrsten Sinne des Wortes ;-) und Namen haben, aber eben auch "Jung-Foris" und sogar "Fori-Nachwuchs" (Rainman jun. ect.).Ein tolles Erlebnis, da ist es klar, dass die Stunden im Nu verfliegen.
Mit den Letzten verlassen
dann auch Ulrike, Hans und ich das Restaurant und fahren heimwärts. Wir
sitzen noch ein wenig zusammen, genehmigen uns einen Himbeer-Geist und fallen
dann müde ins Bett.
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Gegen halb sieben klingelt mein Wecker und nach einem leichten Frühstück gilt es, die üblichen Startvorbereitungen zu erledigen: anbringen der Startnummer, Pflaster auf die Brustwarzen (!), Hirschtalg unter die Füsse und wo es sonst noch schmerzen kann. Dann geht´s los, Ulrike und ich gehen zur U-Bahnstation. Dort fährt die nächste Bahn in ganzen 17 Minuten - und das am Marathonmorgen, unglaublich. So sind wir nie um 8 Uhr am Fototreffpunkt am Ernst-Reuter-Platz! Ulrike ruft Hans an, der uns dann mit dem Wagen recht problemlos bis direkt an den Treffpunkt bringen kann, klasse! Am Ernst-Reuter-Platz treffen sich abermals die Foris, es gibt ein Gruppenfoto, danach gebe ich meinen Fotoapparat an Werner, ein Freund von Frank. Er will schauen, ob er mich auf der Strecke nochmal erwischt. Und es findet sich noch eine Gruppe, die wie ich 3:45 angehen will. Dann trennen wir uns, wünschen uns Glück, jeder muss noch zu den Kleiderwagen. Ganz besonders wünsche ich Ulrike für ihren ersten Marathon alles Gute. Sie ist sich ganz und gar unsicher, ob sie aufgrund von Schmerzen durchhalten kann. Ich hoffe, dass sie es doch irgendwie schafft.
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Zwischen 8:45 und 8:50 will ich mich mit meiner Gruppe wieder vor dem Hauptgebäude der TU treffen. Ich gebe meinen Kleiderbeutel ab und ruhe noch etwas im Eingangsfoyer des TU-Gebäudes, wo es angenehme warm ist. Leider schafft es Rainman nicht zum Treffpunkt, also machen sich fünf 3:45er-Foris auf in den Startblock: Flip, Coast, Torsten2000, Schmonz und Tuppie - eben ich. Nicht alle haben Berechtigung für den gelben Startblock, aber irgendwie schaffen wir es gemeinsam ins Startgelände.
Dann
der Startschuss! Ganz langsam setzt sich der Marathon-Express in Bewegung und
nach einigen Minuten überqueren auch wie die Startlinie und begeben uns
auf die große Runde durch Berlin. Wir starten erst einmal etwas verhalten,
müssen in einen vernünftigen Laufrhythmus finden. Wir genießen
die tolle Stimmung am Start, genießen es, auf der Strecke sein zu können,
während man bereits die Siegessäule sehen kann. Das Wetter ist diesig,
die Wolken hängen tief, aber es ist eben auch trocken bei recht angenehmen
Temperaturen. Den ersten Kilometer legen wir in langsamen 5:50 zurück,
aber das ist egal. Zunächst muss man sich erst mal "einfinden"
und ein Gefühl fürs Tempo bekommen. Nach diesem ersten Kilometer erreichen
wir die Siegessäule und machen uns auf den weiteren Weg zum Brandenburger
Tor. Werner will zwar mit meinem Fotoapparat bei etwa Kilometer 3 auf der rechten
Straßenseite stehen, aber da wir derzeit links laufen, will ich mir nicht
die Mühe machen, auf die andere Seite zu wechseln. Nach schnelleren Kilometern
durchqueren wir das Brandenburger Tor, das leider erst zum Tag der Deutschen
Einheit feierlich enthüllt wird.
die
Strecke durch Berlin. Bei Klick auch in einer größeren Version.
Über
den Pariser Platz geht´s weiter über Berlins Luxusmeile "Unter
den Linden". Der Fernsehturm, etwa bei km 5,5 ist zur Hälfte in Wolken
gehüllt - also tatsächlich extrem nebeliges Wetter, weswegen auch
keine Hubschrauber am Start zu sehen waren. An der ersten Wasserstation macht
sich bereits die Kameradschaft in unserer Gruppe bemerkbar - wir schauen, dass
wir uns im Läuferchaos alle wiederfinden und uns gegenseitig helfen. Ich
bin froh, nicht alleine laufen zu müssen! Allerdings macht sich auch schon
recht früh ein leichter Harndrang bemerkbar - jetzt bloß nicht austreten
müssen und die Gruppe verlieren. Das will ich keineswegs oder eben erst
möglich spät.
Die weiteren Kilometer laufen wir zwischen knapp unter 5:20 und 5:30 und sehen schon, dass eine 3:45 im Ziel schwierig werden wird. Das ist mir aber auch egal, ich möchte vor allem ein gleichmäßiges Tempo laufen und nicht einbrechen. Und: mich nicht von der sub4-Stunden-Gruppe überholen lassen, die irgendwo hinter uns von den erfahrenen Foris "aragorn" und "Sabinchen" angeführt wird. Und noch weiter hinten führt "Magic" die Foris an, die die 5 Stunden unterbieten wollen. Also überall das ForumTeam, das ja sogar ein eigenes Logo hat, auf der Strecke!!!
Während des Laufs fühle
ich mich sehr gut und ausgeruht, keine Anzeichen von Müdigkeit. Ich hoffe,
dass ich mich noch eine ganze Weile so gut fühle, denn wenn wir zumindest
eine 3:50 laufen wollen, dürfen wir auch nicht langsamer werden. Nach knapp
1:50 Stunden sind wir bei Kilometer 20 angelangt und haben kurze Zeit später
die erste Hälfte hinter uns.
Mit
einem großen Luftballonbogen begrüßt uns die Halbmarathonmarke.
Ab hier besteht das Rennen für mich noch aus drei Teilabschnitten: 7km
bis zum Fori-Stand, dann weitere 7km bis zum Streckenhöhepunkt am "Wilden
Eber", dann noch 7km bis ins Ziel. So gesehen ist der Foristand eine wichtige
Motivationsstütze für mich.
die Halbmarathonmarke! Für das Bild danke an Frank
Schlüter.
Nach
etwa 25 Kilometern verlassen uns Flip und Torsten2000 - sie wollen etwas schneller
angehen und doch noch versuchen, eine 3:45 zu erreichen. Zu dritt geht es also
weiter. Einerseits habe ich Sorge, irgendwann einzubrechen, andererseits fühlte
ich mich noch so gut, wie schon lange nicht mehr nach 25km bei einem Marathon.
Ein tolles Gefühl - das Training scheint sich zumindest bis hier auszuzahlen.
Dann die lange Gerade gen Süden Richtung Steglitz - nicht mehr weit bis
zum Fori-Verpflegungsstand. Plötzlich, es muss just kurz vor dem einbiegen
in die Hauptstraße sein, sehe ich Werner am Straßenrand stehen,
schreie "Werner", worauf dieser mich auch sieht und gleich die Kamera
zückt. Mehrmals sprintet er einige Meter vor, um mich dann vor die Linse
zu kriegen, was letztlich auch toll geklappt hat. Mit einem "Lauf schön!
schickt er mich wieder weiter. Herzlichen Dank an dieser Stelle an Werner für
die tollen Streckenbilder!!! Aber auch "Marinus"
hat mich bereits mit dem Fotoapparat "erwischt".
Fotograf
Werner erwischt mich bei etwa km 28 - ich fühle mich noch fit und freue
mich auf den Fori-Stand.
Kurz darauf erreichen wir
den schon weit vorher sichtbaren Fori-Verpflegungsstand knapp vor km29. Hans
reagiert blitzschnell und reicht mir mein Power-Gel, "Buffy"
begrüsst mich mit einem herzlichen "Tuppie"-Ruf und "Ypsilon"
macht Fotos von allen passierenden Foris. Mann, was war das schön, Euch
am Streckenrand zu sehen, habe mich ja auch lange genug darauf gefreut. Vielen
Dank für Euren tollen Verpflegungs-, Motivations- und Fotoservice!!!
Alsbald brechen die berüchtigten 30er-Kilometer an. Hier und da steigt die Straße etwas an - der schleichende Anstieg zum "Wilden Eber". Die km-Zeiten werden etwas langsamer und liegen mitunter unter 5:40 min. Zeit, die Power-Gels einzusetzen, die mir doch meist rasch helfen, wieder etwas zu Kräften zu kommen. So auch heute, die müden Beine bekommen wieder etwas Kraft und ich fühle mich wieder etwas besser. Als wir beinahe den Wilden Eber erreicht haben, werden die Zuschauer wieder ungeheuer zahlreich, peitschen uns an. Ich will es wissen, möchte das Tempo etwas forcieren, weg von den schlechten km-Zeiten. "Coast" muss leider abbrechen lassen, ihm reicht das bisherige Tempo. Er ist müde, sieht aber ansonsten noch gut aus. Er wird es auch alleine schaffen ("Coast" lief in 3:55 ins Ziel und blieb so auch unter vier Stunden). "Schmonz" und ich erreichen den Wilden Eber, genießen die gigantische Stimmung hier. Überall applaudierende Menschen, Musik, die Samba-Girls wie jedes Jahr - mir laufen Schauer über den Rücken und ich bin hochmotiviert, bereit, jeden Schwächeanfall, jeden Angriff eines auch noch so kleinen Hammermannes im Keim zu ersticken.
Jeder
Kilometer mit einem guten km-Split wird jetzt zu einem keinen Triumph gegen
den inneren Schweinehund und dem Banner am km38 ("Knackpunkt") zeigt
ich verächtlich den Stinkefinger. Heute soll es für mich keinen Knackpunkt
geben, zumindest nicht im negativen Sinne! Hier, am km38, begann auch der Minimarathon
für die Kinder: 4,195 Kilometer - noch etwa 22 Minuten bis ins Ziel. Dranbleiben!
Kurz vor dem Ku-Damm
treffe ich noch Joszef getroffen, "Igel"´s
Lebensgefährte. Er sagt, er habe nun doch mit Schmerzen zu kämpfen,
sieht auch erschöpft aus. Ich spreche ihm kurz Mut zu und laufe dann mit
Schmonz dem Ku-Damm entgegen. Dann der letzte scharfe 90°-Knick - der Ku-Damm.
Prombt bricht eine ungeheuerliche Stimmung auf uns ein - Lärm, klatschende
und kreischende Menschen, als wenn gerade die Spitze gen Ziel sprintet. Einfach
toll!!! Schmonz und ich sind uns einig, dass der Ku-Damm lang ist, noch ziemlich
genau 2 Kilometer bis ins Ziel. Also "noch" ruhig Blut. Doch das Tempo
wird schon schneller...
die letzten Meter zum Ziel. Als 2. von rechts, in der
schwarzen Jacke, mein Begleiter Schmonz.
Am km-Schild 41 dann packt
es uns: alles, was noch drin ist. Wir können nochmal richtig verschärfen,
überholen etliche Läufer. Wir wollen die 3:50 unterbieten, irgendwie.
Allerdings geht mir dann auch der langsam der Sprit aus. Die letzten beiden
Kilometer legen wir in 5:10 und 4:54 zurück! Kurz vor dem Ziel will ich
Schmonz schon vorschicken, merke, dass er noch schneller will. Doch er entgegnet
"Nein, jetzt bin ich 41 km mit Dir gelaufen, jetzt laufe ich auch mit Dir
ins Ziel!" Eine Geste, die mich rührt und zugleich letzte Reserven
freisetzt. Wie die Bekloppten rennen wir auf´s Ziel zu, nur um die 3:50
noch zu unterbieten - wir schaffen es: nach 3:49:57 ist Schmonz im Ziel, eine
Sekunde später auch ich! 
UND: wir können den Erfolg gemeinsam feiern, mit jemandem teilen!!! Von daher vielleicht meine bislang schönste Zielankunft bei einem Marathon, auch wenns nicht der schnellste war.
Meine
gestoppten km-Splits. Schön zu erkennen der leichte "Einbruch"
und der Kraftakt ab dem Wilden Eber.
Fazit: ich bin in einer tollen Gruppe gelaufen, bin nicht eingebrochen, habe mir die Kräfte gut eingeteilt und somit die Strecke auch genießen können - für mich ein wunderbarer Berlin-Marathon 2002!!! Nüchternes Fazit in Zahlen: von insgesamt 25.278 Finishern bin ich als 10.146. Läufer eingelaufen (9323. Männerplatz).
Ich freu´ mich schon auf 2003!