Karte
mit eingezeichneter Route
Zur Geologie des Glasfelder Kopfes: Gipfelkrone aus Oberrätkalkstein. Der grüne Sattel der Bockkarscharte besteht aus Kössener Schichten. Weiter unten besteht der Glasfelder Kopf aus Allgäu-Schichten (Lias-Fleckenmergel), noch weiter unten aus Aptychen-Schichten. Die benachbarte Kesselspitze besteht aus Hauptdolomit. Ein Profil gibt es hier!
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In diesem Jahr sind meine Frau, mein Sohn Tobias und ich noch einmal kurz zu Gast in Hindelang. Zehn Tage lang kann ich meinem sieben Monate alten Sohn "meine" Allgäuer Alpen zeigen - zumindest von unten. Einen Tag darf ich alleine in die Berge und habe so die Gelegenheit, eine Neutour machen zu können. Natürlich treibt es mich in die Gegend um den Hochvogel und so habe ich mir den Glasfelder Kopf ausgeguckt - er ist als Tagestour gerade richtig geeignet und dürfte keine Probleme machen.
Da
zu dieser Jahreszeit die Busse zum Giebelhaus nicht mehr gar so früh fahren
wie im Hochsommer (Fahrplan der Busverbindung
Hinterstein - Giebelhaus), nehme ich also den ersten Bus um 8:15 Uhr und
kann um 8:30 am Giebelhaus starten. Viele Leute sind nicht unterwegs, nur zwei
Freunde starten ebenfalls Richtung Bärgündletal.
Blick
vom Engeratsgundsee auf Glasfelder Kopf (li.) und dem dominierenden Hochvogel.
Ich gehe diesmal nicht die asphaltierte Straße taleinwärts, sondern quere über einen Waldweg direkt unterhalb des Giebels, während ich die herrlichen Blicke auf die sonnenbeschienen Gipfel genießen kann. Der Weg nimmt zwar wenige Minuten mehr in Anspruch (wirklich nur sehr geringfügig), ist dafür aber auch nicht so monoton zu gehen wie die Straße, die sonst, gerade im Sommer, die meisten nehmen.
Ein Stück hinter dem Täschlefall mündet der Weg dann ohnehin in die Straße, die man dann dann eine kleine Weile verfolgt, bis schließlich links der Abzweiger zum Prinz Luitpold-Haus abgeht. Als ich dort ankomme, ist es 9:06 Uhr - also wieder die übliche halbe Stunde bis hier gebraucht. Man kann auch noch eine kleine Weile weiter die Straße verfolgen und schließlich über die Pointhütte (1319m) den Aufstieg zur Hütte beginnen, aber ich zweige hier links ein. Zunächst geht es einige Höhenmeter hinab (diesen Abstieg kann man sich beim dafür etwas längeren Weg über die Pointhütte sparen), bis man den tiefsten Punkt des Bärgündeletals, das Bachbett, erreicht hat. Über eine kleine Brücke geht es auf die andere Bachseite und dann wieder ansteigend zum Bärgündele-Wasserfall, den ich um 9:20 Uhr passiere. Wenige Minuten später erreiche ich dann auch die Untere Bärgündelealm auf 1203 Meter, die aber inzwischen geschlossen hat - im Sommer gibt es hier einfache Verpflegung. Ich genieße den Blick auf den Talschluss mit Großem Wilden und Schneck und steige dann weiter. Überall sind inzwischen neue Wegweiser angebracht - schade, ich fand die alten Holzschilder schöner und die Gehzeiten auf den neuen Metallschildern scheinen auch nicht unbedingt zu stimmen.
Der
weitere Aufstieg ist mir bereits von vielen Anstiegen zum Prinz Luitpold-Haus
bekannt: problematisch ist er nicht, aber teilweise etwas ermüdend: gerade
im unteren Teil kommt man bei der etwas holprigen Wegführung nicht so recht
in einen angenehmen Rhythmus, zum anderen hat man bereits die ganze Zeit über
die Hütte vor Augen, von der man allerdings noch einige Höhenmeter
entfernt ist. In diesem Jahr kommt dazu, das ich extrem schlecht in Form bin:
die neue Vaterrolle und meine neue Arbeit in der Schule kosten viel Zeit, die
mir für mein Lauftraining fehlt. So komme ich bereits beim Hüttenanstieg
ordentlich ins Schnaufen und ereiche die Hütte erst gegen 10:35 Uhr - zwei
Stunden!!! Bislang war ich stets etwa eine halbe Stunde schneller. Macht nichts,
aber erschreckend ist es dennoch. "Normalerweise" wäre ich gegen
10 Uhr oben gewesen. Naja, was solls.
Der
Wiedemer Kopf und das Prinz Luitpold-Haus vom Aufstieg zum Glasfelder Kopf.
Meine Oma freut sich riesig, als ich mich aus 1846 m telefonisch melde und erzähle, dass ich mich mal wieder in Hochvogelnähe aufhalte. Ich mache 10 Minuten Pause, um meinen Puls wieder zu beruhigen und mich aus meinem Rucksack zu stärken. Der weitere Aufstiegsweg ist von hier bereits recht gut zu sehen. Ebenso wie der Hochvogel-Normalweg, über den einige Wanderer Richtung Hochvogel steigen. Aber nach meinen Besteigungen 1989, 1995 und 2001 muss ich dieses Jahr nicht wieder auf den Hochvogel. Zumal eine Besteigung als Tagestour dieses Jahr konditionell für mich zuviel wäre!
Von
der Hütte wendet man sich dann also auf markiertem und gut ausgebautem
Weg dem Glasfelder Kopf zu und steigt zunächst nur gemächlich höher,
während man das Kar in nordöstliche Richtung quert. Unterwegs kann
ich auch einen Blick auf eine Seilschaft von Kletterern werfen, die gerade dabei
sind, in die im Schatten liegende Nordwestwand der Fuchskarspitze einzusteigen.
Die Fuchskarspitze ist ja für ihre zahlreichen Kletterrouten bekannt. Als
ich mich den obersten Karböden nähere die nächste Überraschung:
ich sehe Gemsen vor mir, ahne jedoch noch nicht, dass es sich um die Vetreter
einer ganzen Herde handelt. Erst als ich weiter an Höhe gewonnen habe,
sehe ich, dass sich hier sicher an die 20-30 Tiere tummeln, die nicht allzuviel
Scheu zeigen. Sie wissen, dass sie in diesem Gelände wesentlich flinker
sind als ich.
Höfats
und Schneck vom Aufstieg zum Glasfelder Kopf.
Der Blick wird nun auch in westliche Richtung freier und hinter dem Schneck wird die Sicht auf die Höfats frei. Überhaupt zeigt sich das Wetter heute von seiner allerallerbesten Seite - der beste Tag des Urlaubs! Die Sicht ist einmalig gut und auch, obwohl die Berge ringsum höher sind, durchaus umfassend.
In
einer weiten Schleife erreiche ich schließlich um 11:50 Uhr die Bockkarscharte
auf 2164 m - über eine Stunde habe ich von der Hütte bis hier gebraucht:
auch auf dieser Etappe wurde meine schlechte Form deutlich. Was solls, nun ist
es nicht mehr weit bis zum Gipfel. Und vor allem: hier genießt man bereits
einen herrlichen Rundblick, dominiert natürlich vom beeindruckenden Nahblick
auf den Hochvogel. Auf der Nordostseite fällt die Scharte mit einer tiefen
Schutthalde den Jubiläumsweg hinab.
der
Hochvogel von der Bockkarscharte aus.
Nach
Fotopause und Stärkung nehme ich um Punkt 12 den restlichen Aufstieg in
Angriff udn steige den Grashang direkt vor mir hinauf. In ziemlich direkter
Falllinie des Hangs steige ich höher, was extrem ermüdend ist, bis
ich schließlich auf Steigspuren stoße, an denen ich mich im Folgenden
orientere. So komme ich besser vorwärts und erreiche wie im AV-Führer
angegeben, schließlich den Gipfelgrat. Die Sicht wird nun auch nach Norden
frei. Unmittelbar vor dem Gipfel die eigentliche "Schlüsselstelle"
des Anstiegs, die im Führer mit "über eine schmale Stelle (I)
auf den Gipfel" beschrieben ist. Es handelt sich um eine schmale Gratrippe,
die man am besten auf der linken Seite (in Aufstiegsrichtung) quert. Um 12:14
Uhr erreiche ich den Gipfel und kann die Traumsicht genießen: unzählige
Gipfel des Allgäus und des Alpenhauptkamms sind zu sehen, alles glasklar
und herrlich scharf. So schön, dass ich auch mit meiner Digicam ein kurzes
Rundumpanorama filme, dass man sich
hier
downloaden kann (ca. 2,11 MB)!
der
Hochvogel vom Gipfel aus gesehen. Ganz links die Urbeleskarspitze.
Nach
etwa halbstündiger Pause nehme ich wieder den Abstieg in Angriff - so habe
ich genug Zeit für den Abstieg ins Tal. Über die Steigspuren erreicht
man dann auch sicher die Bockkarscharte, ohne sich im sonst weglosen Gelände
zu verlaufen. Schwierig würde es aber auch nicht werden, würde man
die Steigspuren nicht finden: ein mittelsteiler Hang, der aufgrund des Grasbewuchses
höchstens bei Nässe unangenehm werden könnte. An der Bockkarscharte
mache ich nochmals kurze Pause und starte kurz nach 13 Uhr meinen weiteren Abstieg
zur Hütte. Es ist doch für Ende Oktober ungehauer warm, man kommt
ganz schön ins Schwitzen. Selbst oben auf dem Gipfel war es teilweise fast
windstill. Eben ein perfekter Spätherbsttag!
Nur eine Dreiergruppe treffe ich auf meinem Rückweg zur Hütte, ansonsten bin ich weiterhin alleine unterwegs. Selbst die Gemsen vom Morgen sind nicht mehr zu sehen.
Glasfelder
Kopf und Bockkarscharte. Schön ist zu erkennen, dass die in Gipfelnähe
massigen Kalksteine weiter unten (Bildvordergrund) in gebankte Kössener
Schichten übergehen. Rechts der Hauptdolomit der Kesselspitze.
Um 13:38 Uhr bin ich wieder an der Hütte, an der auch inzwischen absteigende Wanderer vom Hochvogel ankommen. Doch auch hier hält es mich nicht allzulange - nach kurzer Pause nehme ich den Talabstieg in Angriff. Mit inzwischen doch halbwegs müden Beinen steige ich, wieder im Schatten, talwärts und brauche auch eine knappe Stunde, bis ich die Untere Bärgündelealm wieder erreicht habe. Da ich keine Lust habe, nach dem weiteren Abstieg hinunter bis zum Bärgündelebach wieder den Gegenanstieg zur Straße aufsteigen zu müssen, gehe ich nun den Umweg über den breiten Alpweg hinüber zur Pointhütte. Um 15:00 Uhr bin ich wieder auf der asphaltierten Straße an der Pointhütte und latsche den restlichen Weg zum Giebelhaus in knapp 40 Minuten hinab. Ausgeschildert waren im Bereich der Pointhütte für den Weg zum Giebelhaus 1,5 Std., weswegen die Zeitangaben in meinen Augen eben nicht ernst zu nehmen sind.
Am Giebelhaus reicht die Zeit noch für ein gemütliches Radler, dann geht´s mit dem 16:10 Uhr-Bus wieder zurück nach Hinterstein.
Fazit: sehr schöne und recht einfache Tour auf einen wundervollen Aussichtsberg. Nicht nur wegen des eindrucksvollen Nahblickes auf den Hochvogel.
Webtipp:
auf www.jochen-schaumburg.de
gibt´s ebenfalls Impressionen vom Glasfelder Kopf.
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