Chris Bonington (* 1934)
Chris Bonington.
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Sir Chris Bonington wurde 1934 in Hampstead geboren. Er studierte an der University College School in London und an der Royal Military Academy in Sandhurst. Zwei Jahre arbeitete er als Ausbildner für Bergsteigen an der Army Outward Bound School des königlich-britischen Militärs. Während dieser Zeit begann er mit Klettereien in den Alpen und machte sich rasch einen Namen durch schwierige Wiederholungen und Erstbegehungen: Südwestpfeiler Dru (1958), Freney Zentralpfeiler Mont Blanc (1961), erster Brite durch die Eiger Nordwand (1962). Allerdings wird ihm nach dem Austritt aus der Armee, 1961, rasch klar, dass er eine konventionelle berufliche Karriere niemals würde mit dem Bergsteigen verbinden können.
Seit
1969 nimmt der Brite an Expeditionen zu sehr abgelegenen Orten teil: Sangay
in Ecuador, Karibu-Jagd auf Baffin Island/Kanada, Forschungsexpedition zum Sepu
Kangri in Tibet, Segelexpeditionen nach Grönland. Bonington erhielt viele
internationale Auszeichnungen und wurde 1996 von der Queen in den Ritterstand
erhoben. Er schrieb viele Bücher und produzierte mehrere Filme. Chris Bonington
ist verheiratet und hat zwei Söhne, Daniel and Rupert.
Gipfelbuch
(Auszüge):
1960 | Erstbesteigung der Annapurna II im Rahmen einer britisch-indischen Expedition unter Jimmy Roberts. Dick Grant und Ang Nyima erreichen gemeinsam mit Bonington den Gipfel. | |
1961 | Zweitbesteigung
des Nuptse (7879m) im Rahmen einer britischen Expedition unter Joe Warmsley,
nachdem Dennis Davis und der Sherpa Tachei den Gipfel am Tag zuvor erstbestiegen
hatten. Erstbegehung des zentralen Frêney-Pfeilers am Mont Blanc durch Chris Bonington, Ian Clough, Don Whillans und dem Polen Jan Djuglosz. |
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1962 | Als erster Brite durchsteigt Bonington, gemeinsam mit Ian Clough, die Eiger-Nordwand. | |
1963 | Im Januar Erstbesteigung des Torre Central ("Central Tower of Paine", 2800m) in Patagonien durch Chris Bonington und Don Whillans. | |
1966 | Erste Besteigung des "Old Man of Hoy" gemeinsam mit Patey und Bailey. | |
1970 | Leiter einer Expedition, der die erste Durchsteigung der Annapurna-Südwand gelingt - der ersten großen Achttausenderwand. Am 27. Mai erreicht die Seilschaft Dougal Haston / Don Whillans den Gipfel. | |
1971 | Tom Frost, Jim McCarthy und Sandy Bill laden Bonington zu einer Expedition zur noch undurchstiegenen Ostwand des Moose´s Tooth (3150m) in Alaska ein. Doch nach 300 m technischer Kletterei wird die Gruppe von Regen vertrieben. (Jim Bridwell und Mugs Stump sollten die Wand später erstdurchsteigen. Das Regenproblem lösten sie mit einer Begehung im Winter). | |
1972 | Leiter einer britischen Everest-Expedition: der erste britische Versuch an der Südwestwand, die jedoch auf 8300m scheitert. | |
1973 | Erstbesteigung des Brammah (6411m) in Kashmir mit Nick Estcourt am 24. August. | |
1974 | Erstbesteigung des Changabang (6864, Garhwal Himalaya) am 4. Juni durch Martin Boysen, Dougal Haston, Doug Scott, dem Sherpa Tashi, Chris Bonington und Balwant Sandhu. | |
1975 | Im Herbst leitet Bonington eine britische Expedition zur Südwestwand des Mount Everest, die nach vielen vergeblichen Versuchen damals die vielleicht größte Herausforderung an den Achttausenderwänden darstellte. Am 24. September erreichen Doug Scott und Dougal Haston den Gipfel. | |
1976 | Während eines dreitägigen Abstechers gelingt Bonington der Ostgrat des Mount Cook in Neuseeland ebenso wie Symesgrat des Mount Tasman. | |
1977 | Mit Doug Scott geht Chris Bonington den Ogre (7285m) an. Nachdem ihnen die Erstbesteigung des schwierigen Berges gelingt, kommt es zu einem sechstägigen Abstieg der Leiden: Doug Scott bricht sich kurz nach dem Gipfel beide Beine (!) und kann nur noch abwärts kriechen. Auch Bonington stürzt und bricht sich eine Rippe. Ohne Nahrung kämpfen sie sich tagelang den Berg hinab und erreichen schließlich das Lager, während die Kameraden sie bereits aufgegeben hatten. | |
1978 | Bonington leitet ein kleines Team zum K2 und will den schweren Westgrat als erster klettern. Die Expedition endet tragisch, als Nick Estcourt in einer Lawine umkommt. Nach dieser Expedition folgt eine zweijährige Pause, in der er u.a. den Bestseller "Quest for adventure" schreibt. | |
1981 | Nach einer Erkundungsreise 1980 ist Bonington ein Jahr später Leiter der britischen Kongur-Expedition, der die erste Besteigung des Kongur (7700m) gelingt. Die Gipfelmannschaft bilden Peter Boardman, A. Rouse and Joe Tasker. | |
1982 | Leiter der britischen Everest-Nordostgrat-Expedition. Kein Gipfelerfolg. Peter Boardman und Joe Tasker bleiben bei dieser Expedition verschollen, nachdem sie am Abend des 16. Mai ein letztes Mal Funkkontakt mit dem Basislager hatten. | |
1983 | Erstbesteigung
des Shivling-Südwestgipfels (6501m) mit Jim Fotheringham. Erste britische Besteigung des Mount Vinson (4897m) in der Antarktis. Bonington war von Frank Wells und Dick Bass eingeladen worden. Den Gipfel erreichte er bei stürmischen Wetter alleine, Wells und Bass einige Tage später. Auch Rick Ridgeway war mit von der Partie, musste aber ebenfalls den Gipfelaufstieg mit Bonington abbrechen. |
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1985 | Besteigung des Mount Everest (8848m) am 21. April als Mitglied einer norwegischen Expedition (Leiter: Arne Naess) über den Normalweg. Mit Sauerstoffhilfe erreichen fast alle Expeditionsmitglieder den Gipfel, darunter auch Bonington. | |
1987 | Leiter der britisch-norwegischen Menlungtse-Expedition mit Jim Fotheringham, Odd Eliassen, Bjorn Myrer-Lund. Schlechtwetter treibt die Expedition schließlich zurück. | |
1988 | Leiter der britisch-amerikanischen Menlungtse-Expedition (David Breashears, Steve Shea, Andy Fanshawe, Alan Hinkes, Charlie Clarke, Jess Stock), der die Erstbesteigung des Westgipfels durch Hinkes & Fanshawe gelingt (7023m). | |
1992 | Bonington ist mit Harish Kapadia Leiter einer indisch-britischen Expedition. Gemeinsam mit Graham Little gelingt die Erstbegehung des Westgrates des Panch Chuli II (6904m). | |
1993 | Im
Juli unternimmt Bonington mit Jim Lowther, Graham Little und Rob Ferguson
eine Reise zur Lemon Bjerge-Kette in Grönland. es gelingen drei Erstbegehungen,
eine Mixedroute am Chisel und zwei technische Routen am Ivory Tower und
am Needle. Im August besucht er den Kaukasus und besteigt den Elbrus sowie den NE-Grat des Ushba. |
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1994 | Wie schon 1992 leitet Bonington gemeinsam mit Harish Kapadia eine indisch-britische Expedition. Ihr Ziel war ein unbestiegener Gipfel (6553m) in einem entlegenen Teil des Kinnaur Himalaya (Nordindien). Die Erstbesteigung gelingt: acht Teammitglieder erreichen den entlegenen und schönen Gipfel, den sie "Rangrik Rang" benennen. | |
1995 | Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der norwegischen Everest-Expedition von 1985 treffen sich Teammitglieder von ´85, um die Erstbesteigung des Drangnag-Ri, einem 6801m hohen Gipfel im Rolwaling-Himalaya zu versuchen. wieder ist die Expedition erfolgreich: am 30. April erreichen Bonington, Ralph Høibakk, Bjørn Myrer-Lund und die Sherpas Sherpas Pema Dorge and Lhakpa Gyalu nach schwerer Kletterei den Gipfel. | |
1996 | Erkundungsexpedition mit Charles Clarke nach Nordost-Tibet um einen Gipfel ausfindig zu machen, den 1982 durch ein Flugzeugfenster auf dem Weg nach Lhasa gesehen hatten. Sie finden ihren Berg, Sepu Kangri (6950 m), und gehen diesen im Frühjahr des nächsten Jahres an. | |
1997 | Im
Frühjahr geht eine Expedition unter Chris´ Leitung den Sepu Kangri
(6950 m) an: Jim Lowther, Jim Fotheringham, John Porter und Chris bilden
das Bergsteiger-Team; Charles Clarke, Jim Curran (Film) and Duncan Sperry
(Technik) ergänzen das Team. es ist das erste Mal, dass Bonington Satelliten-Technik
zur Unterstützung benutzt und eine Website zur Expedition pflegt. Das schlechte Wetter mach jedoch einen Aufstieg über 6100 m (NE-Seite) unmöglich, die Expedition muss aufgeben. |
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1998 | Chris kehrt im Herbst 1998 zum Sepu Kangri zurück; diesmal mit Victor Saunders, Graham Little, Elliot Robertson und Scott Muir (Bergsteiger-Team). Daneben sind Charles Clarke mit einem Filmteam unter der Leitung von Jim Curran als auch Martin Belderson und Greg Cubitt von ITN mit am Berg. Dieses Mal kann das Team über das "Western Cwm" des Berges (nicht zu verwechseln mit dem Western Cwm am Everest) zwei Gipfelversuche verbuchen: Victor Saunders und Scott Muir erreichen eine Höhe von 6800 m, jedoch nicht den Hauptgipfel. Graham Little gelingt die Erstbesteigung des Turquoise Flower (6650m), eines Nachbargipfels des Sepu Kangri. | |
2000 | Im Frühjahr unternimmt Bonington eine "Familienexpedition" zum Danga II (6194m), einem unbestiegenen Nachbargipfel in der Nähe des Kantsch. Vier Boningtons erreichen den Gipfel: Chris, sein ältester Sohn Daniel, sein Bruder Gerald und sein Neffe James. | |
2001 | Indisch-amerikanisch-britische
Expedition zur Arganglas-Kett in Ladakh, NW-Indien. Reise in die Tafraute-Region in Marokko, gemeinsam mit Joe Brown, Les Brown, Derek Walker und anderen. |
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2003 | Erstbesteigung des Jaraun Peak (5205 m), Sainj Valley, Kullu. Die Expedition findet wieder gemeinsam mit seinem Freund Harish Kapadia und anderen Freunden statt. | |
2004 | Erstbesteigung des Pimu Peak (5490 m), zwischen Jambu Nala und Pimu Nala, Menthosa-Kette, Lahoul. | |
2005 | Besteigung des Kilimandscharo zum zweiten Mal. | |
Buchtipp:
Die Zahl von Boningtons Veröffentlichungen ist lang. Ein lohnendes deutschsprachiges Buch ist die Übersetzung seines Buches von 1989: "Mountaineer - Thirty years of climbing on the world´s great peaks": Chris Bonington: "Gipfel" - 192 Seiten, Rosenheimer-Verlagshaus 1990, ISBN 3-475-52638-7. Großformatiges, bildgewaltiges Buch über ein einzigartiges Bergsteigerleben. Großartig!!! |