Zur Route: Der Große Krottenkopf ist der höchste Berg der Allgäuer Alpen und noch dazu einfach zu erreichen - Grund genug, dass dieser Berg schon länger auf meiner Wunschliste stand. Etwas Trittsicherheit verlangt der Sperrbachtobel gerade nach Regenfällen und so leicht rutschigen Felsen. Die schmalen Stellen sind jedoch mit Drahtseilen versichert, so dass es nie wirklich eng wird. Trittsicher sollte man dann auch noch mal am Gipfeldach sein, obwohl man auch abseits der roten Wegmarkierungen immer ausreichend Platz hat. Den Rucksack kann man getrost an der Krottenkopfscharte zurücklassen, so dass man die letzten 300 Höhenmeter unbeschwert steigen kann.
Kurzportrait
Geologie des Großen Krottenkopfes:
Das ganze Massiv des Großen Krottenkopfes besteht komplett aus triassischem
Hauptdolomit (Oberostalpin).
Dienstag, der 12.
August 1997:
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Brutal früh heißt es heute aufstehen, gerade 4 Uhr zeigt der Wecker! Schlimm nur, wenn man dann so früh morgens schon am Frühstückstisch zugelabert wird. Nach dem Essen starten mein "Tischnachbar" und ich mit unserem Vermieter Toni. In Birgsau im Stillachtal lassen wir unseren "Freund" raus, der über das Waltenberger Haus zur Mädelegabel steigen will. Gegen 5:15 Uhr starte auch ich an der Wegabzweigung Christlesee Richtung Spielmannsau im Trettachtal. Während es ganz allmählich dämmert, erreiche ich auf ebenem Weg um halb sechs den Gasthof Spielmannsau und wandere zügig taleinwärts.
Die
Trettachspitze in der ersten Morgensonne
Fast am Talschluß angekommen geht es in den Wald und allmählich bergauf. Während ich langsam an Höhe gewinne kann ich beobachten, wie die ersten Sonnenstrahlen den Gipfel der Trettachspitze berühren. Ein schöner Anblick! Ich bleibe stehen, halte den Ausblick mit dem Fotoapparat fest und genieße die Stille, die um mich herum herrscht. Dieses Alleinsein in den Bergen ist für mich noch die intensivste Art und Weise, die Berge genießen zu können.
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Über blumige Hänge steigt der Weg weiter an, bis ich den Sperrbachtobel erreiche. Ich bin wieder von der Szenerie des Tobels begeistert. Während man im oberen Teil bereits Blicke auf den Muttler, sozusagen den "Hausberg" der Kempner Hütte, genießen kann, steigt der Pfad über die wasserüberronnenen nördlichen Wände des Tobels. Durch die steile Schlucht, bei der man oftmals auf nasse Felsen achten muss, und den Tobel schließlich in einem weiten Bogen querend, bin ich um 7:20 Uhr auf der Kemptner Hütte auf 1844m.
Die Kemptner Hütte und der Kratzer (2424m) im Morgenlicht.
Die Hütte liegt wunderschön zu Füßen des Kratzers, dessen wildzerfurchter Gipfelkamm auch gerade in der Morgensonne leuchtet. Da in der Hütte noch viele Bergsteiger beim Frühstück sind halte ich mich nicht lange auf, sondern trinke nur rasch ein Mineralwasser. Danach bin ich wieder unterwegs.
Zunächst geht es recht flach oder nur mit mäßiger Steigung weiter: in weitem Rund wird der hinterste Talschluß umrundet, bis man schließlich über begrünte Hänge und zuletzt auch steiler das Ober-Mädelejoch (2033m) ersteigt. Hier rückt mein Ziel groß ins Bildt: der Große Krottenkopf, höchster Berg des Allgäus.
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Der
Krottenkopf vom Heilbronner Weg (1995). Die Route zieht sich unterhalb der
felsigen Bereiche von links nach rechts am Berg entlang. Dann der Aufstieg
zur Scharte (nicht im Bild) und der Gipfelaufstieg über die rechte Seite.
Der unscheinbare Nebengipfel links des Krottenkopfes ist die Hornbachspitze
(2533m).
Zunächst ein kleiner
Abstieg, dann wandere ich fast eben am Berg entlang und quere, das Talende
des Roßgumpentals umrundend, die Westwand des Krottenkopfes, durch die
Klettertouren bis zum Grad V führen.
Als ich die Wegabzweigung Richtung Lechtal erreiche, stehen mir noch 600 Höhen-
meter Aufstieg ins Haus. Geradeaus geht es weiter Richtung Elbigenalp im Lechtal,
links steigt der Steig in Kehren zur Krottenkopfscharte an. Obwohl die Bewölkung
zunimmt steige ich weiterhin zügig auf, immer noch im morgendlichen Schatten.
Über die Krottenkopfscharte steigt man dann zum Gipfelaufbau. Diese letzte
Etappe ist doch recht mühsam, zumal ich inzwischen müde in den Beinen
bin. Vielleicht hätte ich doch besser meinen Rucksack wie andere Wanderer
an der Scharte zurücklassen sollen. Aber dafür ist es ja nun zu
spät. Also weiter, allzulange kann es ja nicht mehr dauern!
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Über grobes Blockwerk
geht es einfach höher und um 9:20 Uhr erreiche ich den Gipfel in 2657m
Höhe!
Leider ist die Sicht aufgrund der vielen Wolken sehr eingeschränkt, auf
die nähere Umgebung mit Mädelegabelgruppe und Heilbronner Weg sowie
Marchspitze
und Ramstallkopf sind hübsche Blicke möglich. Und tief unten ruht
der dunkelblaue Hermannskarsee. Tja, der Ortler, denn man bei guter Sicht
wohl sehen soll, ist natürlich nicht zu sehen, aber die Wolken zaubern
doch auch eine interessante Stimmung.
Der Gipfelaufbau des Großen Krottenkopfes. Über
grobe Felsbänder und Blockwerk geht es unschwierig höher. Hinter
der Felskuppe links oben befindet sich der Gipfel.
Gegen kurz vor zehn Uhr beginne ich den Abstieg auf gleichem Weg zurück zur Hütte. Während des Abstiegs wird das Wetter stetig besser, so dass ich dann doch noch sonnige Blicke genießen kann und auch die Lechtaler nun besser zu sehen sind. Dennoch etwas schade, aber für einen erneuten Aufstieg zum Gipfel fehlt mir dann doch die Motivation.
eingeschränkter
Blick vom Gipfel.
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Während des Abstiegs kann ich dann also doch noch schöne Aussichten genießen, mich den warmen Sonnenstrahlen hingeben und habe genug Muße für einige schöne Fotos.
Die
Gipfel des Heilbronner
Weges während des Abstieges vom Großen Krottenkopf. Links
das Hohe Licht, dann nach rechts folgend der Steinscharten- kopf, der Zacken
des Bockkarkopfes zwischen Socktal- und Bockkarscharte und ganz rechts die
Gipfel der Mädelegabelgruppe
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Die Kemptner Hütte, die ich mittags bereits wieder
erreiche
.Kurz vor zwölf Uhr bin ich wieder an der Kemptner Hütte und genieße mein letztes Radlermaß dieses Urlaubs. Nach viertelstündiger Pause dann der Abstieg über den Tobel ins Tal. 13:45 Uhr ist es, als ich den Gasthof Spiel- mannsau bei Sonnenschein erreiche. Nach einem Skiwasser entschließe ich mich, nicht auf den nächsten Bus Richtung Oberstdorf zu warten, da der noch auf sich warten lässt. Also trete ich den Rückmarsch nach Oberstdorf zu Fuß an.
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Mit anderen Worten: 8 Kilometer Fußmarsch bei praller Sonne und mit reichlich müden Füßen nach über 3500 Höhenmetern in den Beinen - nicht allzu spaßig, aber warten will ich halt auch nicht.
Rückblick
zum Kratzer (li.) und der Trettachspitze (re.)
Um 15:30 Uhr erreiche ich völlig schlapp mein Quartier in Oberstdorf. Für heute habe ich genug getan!