Großer Löffler - 3376m

Großer Löffler

Zur Route:
Der Große Löffler gehört zum Hauptkamm der Zillertaler Alpen, sein Gipfel liegt direkt auf der österreichisch-italienischen Grenze. Selbst auf seinem Normalweg von der Greizer Hütte aus gilt der Löffler als anspruchvolles hochalpinistisches Ziel, wo nur im Rahmen von sehr erfahrenen Seilschaften auf einen Führer verzichtet werden darf! Gerade im Spätsommer, wenn das Floitenkees ausapert, birgt die Route hohe Spaltengefahr und entsprechende Kenntnis bei der Begehung spaltenreicher Gletscher. Im oberen Teil je nach Verhältnissen kombinierter Gipfelhang.

Der Große Löffler über dem Floitental.(c) Luidger (wikipedia)

"offizielle" Gehzeiten:
Aufstiegszeit zur Greizer Hütte (2226 m) ab Ginzling (980 m): 4 - 4,5 Std. (1246 Hm)
Aufstiegszeit ab Hütte zum Gipfel: 3 - 4 Std. (1150 Hm)

Geologie des Großen Löfflers:
Der Große Löffler gehört zum Zillertal-Venediger-Kern des Tauernfensters. In diesem tektonischen Fenster sind inmitten von Ostalpin penninische Schichten aufgeschlossen. Der Zillertal-Venediger-Kern besteht aus tonalitischen Granitoiden, die auch am Gipfel des Löfflers beobachtet werden konnten.

 

Zur Vorgeschichte: den Urlaub 1990 verbrachte ich mit meinen Eltern und meiner Schwester in Finkenberg im Zillertal. Die Besteigung meines ersten Dreitausenders hatte ich bereits zuhause in M´gladbach geplant und mir Prospekte der "Hochgebirgs- und Wanderschule Tuxertal" unter der Leitung von Anton Tomann schicken lassen. An sich hatte ich mir den Hochfeiler ausgesucht, mit 3510m Höhe der höchste Zillertaler Gipfel. Wegen zu geringer Teilnehmerzahl musste ich mein Ziel jedoch wechseln. Der Hochfeiler ist nun auch ein Gipfel, der außer einer gewissen Kondition, wie nun mal für Berge solcher Höhe nötig, keine weiteren Voraussetzungen stellt. Aber mit meinen jungen neunzehn Jahren hätten mich meine Eltern nicht alleine auf den Hochfeiler gelassen. Und noch einmal so eine geheime Tour wie im vergangenen Jahr am Hochvogel wollte ich auch nicht abziehen. Ein Ausweichziel suchend, ließ ich mich zuerst für die Wollbachspitze vormerken, meldete mich dann aber für eine Tour auf den wesentlich anspruchsvolleren Gipfel des Großen Löfflers. Für den 12. und 13. (Freitag!) Juli war die Tour geplant...

Donnerstag - Hüttenaufstieg zur Greizer Hütte.

Freitag - Gipfelaufstieg und Abstieg ins Tal.

Donnerstag, der 12. Juli 1990 Top

Da es bis zum Treffpunkt noch einige Stunden sind, kann ich auch heute noch in Ruhe frühstücken und meinen Rucksack in aller Ruhe packen. Ganz schön knapp wird der Platz im Rucksack werden. Zu knapp, so dass ich mit Paps noch mal nach Juns ins Tuxertal fahre und mit einen größeren Rucksack ausleihe. Auch Gamaschen und andere Dinge muss ich mir leihen - meine erste Hochtour eben! Lachend verspricht mir Toni, dass wir heute Nachmittag noch ganz schön ins Schwitzen kommen werden. Na, warm ist es ja schon!
Wieder in der Ferienwohnung kann ich mich noch mit Cevapcici, Reis und Gurkensalat stärken, packe meinen Rucksack, schmiere mir dick Sonnencreme ins Gesicht und dann kann es los gehen: um 14:30 Uhr muss ich an der Teufelsbrücke, nur unweit unseres Quartiers stehen. Dort angekommen fragt mich ein Einheimischer, wo es denn hin gehe. Zum Großen Löffler antworte ich stolz. Ich erzähle ihm, dass es die erste Tour in solche Höhen sei und sage ihm, dass ich mit Anton Tomann gehen werde. Ein erfahrener Bergführer sei er, sagt mir der Mann und wünscht mir alles Gute.
Gegen 14:30 Uhr also kommt Toni mit seiner Schwägerin, die uns ins Floitental fahren wird. Durch Finkenberg geht es zum Wirtshaus Jochberg und weiter über Karlsteg in den Zemmgrund. Schließlich erreichen wir die kleine Ortschaft Ginzling (995m) und können noch bis kurz vor die Tristenbergalm (1117m) fahren, von wo es nur noch zu Fuß weiter geht. Kurz vor 15 Uhr sind wir dort und ich lerne die anderen drei Tourmitglieder kennen: zum einen der 13 Jahre junge Jens mit seinem Vater Klaus, zum anderen Dieter, ein Gastwirt aus Asteeg, bei dem Jens und Klaus Urlaub machen. Für Vater und Sohn ist es auch der erste Dreitausender. Dieter war schon mit Toni auf dem Olperer.
Um 15:30 Uhr machen wir uns auf den Weg. Während wir so auf recht ebenem Weg dahin wandern, komme ich mit Klaus und Jens ins Gespräch. Sie sind schon zum neunten Mal in Finkenberg. Nach einer Dreiviertelstunde erreichen wir die Steinbockalm (1380m), wo wir aber nicht einkehren, sondern zügig weiter marschieren. Obwohl es nur leicht bergauf geht, bin ich der Meinung, dass Dieter, der mit Toni voraus geht, ein viel zu hohes Tempo an den Tag legt. Wir Flachländler brauchen halt etwas länger :-)
So allmählich drückt der Rucksack empfindlich auf meinen Schultern und so sind es weniger konditionelle Probleme als viel mehr die Rückenlast, die mich ermüdet. Später stellt sich heraus, das es den anderen (wenn ich von "den anderen" rede, meine ich meist nicht Toni) genauso ging. Auf einmal macht mich Klaus auf die Hütte aufmerksam, die man hoch über dem Talschluß sehen kann. Das wird noch ein hartes Stück Arbeit!

Greizer Hütte

Jens drängt schließlich auf eine Pause, die wir dann auch gegen 16:50 Uhr inmitten von Felsblöcken links der Floite, einem wilden Gebirgsbach, machen. Nach zehn Minuten geht es weiter, doch schnell macht uns wieder die sengende Hitze zu schaffen, es ist wirklich irre heiß. Nach einer weiteren halben Stunde klagt Jens über Atembeschwerden, wohl wegen des zu hohen Tempos bei dieser Hitze. Nach einer viertelstündigen Rast geht Jens voran, um das Tempo zu bestimmen. Eine Blöße will er sich aber offenbar nicht geben, so viel langsamer geht´s auch nicht. Wir erreichen einen Wegweiser, wo die restliche Anstiegszeit mit einer Dreiviertelstunde angegeben ist. Wir befinden uns auf etwa 1800 Meter Höhe. Wir wenden uns, am hintersten Talende angekommen, von der Floite ab und steigen in steilen Kehren höher. Noch vierhundert Höhenmeter bei unbarmherziger Hitze, steilem Gelände, einem zu voll gepackten Rucksack und einem dreizehnjährigen Führer, der uns den letzten Schweißtropfen abverlangt!!!

Die Greizer Hütte mit den Gipfeln des Floitengrundes. (c) Holger Ellgaard (wikipedia) .

Das letzte Stück geht Toni, nun mäßiger, voran. Während wir (laut) vom kühlen Bier träumen, werden die Kehren wieder weiter, bis wir schließlich die Greizer Hütte auf 2226 m erreichen. Um 18:40 Uhr haben wir es geschafft.

Die Hütte liegt in prachtvoller Lage, umrandet von Floitenkees und Gipfeln wie Schwarzenstein, Tribbachspitze und natürlich unserem morgigem Ziel: dem Löffler! Auf der anderen Talseite der steile Mörchenkamm mit der Mörchenschneidscharte, dem Übergang zur Berliner Hütte. Ermattet betreten wir die Hütte und entledigen uns der Last. Toni wird vom Hüttenwirt gleich mit einem Schnaps empfangen. Wir wollen in die Gaststube, aber einen Tag früher als geplant findet in der Hütte das Sektionstreffen der Sektion Greiz statt. In einem kleinen Privatraum können wir es uns aber dennoch gemütlich machen. Dann gibt es endlich die ersehnten Durstlöscher und später auch Abendbrot.
Nach dem Essen gehen wir vor die Hütte, um die Steigeisen für morgen anzupassen. Meine Zwölfzacker müssen nicht angepasst werden. Wenig später gehe ich nochmals vor die Tür, um das letzte Tageslicht zu genießen. Ein wunderschönes Alpenglühen sehe ich da und kann mir keinen schöneren Abschluss dieses Tages vorstellen.

Gemütliches Beisammensein
Alpenglühen am Löffler
Klaus, Jens, Dieter und Toni, unser Führer (von links).
Der Löffler (li.) im letzten Tageslicht.

Kurz darauf sind wir wieder alle in unserem "Separée" vereint, wie wir unser Privatzimmer nennen. Bei Bier und Skiwasser genießen wir das gemütliche Ambiente der Hütte und haben genug Gesprächsstoff. Spaß bekommen wir auch, als es um Dieters Tour auf den Olperer geht, bei der er sich offenbar etwas ungeschickt angestellt hat. Und Klaus hat da schon seinen Spaß, dass es beim Wanderabzeichen für den Olperer zwanzig, für den Löffler hingegen vierzig Punkte gibt. Nach einem letzten Glas Rotwein machen wir uns gegen 22:30 Uhr auf unseren Weg in die Zimmer. Toni und ich belegen ein Zweibettzimmer, die anderen drei ein Dreibettzimmer. Toni geht noch in die Küche, um zu plaudern und ich lasse mich nach einem letzen Blick in den sternenklaren Himmel ins puddingweiche Bett fallen. Als Toni kommt schlafe ich bereits...

Schlafkarte

 

Freitag, der 13. Juli 1990 Top

Nach einer ruhigen Nacht erwache ich gegen 5:30 Uhr, döse aber noch mal ein. Um 6:15 Uhr stehe ich auf. Tonis etwas düstere Miene dürfte an den weichen Betten liegen. Na ja, nicht wegen seines Bettes, sondern wegen meinem: bei weichen Matratzen schnarche ich eher als bei einem harten Bett.

In unserem Separée frühstücken wir gemütlich und mir schmeckt es wirklich ausgezeichnet. Nach dem Frühstück lasse ich eine Katzenwäsche über mich ergehen. Die Hütte kann man wirklich als sauber bezeichnen. Die Rucksäcke werden gepackt und alle unnötigen Sachen lassen wir in der Hütte. Ich lasse mir meine Trinkflasche mit heißem Tee füllen, dann geht´s raus. Draußen ist es kühl und wolkenlos - ideal also. Wir sind alle in Aufbruchstimmung und um 7:30 Uhr können wir dann auch aufbrechen.
Südlich der Hütte geht es recht flach über Schrofen und Wiesenhänge, bis wir schließlich die Endmoräne des Gletschers erreichen. Über grobe Felsblöcke geht es weiter und ich bekomme allmählich Vertrauen in meine Schuhsohlen, als wir so über die Blöcke springen.

Floitenkees.

Alsbald mischen sich die ersten Schneefelder in die Felsblöcke, bis wir uns gegen 8 Uhr entscheiden, uns für den Einstieg in den Gletscher zu rüsten. Wir haben nun etwa eine Höhe von 2600 Metern erreicht und stehen vor der Gletscherzunge des Floitenkeeses. Wir packen unsere Ausrüstung aus den Rucksäcken und legen die Klettergurte an. Toni kontrolliert bei jedem den festen Sitz der Gurte und der Steigeisen. Nachdem ich mir warme Kleidung und Handschuhe übergezogen habe, werden wir ans Seil genommen. Nachdem die Vorbereitungen eine halbe Stunde gekostet haben, können wir um 8:30 Uhr in den Gletscher einsteigen. Toni geht als erster, dann folgen Klaus, Jens, ich und zuletzt Dieter. Das Steigen mit den Steigeisen ist eine ganz neue Erfahrung für mich, allerdings ist es ein schönes Gefühl, auf dem harten Gletschereis festen Stand zu haben.

Der Floitengletscher im ersten Morgenlicht.

Das Eis hat eine gute Härte, zumal wir noch im Schatten gehen - wir kommen gut voran, zumal es uns auch innerlich nach oben treibt. In kurzen Pausen haben wir Gelegenheit zu trinken, bis wir schließlich den sonnenbestrahlten Teil des Gletschers erreichen. Wir tauschen die warme Kleidung gegen Sonnenbrillen. Diese Aktionen müssen behutsam ablaufen: was einmal aus den Händen gleitet, ist bei diesem steilen Gelände sofort weg. Und dann passiert es doch: Dieter verliert einen seiner beiden Handschuhe, hat dafür aber nur ein Grinsen übrig.

Auch das gleißende Licht auf solch einem Gletscher ist eine völlig neue Erfahrung - jeder Eiskristall reflektiert das Sonnenlicht mit einer unglaublichen Helligkeit. Dieses Licht ist der Wahnsinn! Ab und an bleibe ich kurz stehen, damit sich das Seil zwischen mir und Jens wieder straffen kann. Auch ein straffes Seil ist in spaltenreichem Gelände wichtig, damit sich das Seil bei einem Sturz gleich spannt und den Sturz abfängt.

Bei einer Fotopause merkt Dieter, dass seine Kamera streikt. Nachdem Klaus und Jens gar keine Kamera dabei haben, liegt es nun also an mir, ein paar schöne Erinnerungsbilder zu machen. Beim weiteren Steigen macht sich die Steigeisenschnalle an den Fersen empfindlich bemerkbar, zumal meine Schuhe nicht für Steigeisen gemacht sind.Kurz nach 10 Uhr meldet unser Führer Toni, dass wir eine Höhe von 3060m erreicht haben.

 

Da meine Fersen inzwischen ziemlich schmerzen, bitte ich Toni um eine Pause, damit sich meine Füße ein wenig erholen können. Auch eine weitere Anfrage wegen einer Pause wird abgelehnt. Na, in diesem steilen Gelände könnten sich meine Füße ohnehin nicht richtig erholen. Das erklärt mir auch Toni später bei der Rast. Der Gletscher hat nun eine beachtliche Steigung erreicht, links von mir fällt das Eis steil in die Tiefe. Trotzdem empfinde ich keinen Schwindel, während ich auf der hüftbreiten Spur weiter aufsteige. Schmerzenden Schrittes geht es mühsam weiter, bis wir um 10:45 Uhr den Gletscher hinter uns lassen. Wir haben einen

Auf dem Sattel

flachen Sattel zwischen Löffler und Tribbachspitze erreicht und befinden uns nun auf 3179m Höhe. Nun können wir die Aussicht in vollen Zügen genießen, die sich nun auch nach Süden öffnet. Besonders beeindruckend ist der Blick zum Großvenediger.

Kurze Rast auf 3179m Höhe. Energie tanken für den Gipfelsturm.

Gipfelaufbau

Ich schaue den mit Felsen durchsetzten Firnhang gen Gipfel hinauf und erkenne einige Männer beim Abstieg. Wir lassen die Rucksäcke auf dem Sattel zurück, tauschen die Skistöcke gegen Pickel und nehmen das letzte Stück in Angriff. Zuerst flach, dann steiler gewinnen wir rasch an Höhe, Hier und da müssen einige Felsen überklettert werden, was "dank" der Steigeisen ein etwas ungewohntes Gefühl ist. Plötzlich höre ich ein begeistertes "Wahnsinn" von oben. Die Aussicht scheint wie angekündigt vom Feinsten zu sein. Schließlich wird es wieder flacher und ich kann das Gipfelkreuz sehen.

Der Gipfelaufbau des Großen Löffler vom Sattel, dem Oberen Floitenjoch aus gesehen.

Über Gehgelände geht es über die letzten Felsen, dann ist es geschafft. Es ist nun 11:10 Uhr.

 

 

 

 

 

 

 

Wir sind am Gipfel des Großen Löfflers angekommen.

Am Gipfel!

Mein erster Dreitausender!!!

Auch für Jens und Klaus ist es der erste Gipfel über der 3000m-Marke. Wir beglückwünschen uns mit einem "Berg Heil" und rammen den Pickel in den Gipfelfirn. Die Aussicht, die sich uns darbietet ist kaum mit Worten zu beschreiben. Es ist das schönste Panorama, welches ich bis dahin gesehen habe. Die gesamten zentralen Ostalpen scheinen zu unseren Füßen zu liegen. Der Blick geht über das Ortlermassiv, die Stubaier, Ötztaler und natürlich Zillertaler Alpen, über das Wettersteingebirge, den Karwendel, die Kitzbühler Alpen und die Hohen Tauern sowie das Wildgallmassiv. Weit im Süden die Karbonatriffe der Dolomiten.

Zillertaler und Tuxer Alpen
Blick auf die Zillertaler und Tuxer Berge. Bitte hier klicken für großes, beschriftetes Panorama.
Zillertaler, Tauern und Wildgallgruppe
Die östlichen Zillertaler Alpen. Hinten die Hohen Tauern und die Wildgallgruppe (rechts). Auch hier gibt es ein großes Panorama bei Klick, in dem die wichtigsten Gipfel beschriftet sind.

Und 1150 Höhenmeter weiter unten winzig klein die Greizer Hütte. Nach den obligatorischen Gipfelfotos und einem Eintrag ins Gipfelbuch mache ich noch ein Gipfelpanorama. Dann steigen wir wieder, nach viertelstündiger Gipfelrast, auf dem Aufstiegsweg ab. Nach dem flachen Gipfelrücken erreichen wir wieder den Steilhang, den wir mit Frontalzacken-Technik absteigen. Nachdem mir Toni gut zuredet, bekomme ich allmählich Vertrauen in die vier Metallzacken, die nun mein gesamtes Gewicht tragen müssen. Wieder eine neue Erfahrung! Schnell macht es mir Spaß, wie ein "richtiger" Bergsteiger am Berg unterwegs zu sein und genieße dieses neue Gefühl.

Abstieg vom Gipfel

Mit abnehmender Steigung geht es dann hinab zum Sattel, dem Oberen Floitenjoch, wo wir um 11:55 Uhr wieder die Rucksäcke erreichen.

Die ersten Meter des Abstiegs. Noch geht´s flach hinunter.

Wir trinken und essen, genießen die Aussicht und rüsten uns allmählich für den Abstieg. Für den weiteren Abstieg über den Gletscher ziehen wir Gamaschen über und werden auch den Pickel zur Hilfe nehmen.

Blick nach Südtirol

Nach geruhsamer Rast steigen wir in umgekehrter Reihenfolge in den Gletscher ein: Dieter geht voran, dann folge ich, hinter mir Jens, Klaus und Toni. Es ist 12:30 Uhr. Durch die Sonne ist die Oberfläche doch deutlich aufgeweicht, nicht gerade ideal. In diesen ersten Minuten ist mir doch etwas mulmig, denn der Gletscher, den wir beim Aufstieg im Rücken hatten, fällt nun vor meinen Augen steil in die Tiefe. Erst jetzt wird mir die Größe und Steilheit voll bewusst.

Blick vom Gipfel zu Marmolada und Sellagruppe.

Der Abstieg ist deutlich mühsamer als der Aufstieg. Manchmal sinke ich bis zu den Knien ein und Dieters Tempo ist mir auch eindeutig zu schnell. Zweimal rutsche ich aus, drehe mich aber instinktiv auf den Bauch und ramme den Pickel in den Firn, so dass Schwung erst gar nicht aufkommt. Aber vor allem Klaus ist viel zu angespannt und hat Angst auszurutschen. Toni zeigt uns die richtige Haltung und Technik und schon bald werde ich sicherer. Klaus nimmt dauernd leichte Rücklage ein und droht gerade dadurch, sich seinen Stand zu nehmen. Besser ist es, sich leicht nach vorne beugen. Wir halten sehr oft an, weil wir auch kein einheitliches Tempo finden. Logo, wir sind halt keine eingespielte Seilschaft. Trotzdem passe ich mich allmählich Dieters Tempo an.

Rückblick zum Löffler

Wir steigen, anders als im Aufstieg, in direkter Falllinie des Gletschers ab. Weiter unten, in wieder flacherem Gelände, nehmen die anderen die Steigeisen ab. Ich behalte meine noch vorläufig an den Schuhen, da meine Schuhe ja auch nicht ganz so gut profiliert sind wie die der anderen. Schließlich geraten wir in ein Spaltengebiet. Vorsichtig umgehen wir die größeren Spalten , während andere Spalten übersprungen werden können. Hier zeigt sich wieder, dass an einem solchen Berg niemand etwas verloren hat, der nicht über entsprechende Erfahrung verfügt. Und da haben wir mit Toni wirklich einen tollen Führer erwischt. Am Gletscherrand angekommen, es ist etwa 14 Uhr, entledigen wir uns des Seiles, packen auch die Gamaschen und Klettergurte in die Rucksäcke, tauschen Pickel gegen Skistöcke und genießen bei einer Rast einen phantastischen Blick hinauf zum Löffler, zu "unserem" Berg. Dann geht´s weiter zur Hütte. Zunächst noch über Firn latschend, dann über die großen Blöcke der Endmoräne erreichen wir den Weg, der uns schließlich zur Greizer Hütte leitet. 14:45 Uhr zeigt die Uhr.

Rückblick zum Floitenkees nach Ausstieg aus dem Gletscher.

Nach einem Schnapserl gibt´s die wohlverdiente Brotzeit und ausgiebige Rast, bei der natürlich der Löffler unser Thema ist. Klaus und ich tauschen unsere Adressen aus, da ich ja die einzigen Bilder gemacht habe. Nachdem wir die Rucksäcke wieder gepackt haben, geht´s kurz vor 16 Uhr talwärts. Ich tue mir beim packen des Rucksacks nicht allzu viel Mühe an und habe so einen unförmigen Klumpen auf dem Rücken. Klaus geht voraus und so steigen wir flotten Schrittes ab. Weiter unten wird es dann wieder flacher und angenehmer. Immer wieder blicke ich zur Hütte zurück, die nun bereits weit hinter uns liegt. Die tiefer gelegenen Tallagen sind bereits in Schatten gehüllt. Später glauben wir, die weit vor uns liegende Alm als Steinbockalm zu erkennen, was uns weiter anspornt. Immer noch ist reichlich warm. Auch, als wir erkennen, dass die vor uns liegende Hütte nicht die Steinbockalm ist. Bis zum kühlen Bier wird es also noch etwas dauern. Als Toni unterwegs bei einem Freund hängen bleibt, eilen wir voraus und sind um 17:40 Uhr an der Steinbockalm. Ein flotter Abstieg!

Hinter uns liegt ein wundervoller Blick ins Floitental, vor uns noch eine halbe Stunde wandern bis zur Tristenbergalm. Kurz nach sechs Uhr nehmen wir dieses letzte Stück in Angriff und wandern nun gemäßigteren Schrittes talauswärts. Ich unterhalte mich mit Klaus über die zurückliegende Tour, über die gemachten Erfahrungen und unsere Eindrücke. Um 18:40 Uhr erreichen wir den Parkplatz an der Tristenbergalm auf 1117m Höhe, es ist entgültig geschafft. Der Große Löffler liegt erfolgreich hinter uns!!!

Rückblick ins Floitental

Ich gebe Toni schon mal die Ausrüstung zurück. Wir packen die Sachen in den Kofferraum und können wenig später losfahren. Durch den Floitengrund fahren wir nach Ginzling und schließlich durch die Zemmschlucht Richtung Finkenberg. Toni hat unterdessen Lob für unsere Gruppe übrig und sagt, dass sich jeder gut verkauft habe. Auch für ihn also ein schönes Erlebnis, 4 "Kunden" ohne Zwischenfälle auf einen anspruchsvollen Gipfel geführt zu haben.

Rückblick ins wildromantische Floitental nach einer tollen Tour.

Allerdings haben auch wir in Toni einen freundlichen und kompetenten Führer gefunden, bei dem man sich stets sicher fühlt. Kurz vor 19 Uhr bin ich wieder an der Teufelsbrücke, dort, wo gestern Mittag alles begonnen hatte. Ich verabschiede mich von neu gewonnenen Freunden und bin wenig später in unserer Ferienwohnung. Schön war dann noch das verdutzte Gesicht meiner Eltern - offenbar hatte ich recht ordentlich Sonnenbräune abbekommen!

Kleiner Epilog: Die Bergtour auf den Großen Löffler war mein bis dato eindruckvollstes Erlebnis in den Bergen. Ich erlebte meinen ersten Hüttenabend, meinen ersten Gletscher und meinen ersten Dreitausender. Ich stieg zum ersten Mal mit Führer und hatte zum ersten Mal Kontakt mit Steigeisen und Pickel. Viele schöne Erfahrungen, die auf zahlreiche Wiederholungen warten.
Am darauffolgenden Tag fuhren Papi und ich ein letztes Mal nach Lanersbach, um den ausgeliehenen Rucksack zurück zu geben. Toni war bereits wieder unterwegs. Nachdem auch die 100öS bezahlt waren, gab es noch eine Urkunde als Andenken an den gestrigen Tag.

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