Manaslu - 8163 Meter

Manaslu

Bild: Der Manaslu mitseiner charakteristischen Pyramide
(c) www.amical.de bzw. www.ralf-dujmovits.de.

Der Manaslu - die Betonung liegt auf der zweiten Silbe - war Gipfel Nr. XXX der Indischen Landvermessung und wurde zuerst Kutang I genannt. Dieser Name rührte daher, dass er der höchste Gipfel der Region Kutang war.

Der Name hängt vermutlich mit dem tibetischen "as tang" zusammen, womit eine flache Gegend bezeichnet wir. Dies könnte sich auf das flache Gipfelplateau beziehen, dass charakteristisch für den Berg ist, wenn man sich ihm vom Larkya La aus nähert, einem hohen Pass nach Norden, der von tibetischen Händlern benützt wurde um das Dudh-Khola-Tal zu erreichen. Der Name Manaslu wurde aus dem Sanskrit von mansana abgeleitet, was Geist oder Seele bedeutet: Manaslu ist der Berg der Seele. Die Einwohner von Sama, dem Dorf am Nordostfuß des Berges, sprechen im Zusammenhang mit ihm von Kambung, das ist der Name einer örtlichen Gottheit, von der man glaubt, dass sie auf der Bergspitze wohnt - ein Glaube, der ernste Konsequenzen für eine frühe japanische Expedition hatte. (c) www.amical.de.

Ersteigungsgeschichte:

1950:
Während die Franzosen an der Annapurna waren, errichtete eine kleine Gruppe unter dem britischen Forscher und Bergsteiger Bill Tilman ein Lager bei Thonje, einem Dorf, das sich dort befindet, wo das Dudh-Khola-Tal mit dem Fluss Marsyangdi zusammentrifft. Von dort aus erforschte das Team das obere Dudh-Khola-Tal und fotografierte dabei die West- und Nordseite des Manaslu. Nach diesen ersten optischen Erkundungen durch Briten suchen in den Folgejahren nacheinander vier japanische Expeditionen nach Aufstiegsmöglichkeiten zum Gipfel des Manaslu von der Nordseite aus sowie über denn Ostgrat.

1956:
Nach mehrmaligen Erkundungen in den vorherigen Jahren gelingt einer japanischen Expedition unter Y. Maki (früherer Präsident des japanischen Alpenvereins und Mit-Erstbesteiger des Mittellegi-Grates am Eiger) die Erstbesteigung des Manaslu über die Nordostflanke: am 9. Mai erreichen T. Imanishi und der Sherpa Gyaltsen Norbu den Gipfel, zwei Tage später K. Kato und M. Higeta.

1971:
Der japanischen Expedition der "Tokyo Metropolitan Mountaineering Federation" unter Leitung von A. Takahashi gelingt im Frühjahr die zweite Besteigung über die Nordwestwand, eine neue, schwierige Route.

1972:
Eine Tiroler Expedition unter Wolfgang Nairz (mit dabei ist u.a. auch Oswald Oelz) gelingt die erste Durchsteigung der schwierigen Südwand: am 25. April erreicht Reinhold Messner den Gipfel (3. Besteigung), findet allerdings bei plötzlich hereinbrechendem Schlechtwetter nur mühsam das Zelt im "White Out". Franz Jäger und Andi Schlick kommen im Schneesturm in der folgenden Nacht um. Ihre Leichen werden 1975 von Spaniern auf dem Gipfelplateau gefunden.
Etwa zur gleichen Zeit führt der Koreaner K. Jung-Sup einen erfolglosen Versuch am Normalweg durch. Er kommt auf etwa 6950 m. Vier Koreaner, ein Japaner und zehn Sherpas werden von Lawinen verschüttet.

1973:
Die vierte Besteigung gelingt einer deutschen Expedition unter Gerhhard Schmatz. Über den Normalweg erreichen er sowie Sigi Hupfauer und Sherpa Urkien Tshering den Gipfel.

1974:
Eine japanische Frauenexpedition operiert über zwei Routen. Sie scheitert am Ostgrat bei 6000 m. Naoko Nakaseko, Masako Uchida, Mieko Mori und Sherpa Janbu dagegen erreichen über den Normalweg den Gipfel (= erste Bsteigung eines Achttausenders durch eine reine Frauenmannschaft). Unglücklicherweise starb Teiko Susuki während des zweiten Gipfelversuchs.

1975:
Spaniern unter J. Garcia Orts gelingt die sechste Besteigung des Manaslu auf dem Normalweg. Sie finden die Leichen von Andi Schlick und Franz Jäger auf dem Gipfelplateau.

1976:
Im Herbst glückt einer persisch-japanischen Gruppe unter Brig. Gen. M. Khakbiz ebenfalls auf dem Normalweg der Gipfelgang.

1980:
In der Vormonsunzeit können Südkoreaner unter Li In-Jung am Normalweg die achte Besteigung für sich verbuchen.

1981:
"Sport Eiselin" führt eine kommerzielle Expedition zum Manaslu: dreizehn Bergsteiger unter der Leitung von H. V. Kaenel gelangen auf dem Erstbesteigerweg, dem Normalweg, auf den Gipfel. J. Millinger und P. Wörgötter gelingt ab 8125 Metern Höhe eine Skiabfahrt.
Im Herbst des gleichen Jahres eröffnen Franzosen unter Führung von P. Beghin eine Variante in der Westwand, die in ihrer zweiten Hälfte in die Messner-Route mündet. Wenig später gelingt einer japanischen Gruppe unter Y. Kato auf dem Normalweg eine Besteigung.

1983:
Beim Versuch einer Erstbegehung des Südgrats durch eine jugoslawische Expedition kommen zwei Teilnehmer in einer Lawine um. - Erster Alleingang auf den Manaslu durch einen Koreaner. - Eine deutsche Gruppe unter Günter Härter wiederholt erstmals komplett die Südwandroute von 1972.

1984:
Eine polnische Expedition unter Leitung von L. Korniszewski führt die erste Winterbesteigung des Manaslu über die Tiroler Route aus (Gipfel am 12. Januar 1984 durch Maciej Berbeka und Ryszard Gajewski).
Im Frühling erreichen Jugoslawen unter A. Kunaver über die Südwand den Gipfel. - Im Herbst des gleichen Jahres steigen Polen über den Südgrat und die Südostwand zum Gipfel auf.

1985:
Im Dezember erfolgt die zweite Winterbegehung durch ein japanisches Team.

1986:
Einer polnisch-mexikanischen Expedition unter Jerzy Kukuczka gelingt im Herbst eine Überschreitung: Aufstieg über den Ostgrat, Abstieg über die Nordostwand.

1991:
Drei Mitglieder einer ukrainischen Epedition erreichen im Alpinstil über die Südwand den Gipfel. Mit dem Abstieg über den Normalweg gelang die erste komplette Überschreitung des Manaslu.

1996:
Am 12. Mai 1996 erreicht der Mexikaner Carlos Carsolio den Gipfel und wird damit zum vierten und jünsten Bergsteiger (33 Jahre) der alle 14 Achttausender bestiegen hat.

2001:
Im Nachmonsun erreicht eine japanische Expedition den Gipfel des Manaslu über den Normalweg. 3 Sherpas und 3 Teilnehmer stehen am 9. Oktober auf dem höchsten Punkt (Hidetoshi Kurahashi , Akira Saito, Yumiko Okubo, Rahar Bahadur Tamang, Phinjo Palten und Namgual Sherpa).
Ein zweites Team steigt am 10. Oktober nach Lager IV (7450 m). Da am 11. Oktober starker Wind das Weiterkommen unmöglich macht, warten die Bergsteiger (leider) im Lager. Da sich der Wind am 12. Oktober noch nicht gelegt hat, begannen Sie nach anfänglichen Aufstiegsversuchen den Abstieg.
Ein Teilnehmer (Isao Kuribara) war - unbemerkt von den anderen - wahrscheinlich durch den zu langen Aufenthalt in grosser Höhe inzwischen höhenkrank geworden und die Absteigenden mussten auf ca. 7000m biwakieren. Am 13. Oktober stirbt der Höhenkranke auf einer Höhe von 6600 m.

Eine ausführliche Chronik in englischer Sprache findet sich unter http://www.jac.or.jp/english/kiroku/manasul/manasl_e.htm.

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